
Der 21 Jahre alte Journalist Adriano C. aus Enego in der nordostitalienischen Region Venetien hat vor Gericht gestanden, Drohbriefe gegen sich selbst verfasst und auch den Brandanschlag auf seine Wohnung inszeniert zu haben. Der Fall hatte seit Ende Mai landesweit für Aufsehen gesorgt. Den vermeintlich von der Mafiaorganisation Camorra bedrohten Journalisten hatten unter anderem der Anti-Mafia-Priester Don Maurizio Patriciello aus Neapel, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Außenminister Antonio Tajani ihrer Unterstützung versichert. Auch der Journalistenverband Venetiens und der Verband der italienischen Presse hatten sich solidarisch mit Adriano C. gezeigt.
Die Staatsanwaltschaft in Vicenza wirft dem Journalisten Brandstiftung, Vortäuschung einer Straftat, Störung der öffentlichen Ordnung sowie Betrug gegenüber einer öffentlichen Einrichtung vor. Nach italienischen Medienberichten hat C. vor dem Untersuchungsrichter ein umfassendes Geständnis abgelegt und in einem Schreiben an die Strafverfolger um Entschuldigung gebeten.
Der Anwalt des Journalisten teilte mit, C. sei bei der Anhörung zutiefst erschüttert gewesen, habe geweint und sein tiefes Bedauern über das Geschehene zum Ausdruck gebracht. Gemeinsam mit seinen Rechtsvertretern habe er sich entschlossen, „uneingeschränkt mit den Justizbehörden zu kooperieren, damit jeder Aspekt des Falls vollständig und so schnell wie möglich aufgeklärt werden kann“. In dem Schreiben des Journalisten heißt es nach Angaben von dessen Anwalt: „Ich weiß, dass ich für meine Fehler büßen muss, und das ist richtig.“
Der freie Mitarbeiter der Tageszeitung „Il Giornale di Vicenza“ und des Magazins „L’ Altopiano“ hatte eine vermeintliche Veruntreuung öffentlicher Gelder in seiner Heimatstadt Enego aufgedeckt. Das investigative Fernsehmagazin „Report“ des öffentlich-rechtlichen Senders RAI 3 hatte nach einem Hinweis von C. über den Fall berichtet. Weil der angebliche Skandal nicht die erhoffte lokale und nationale Aufmerksamkeit erregte, fingierte C. die Drohbriefe der Camorra und täuschte am 30. Mai schließlich einen Brandanschlag gegen seine Wohnung vor.
