
Wenn Einzelaktien zu einem Small-Talk-Thema werden, ob auf der Grillfeier, in der Freundesrunde oder der Kaffeeküche, dann ist klar: Ein Unternehmen surft auf einer Hype-Welle. Nvidia ist so ein Dauerbrenner-Thema, SpaceX war es rund um den Börsengang. Und von den deutschen Konzernen war es Rheinmetall. Das liegt vor allem an dem enormen Wachstum, das die Aktie in den vergangenen Jahren hingelegt hat.
Jedes Mal, wenn man dachte, dass ein Ende des Höhenflugs erreicht sein muss, hat ein Kommentar von Donald Trump oder eine Reaktion aus der NATO dazu geführt, dass es wieder bergauf ging. 80 Euro kostete eine Aktie vor Kriegsausbruch in der Ukraine, über 2000 Euro zahlten Aktionäre auf dem Allzeithoch. Doch jede Hausse endet irgendwann.
Das spürt Rheinmetall gerade deutlich: Seit einem Jahr hat der Aktienkurs ein Drittel an Wert verloren. Gerade steht die Aktie unter 1200 Euro. Und das, obwohl man wirklich nicht sagen kann, dass die Welt friedlicher geworden ist. Alle operativen Kennzahlen zum Wachstum sprechen auch dafür, dass es mit dem enormen Auftragszuwachs für den größten deutschen Rüstungskonzern weitergeht wie bisher. Gleichwohl ist der Wachstumsoptimismus an der Börse begrenzt.
Ein Rückschlag im neu zugekauften Marinegeschäft illustriert, wie abhängig Rüstungskonzerne von den Aufträgen ihrer staatlichen Partner sind. Rheinmetall musste gar die Umsatzprognose leicht senken. Das Unternehmen wächst zwar weiter stark zweistellig und ist hochprofitabel, aber mancher Anleger ist schon von kleinen Rücksetzern verschreckt. Das ist der Nachteil des Erfolgs. Die Erwartungen sind höher.
Rheinmetall ist nicht unverwundbar
Anleger müssen erkennen, dass Rheinmetall zwar eine starke Position hat, aber nicht unverwundbar ist. Nur weil der Vorstandsvorsitzende Armin Papperger mit reichlich Selbstbewusstsein über die Leistungsfähigkeit seines Unternehmens spricht, landet nicht automatisch jeder Auftrag in den Büchern des Düsseldorfer Dax-Konzerns.
Zu Wasser, zu Land, in der Luft und im Weltraum mitzumischen, ist der Anspruch von Rheinmetall. Das bedeutet aber nicht, dass das Unternehmen überall genauso starke Positionen aufbauen kann, wie es das etwa in der Munition hat. Gerade im Bereich der Drohnen gibt es gehörige Konkurrenz. Rheinmetall wird weiter stark wachsen, zweifellos. Aber der Hype ist vorbei. Für Anleger jenseits der Gartenparty-Fraktion muss das kein schlechtes Zeichen sein.
