
Eins vorab: Florian Illies hat recht. In der aktuellen „Zeit“ beschreibt der Mitherausgeber der Wochenzeitung, warum KI-Texte es nicht mit Texten von Menschen aufnehmen können. Allerdings beruht der Text auf einer recht oberflächlichen Grundannahme: Die KI liefere, schreibt Illies, „in Sekundenbruchteilen“ zu jedem Thema einen fertigen Text.
„Wer bei ChatGPT (…) ein Thema eingibt, der bekommt einen Text in gewünschter Länge schneller geliefert, als er für das Eintippen der Frage gebraucht hat.“ Wer aber so schnell schreibe, der könne nicht am Leben sein. Er selbst habe „für diesen Text nicht die KI gefragt“, ergänzt Illies stolz.
Offenbar macht er das auch sonst nicht oft. Sonst wüsste er, dass ChatGPT eher substanzielle und verlässliche Ergebnisse liefert, wenn man den „Deep Research“-Modus nutzt. Und da kann es dauern, bis man eine Antwort bekommt. Oft will der Balken, der den Fortschritt der Recherche symbolisiert, sich einfach nicht bewegen, bis man entnervt den Tab wechselt und hofft, dass im Hintergrund weitergearbeitet wird.
Arbeitet man verantwortungsbewusst, muss man danach Quellen prüfen, Nachfragen stellen, Widersprüche aufdecken. Und dann schreiben. Selbst wenn man sich einen Text in diesem Modus einfach schreiben lässt, kann das dauern. Wir haben das nun zum ersten Mal getestet: Erst nach fünf Minuten erschien bei einem sehr simplen Auftrag der erste Satz. Will man die KI entzaubern, schadet es nicht, sie auch zu kennen.
