Mosolf, eigenen Angaben zufolge die führende Autospedition für Neu- und Gebrauchtwagen in Deutschland, übernimmt nicht nur die Zwischenlagerung und den Transport der Fahrzeuge, sondern auch sämtliche Servicedienstleistungen, die notwendig sind, um das Fahrzeug zu gewerblichen Kunden auszuliefern. Wichtige chinesische Kunden sind MG Motor und BYD, aber auch die traditionellen europäischen Hersteller wie Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Toyota oder der Autobauer Stellantis mit seinen Marken. „Hier nutzen wir unsere Hafenstandorte in Wilhelmshaven, Cuxhaven und im belgischen Ostende sowie Zeebrugge. Das wurden die Kapazitäten in den letzten Jahren gezielt ausgebaut.“
In Europa ist das Unternehmen, das einer Familienstiftung gehört, eine der führenden Autospeditionen, unter anderem mit rund 800 Fahrzeugspezialtransportern im Einsatz. „Diese Marktposition wollen wir noch verbessern und nach ganz vorn aufschließen. Langfristig streben wir die Spitzenposition an“, gibt Oestreich die Richtung vor. 2025 betrug der Umsatz des rund 3500 Mitarbeiter zählenden Unternehmens 767 Millionen Euro. Angaben zum Gewinn werden nicht gemacht. Auf lange Sicht verfolgt der Mittelständler das Ziel, den Umsatz bis 2030 auf rund eine Milliarde Euro und bis 2035 auf rund 1,5 Milliarden Euro zu steigern.
Expansion in Übersee
Die Schwaben, die sich schon länger neue Betätigungsfelder außerhalb des bisherigen Geschäfts gesucht haben, wollen ihr Umsatzziel durch organisches Wachstum und Zukäufe erreichen. „Bei Zukäufen geht es um Unternehmen im Bereich der internationalen Logistik“, erläutert der Vorstandschef die Strategie. Ein erster Schritt dazu war der Zukauf der Transport Overseas Group (TO Group). Sie ist seit Anfang Januar 2025 unter ihrem Dach. Sie sei das zentrale Element, um die Überseelogistik auszubauen, die ein großes Standbein für Mosolf werden soll. „Die Märkte müssen verbunden werden. Da geht es nicht um den Transport von Fahrzeugen, sondern um das Projektgeschäft, beispielsweise um große Maschinenparks oder Maschinenteile, Gasturbinen oder Fertigungsfahrzeuge.“
Bis 2030 soll nach den Worten des Vorstandschefs ein internationales Netzwerk in der Seelogistik aufgebaut werden. Das Überseegeschäft im Bereich der Logistik macht aktuell rund 15 Prozent der Erlöse aus. „Das wollen wir deutlich erhöhen. Und Ziel sind 300 Millionen Euro im Jahr 2030.“ Das Geschäft des Mittelständlers ist noch sehr stark von Europa abhängig, er schaut besonders auf andere Weltmärkte. „Wir wollen verstärkt in den USA aktiv werden, blicken aber auch nach Kanada und Mexiko. Letzteres Land wird für die Autoindustrie seit Jahren bedeutender.“ In Mexiko könne man sicherlich gleichfalls von der Expertise im Bereich Fahrzeuglogistik und technischen Services profitieren.
Den Nahen Osten im Blick
Im kommenden Jahr will das Unternehmen den Schritt nach Indien wagen. „Wir werden uns gleichfalls perspektivisch mit Vietnam oder Malaysia beschäftigen. Das wird sicherlich erst in zwei Jahren konkret.“ Erst im Mai hatte Mosolf einen neuen Fahrzeuglogistik- und Technikstandort in Dubai eröffnet. Damit seien die Kapazitäten für Fahrzeuglagerung, technische Dienstleistungen und Auslieferungsinspektion in einer der „weltweit bedeutendsten automobilen Logistikdrehscheiben“ erweitert worden. Über dem Standort liegt aber nun ein Schatten wegen der indirekten Folgen des Iran-Krieges und der Blockade für die Straße von Hormuz.
Bei der Auslieferungsinspektion handelt es sich dabei um die technische Endkontrolle und Aufbereitung von Fahrzeugen, bevor sie an den Kunden übergeben werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate und insbesondere der Hafen Jebel Ali entwickeln sich nach Angaben des Stiftungsunternehmens zunehmend zu zentralen Knotenpunkten der weltweiten Fahrzeugströme zwischen Europa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten. Allein 2025 wurden über den Hafen nahezu 1,1 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen.

Der neue Vorstandschef sagt: „Die Dienstleistungen rund um das Auto sollen auch in Europa weiter ausgebaut werden.“ Man sei schon in der Slowakei und Ungarn tätig. In Ungarn für Mercedes-Benz und Volkswagen. „Wir richten den Blick gleichfalls nach Kasachstan, das Land kann als Brücke nach Asien dienen.“ Der Blick der Schwaben geht zunehmend nach Spanien und Portugal, weil es dort Überlegungen von chinesischen Herstellern für eine Produktion gibt.
Zweites Standbein im Sonderfahrzeugbau
Anknüpfungspunkt ist die geplante Zusammenarbeit des Autobauers Ford mit dem chinesischen Volvo-Mutterkonzern Geely, um sein Werk in Valencia besser auszulasten und Kosten zu senken. Der chinesische Konzern möchte mit der Zusammenarbeit seine Expansion in Europa beschleunigen.
Auch abseits der reinen Logistikdienstleistungen sind die Schwaben schon länger aktiv, um gewappnet zu sein, wenn die Zulassungszahlen weiter nachgeben. Beispielsweise im Sonderfahrzeugbau. So werden Fahrzeuge für die Polizei mit Blaulicht und Funk ausgestattet. „Der Bedarf an gepanzertem Sonderfahrzeugenbau für zivile Zwecke steigt.“ Aus diesem Grund wurde 2025 die Stoof International GmbH übernommen, einer der weltweit führenden Anbieter von zivilen Sonderschutzfahrzeugen und Sicherheitsausrüstungen. Das Unternehmen stellt gepanzerte Limousinen, Geländefahrzeuge, Lastwagen sowie Geld- und Werttransporter her.
Dass Mosolf in der Vergangenheit ins Risiko ging, zeigt folgendes Beispiel: Dem Unternehmen wurde einst der defizitäre „Streetscooter“ von der Deutschen Post angeboten. Zwar winkte Mosolf ab und ging das Abenteuer nicht ein. Stattdessen versuchte er es mit dem kleinen Elektrolieferwagen Tropos, für den die gleichnamige kalifornische Firma damals Lizenzen vergab. Das Engagement war nur von kurzer Dauer.
Doch mit dem Post-Transporter hat man heute aktuell doch noch zu tun: „Für DHL bringen wir den Elektrotransporter ihrer einstigen Eigenmarke ‚Streetscooter‘ in den Wertstoffkreislauf zurück, wenn die Fahrzeuge ausgemustert werden. Die vorgefertigten Komponenten und auch die Batterie und Elektronik werden bei uns ausgebaut.“ Und Teile, die noch brauchbar seien, werden als Ersatzteile weiterverwendet, und andere Bauteile dem Recycling zugeführt, sagt der neue Vorstandschef Oestreich und betont: „Am ‚Streetscooter‘ lernen wir für E-Autos. So eine Tätigkeit könnte sich zu einem weiteren langfristigen Standbein entwickeln.“
