
Unterm Strich eine Milliarde Euro Gewinn – und das in einem Quartal. Für den Logistikkonzern DHL brummt das Geschäft. Das Dax-Unternehmen aus Bonn hat das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahr um fast 24 Prozent steigern können, was an gleich mehreren Faktoren liegt. Zum einen floriert das Geschäft von DHL Express, vor allem in der Luftfracht. Zum anderen schwächen sich die Folgen der US-Zölle ab, und das Sparprogramm trägt Früchte.
Von April bis Juni hat DHL rund 22,4 Milliarden Euro umgesetzt und damit 13 Prozent mehr als im Quartal im Jahr zuvor. Das Express-Geschäft legte deutlich zu, die gestiegenen Kraftstoffkosten hat der Logistikkonzern dabei an seine Kunden weitergereicht. Das operative Ergebnis (Ebit) legte gar um 30 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu. Allein die Engpässe im Luftfrachtverkehr, die zu höheren Preisen geführt haben, stützten das Ergebnis mit 150 Millionen Euro.
„Die Steigerung von Produktivität und Effizienz sowie die Stärke unseres globalen Netzwerks ermöglichen es uns, Wachstumschancen erfolgreich zu nutzen und Umsatzwachstum in überproportionales Ergebniswachstum zu überführen“, sagte der DHL-Vorstandsvorsitzende Tobias Meyer. Schon im Juli hatte das Unternehmen vorläufige Zahlen vorgelegt und dabei auch seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 erhöht: Seitdem rechnet DHL mit einem operativen Ergebnis von mehr als 6,5 Milliarden Euro, zuvor war der Vorstand noch von mehr als 6,2 Milliarden Euro ausgegangen.
Aktienrückkaufprogramm sorgt nicht für Anlegerfreude
Am Mittwoch teilte das Unternehmen zur Vorlage der endgültigen Halbjahreszahlen mit, sein Aktienrückkaufprogramm auszuweiten. Das im Jahr 2022 begonnene Programm wird bis Ende 2027 verlängert und um 500 Millionen Euro aufgestockt, wodurch DHL bis zu 6,5 Milliarden Euro für eigene Aktien ausgeben will. Der Aktienkurs des Dax-Konzerns lag am Mittwoch im Tagesverlauf etwas mehr als zwei Prozent im Minus.
Rückenwind bekommt DHL derzeit aus seiner Express-Sparte, die im zweiten Quartal im Umsatz um gut ein Fünftel, im Ergebnis aber fast um zwei Drittel zulegte. So profitiert der Logistikkonzern etwa in den Vereinigten Staaten vom Ausbau der Rechenzentrumskapazität. „Der Zeitdruck ist hoch, da wird viel geflogen“, sagte Meyer. Ob es Computer sind, Server, Kühlung, Lüftung oder die Stromversorgung, in den Produktionsketten herrsche Dringlichkeit. Derzeit gehe es vor allem um die Erstausstattung neuer Rechenzentren und den Ablauf der Logistikketten, in Zukunft gebe es aber auch Wachstumspotential in der Ersatzteilbeschaffung und -lagerung.
Aktiv ist DHL auf diesem Feld etwa schon länger für Elektroautohersteller. Gerade die unterschiedlichen Generationen von Batterien und ihre Einstufung als Gefahrgüter machten das Unternehmen zu einem gefragten Transportdienstleister in der Logistikkette. In den Niederlanden baut DHL ein eigenes Batterielogistikzentrum auf.
Investitionen in Express-Sparte
Zudem arbeite der Konzern in seiner Express-Sparte daran, die Kühlkette zu verbessern, um mehr Services etwa für medizinische Produkte anbieten zu können. „Das gibt uns Zuversicht, dass wir mit Express auch in den kommenden Jahren wachsen können“, sagte Meyer. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen rund 1,3 Milliarden Euro investiert und damit ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor.
Gleichzeitig sei die Lage gerade in Europa und Deutschland „extrem fragil“, wie der Vorstandsvorsitzende sagte. Zwar gebe es ein klares Momentum in der Kundennachfrage, aber angesichts der Auswirkungen des Nahostkonfliktes eben auch „nicht unwesentliche Risiken“. Hohe Preise seien nicht gut für die Konsumstimmung. „Momentan hält es sich aus unserer Sicht die Waage“, sagte Meyer.
Kunden des Logistikkonzerns dürften in den nächsten Wochen vermehrt Zollrückzahlungen erhalten. Im Juni hat der freie Mittelzufluss (Free Cashflow) von DHL nämlich wegen Rückzahlungen im Zusammenhang mit den US-Zollmaßnahmen deutlich zugelegt. Nach Angaben von Melanie Kreis, die im DHL-Vorstand das Finanzressort verantwortet, geht es dabei um 416 Millionen Euro, die „schnellstmöglich an die Kunden weitergegeben“ werden.
Der Logistikkonzern beschäftigte zum Ende des Halbjahres rund 577.000 Mitarbeiter, die Beschäftigtenzahl schwankt dabei über das Jahr auch wegen Saisonkräften, die etwa zu Weihnachten eingesetzt werden. Im vergangenen Jahr hat der Konzern im Rahmen seines Sparprogramms rund 16.000 Stellen abgebaut. Bis zum Jahr 2027 sollen die Kosten im Konzern um mehr als eine Milliarde Euro sinken.
