
Nach dem Lawinenunglück am 8051 Meter hohen Broad Peak in Pakistan hat das Bergungsteam die Leichen von vier Bergsteigern aus der Lawinenzone geholt. Darunter auch jene von Nirmal „Nimsdai“ Purja, der es nicht zuletzt durch eine Dokumentation beim Streamingdienst Netflix zu weltweiter Bekanntheit gebracht hat. Nimsdai, wie er selbst sich nannte, stand 57-mal auf dem Gipfel eines Achttausenders. Er wollte in diesem Jahr die Reihe der 14 Achttausender zum dritten Mal abschließen. Dazu fehlten ihm noch der Broad Peak und der Cho Oyu (8188 Meter), auf den er im Herbst steigen wollte.
Bereits am Freitag konnten die Leichen von Nadhira Al Harthy und von dem Nepalesen Pur Bahadur Gurung sowie eine Gliedmaße eines anderen Bergsteigers geborgen und mit einem Helikopter in die Provinzhauptstadt Skardu gebracht werden. Mallory Geis und der Pakistaner Sohail Sakhi bleiben weiter vermisst. Zudem wurde am Samstag die Leiche von Gyalu Sherpa geborgen.
Die fünf weiteren Bergsteiger wurden mithilfe einer Drohne oberhalb von etwa 5700 Metern Höhe in steilem Gelände etwas abseits von Lager 1 lokalisiert und später als Nirmal Purja, Wang Zhong sowie Nima Sherpa und Kili Pemba Sherpa identifiziert.
Die Bergung war riskant und schwierig
Ihre Bergung aus der Lawinenbahn war riskant und schwierig. Vonseiten des Bergungsteams hieß es: „Bei jeder Entscheidung steht vor allem eines im Vordergrund: diejenigen zu bergen, die geborgen werden können, und gleichzeitig sicherzustellen, dass keine weiteren Menschen unnötigen Gefahren ausgesetzt werden.“ Eine weitere Leiche, bei der es sich vermutlich um Nawang Thindu Sherpa handelt, ist in etwa 6000 Metern Höhe in derart gefährlichem Gelände zum Liegen gekommen, dass das Bergungsteam sich bisher nicht dorthin vorgewagt hat. Zudem ist laut Mingma Gyalje „Mingma G“ Sherpa eine weitere Lawine abgegangen, was die Fortsetzung der Arbeiten zu gefährlich gemacht hat.
Während laut Alpine Club of Pakistan (ACP) eine Leiche bereits ins Basislager gebracht werden konnte, befinden sich die anderen drei, darunter die von Nirmal Purja, nach wie vor oberhalb des Basislagers in 5000 Metern Höhe. „Die Rettungskräfte konnten sie an einem extrem steilen Abschnitt des Berges nicht sicher hinunterbringen. Das Gelände ist sehr schwierig, sodass das unmöglich war“, zitierte das Portal Sherpalegend den Präsidenten des ACP.
Mingma G, der die Bergung leitet, fordert aus Gründen der Sicherheit schon seit mehreren Tagen den Einsatz von Hubschraubern zur Taubergung. Dies würde die Bergung vereinfachen und dient auch zur Sicherheit. Das Bergungsteam müsste sich auf diese Weise nicht den Risiken in absturz- und lawinengefährdetem Terrain aussetzen.
Ein Alpinist will selbst Helikopter kaufen
Während für Rettungs- und Bergungsmaßnahmen in den Alpen oder auch im nepalesischen Himalaja-Gebirge Hubschrauber das Mittel der Wahl sind und fast schon automatisch eingesetzt werden, sind dafür in Pakistan eine ganze Reihe behördlicher Genehmigungen notwendig. Aufgrund der Nähe zu China, die Grenze der beiden Staaten verläuft über den Gipfel des Broad Peak, muss jeder Hubschraubereinsatz im pakistanischen Karakorum-Gebirge vom pakistanischen Militär genehmigt werden. Und: Es müssen auch Militärhubschrauber dafür zur Verfügung stehen. Was das Problem nicht löst, dass die pakistanischen Militärpiloten nicht für Taubergungen ausgebildet sind.
Hinzu kommt, dass das Wetter in den vergangenen Tagen den Einsatz von Helikoptern in der Region unmöglich machte. Ein Armeehubschrauber, der am Montag von Skardu aus Richtung Broad Peak starten wollte, wurde aufgrund des Wetters in letzter Minute auf dem Boden gehalten, wie die „Tourism Times“ berichtete.
Zuletzt erklärte der italienische Ausnahmealpinist Simone Moro, er wolle zwei Helikopter kaufen, die für den Einsatz in größerer Höhe geeignet seien, und diese in Pakistan stationieren, um die Rettung im Karakorum zu verbessern. Die ersten Piloten werden ehemalige pakistanische Militärpiloten sein. Moro selbst will der erste ausländische Pilot sein. Auch in Nepal hat Moro der Helikopterrettung wichtige Impulse gegeben.
