
Die italienische Regierung sieht in der Entscheidung Madrids, Hunderttausenden illegalen Migranten den Weg zur spanischen Staatsbürgerschaft zu öffnen, den Hauptgrund für die jüngste Migrationskrise in der Exklave Ceuta. Die Bilder aus Ceuta hätten gezeigt, „wie grundlegend falsch die Entscheidung der Regierung in Madrid ist, mehr als 500.000 irregulären Einwanderern die spanische – und damit europäische – Staatsbürgerschaft zu gewähren“, sagte Außenminister Antonio Tajani von der christdemokratischen Partei Forza Italia. Dies fördere „den Menschenhandel“, fügte Tajani hinzu.
Der Außenminister, der als gemäßigte Stimme in der Mitte-rechts-Koalition unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gilt, unterstützt auch die vorübergehende Einschränkung der Reisefreiheit für Spanien innerhalb der EU. Am 1. August traten in ganz Italien „gezielte Grenzkontrollen“ für den Luft- und Seeverkehr mit Spanien an allen Häfen und Flughäfen des Landes in Kraft. Die Maßnahme gilt nach Auskunft des Innenministeriums zunächst für einen Monat. Die Kontrollen betreffen ausschließlich Drittstaatsangehörige, also weder Bürger Italiens, Spaniens noch anderer EU-Staaten. „Ich bin dafür, den Schengenraum für Spanien zu schließen“, schrieb Tajani auf der Plattform X. Die „irreguläre und unkontrollierte Einwanderung“ nach Spanien stelle eine „Gefahr für die nationale Sicherheit“ Italiens dar.
Meloni forderte, Schengenabkommen zu Spanien auszusetzen
Meloni hatte zuvor versichert, Italien werde angesichts der jüngsten Migrationskrise „keinen Millimeter“ von seiner harten Linie abweichen. „Die Verteidigung der Grenzen, die Bekämpfung von Menschenhändlern und die Gewährleistung wirksamer Rückführungen werden auch weiterhin die Linie dieser Regierung sein“, sagte Meloni. Am Donnerstagabend hatte Meloni die Lage in Ceuta als „außer Kontrolle“ bezeichnet und zu „einer konkreten Gefahr für die europäischen Grenzen“ erklärt. In einer ersten Reaktion auf die Krise hatte sie gefordert, das Schengenabkommen zu Spanien auszusetzen.
Die italienische Regierungschefin hatte am Freitag gemeinsam mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen einen Brief an die EU-Kommission und die Präsidentschaft der EU verfasst, in dem vor unkontrollierten Grenzübertritten und der politischen Instrumentalisierung von Migration gewarnt wird. Den Brief unterzeichneten schließlich 22 der 27 Staats- und Regierungschefs der Union, unter ihnen Bundeskanzler Friedrich Merz. Die EU-Innenminister kommen am Dienstag zu einer Sondersitzung per Videokonferenz zusammen, um über die jüngste Migrationskrise zu beraten.
Laut dem italienischen Innenministerium haben die neuen Grenzkontrollen mitten in der Hochsaison des Sommertourismus „keine Auswirkungen“ auf die Einreise von EU-Bürgern nach Italien. EU-Bürger könnten „wie gewohnt und ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand“ nach Italien reisen, teilte die Regierung mit.
Die linken Oppositionsparteien bezeichneten die Maßnahme als überwiegend symbolisch. Es gebe keine Hinweise darauf, dass über Ceuta eingereiste Migranten weiter nach Italien gelangen wollten oder könnten. Die sozialdemokratische Oppositionsführerin Elly Schlein sprach von einer „Farce“ und einem „gefährlichen Präzedenzfall, gerade auch für unser Land“, da auch Italien ein „Grenzland“ sei. Der ehemalige Ministerpräsident Giuseppe Conte von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung sagte, die Isolierung von und die Schuldzuweisung an Spanien reiße „eine Wunde in den Beziehungen zu einem befreundeten Land auf“.
