
Diese Nachricht verhieß im Vorfeld wenig Gutes: Italienische Behörden hatten für das Wochenende in der gesamten Lombardei vor extremer Hitzegefahr gewarnt. Von körperlichen Anstrengungen wurde dringend abgeraten – auf dem Lago di Varese hielt sich aber keiner der Spitzensportler daran. Der malerische See im Norden Italiens war Austragungsort der Ruder-EM, die aus deutscher Sicht reichlich Jubelerlebnisse mit sich brachte.
So wurde Olympiasieger Oliver Zeidler wenig überraschend seiner Favoritenrolle im Einer gerecht und krönte sich am Sonntag in Rekordzeit (6:36,38 Minuten) zum vierten Mal zum Europameister. Der Dreißigjährige dominierte von Anfang das Rennen und siegte mit fast vier Sekunden Vorsprung auf seinen direkten Konkurrenten und Titelverteidiger Jauhen Salaty aus Belarus. Dritter wurde Weltmeister Stefanos Ntouskos aus Griechenland. Kurz darauf legten Kathrin Marchand und Valentin Luz nach und erkämpften sich einen Sieg im Para-Mixed-Zweier.
Den Einstand für das erfolgreiche Wochenende lieferte der Para-Mixed-Doppelzweier am Vortag: In einem knappen Rennen behielten Jasmina Bier und Paul Umbach einen kühlen Kopf beim Kampf um die Titelverteidigung. Das Duo setzte sich gegen die Ukrainer Anna Aisanowa und Jaroslaw Kojuda durch und bescherte dem Deutschen Ruderverband das erste Gold bei der EM. Wenig später folgte der Doppelvierer der Männer dem Beispiel: Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee beendeten mit ihrem Sieg eine 13 Jahre währende Durststrecke ohne EM-Gold. Patrick Erdmann und Johannes Ursprung jubelten ebenfalls über einen Sieg im Leichtgewichts-Männer-Zweier und damit den größten Erfolg ihrer Ruder-Laufbahn.
Edelmetall mit Wermutstropfen
Silber hinter Großbritannien erkämpfte sich der neu formierte deutsche Frauen-Vierer mit Hannah Reif, Paula Hartmann, Annabelle Bachmann und Pia Greiten. Die nächste Silbermedaille ging kurz danach an den Frauen-Doppelvierer mit Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Frauke Hundeling, der lediglich den siegreichen Schweizerinnen unterlag. Das Gold zum Greifen nah war auch für Juliane Faralisch und Arno Gaus, die im Finale im Mixed Doppelzweier knapp von Rumänien bezwungen wurden. Eine Rückkehr aufs Podium gab es mit Bronze auch beim Männer-Vierer für René Schmela, Jasper Angl, Benedict Eggeling und Mark Hinrichs. Das letzte Edelmetall in dieser Bootsklasse gab es 2019 in Luzern, ebenfalls bei einer EM.
Weiteres Edelmetall lieferte dann am Sonntag schließlich auch das Flaggschiff des DRV – wenn auch mit einem Wermutstropfen. Zwar erkämpfte sich der Deutschland-Achter in einem packenden Rennen hinter Rumänien Silber (+2,90 Sekunden), dennoch liegt der letzte Sieg bei einer internationalen Meisterschaft mit dem EM-Titel 2020 mittlerweile sechs Jahre zurück.
Auch fehlten in Varese mit Weltmeister Niederlande und Olympiasieger Großbritannien gleich zwei Favoriten. Beide Teams bereiten sich derzeit auf den Saisonhöhepunkt vor: die Weltmeisterschaft, die vom 24. bis zum 30. August in Amsterdam stattfinden wird. Silber gab es schließlich für den Mixed-Achter, bei dem sich Deutschland lediglich den Rumänen geschlagen geben musste. Bei den Frauen blieb der Deutschland-Achter chancenlos und landete auf dem vierten und letzten Platz.
