An den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla kommt es zu Tausenden Grenzübertritten. Nach spanischen Angaben gelangten 60.000 Menschen von Marokko über Wasser oder Land in die autonomen Städte, die meisten von ihnen zwischen Mittwoch und Donnerstag. An den Landgrenzen kommt es zu Zusammenstößen zwischen Migranten und marokkanischen Einsatzkräften. Inzwischen sollen Tausende Menschen Ceuta wieder verlassen haben – »geführt« vom spanischen Militär.
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Vor allem am Grenzübergang Fnideq zwischen Marokko und Ceuta eskalierte die Lage. Marokkanische Behörden setzten Wasserwerfer ein, um weitere Übertritte zu verhindern. Auch in Melilla kam es am Grenzübergang Beni Ansar zu Zusammenstößen. Nach Angaben der marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte wurden dort mindestens drei Fahrzeuge in Brand gesetzt, zudem gab es Verletzte unter Migranten und Sicherheitskräften.
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Die ganze Nacht über habe es in Ceuta einen »stetigen Zustrom von Menschen« gegeben, meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise. Obwohl die Zahl der Ankommenden – vorwiegend junge Männer und Jugendliche – geringer gewesen sei als tagsüber, seien Migranten »auch über Nacht weiter angekommen«.
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Unter den Ankömmlingen sind viele Frauen, Minderjährige und Kinder. Mindestens 34 Menschen starben nach jüngsten amtlichen Angaben im Meer. Das spanische Innenministerium teilte zudem mit, dass 25.000 Migranten von Freitagmorgen bis Freitagmittag bereits wieder nach Marokko zurückgekehrt seien. Das seien »150 Menschen pro Minute«.
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Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez sprach von einem »Angriff« auf das spanische Staatsgebiet. Er würde »das, was geschehen ist«, als eine »Verletzung der territorialen Integrität Spaniens bezeichnen«, sagte Sánchez am Freitag bei einem Besuch der spanischen Exklave. Die marokkanischen Behörden haben sich zu den Ereignissen bislang nicht öffentlich geäußert.
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Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven, Ceuta und Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht. In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Menschen – vorwiegend aus
Ländern südlich der Sahara – auf eine Gelegenheit, in das zur EU
gehörende Gebiet zu kommen.
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Die spanische Regierung mobilisierte zuletzt auch das Militär, um die Guardia Civil in Ceuta zu unterstützen. Wie viele Soldaten geschickt werden sollten, wurde bisher nicht mitgeteilt. Es hieß aber, dass die Personalstärke der Guardia Civil in Ceuta von derzeit 80 Beamten auf nahezu doppelt so viele Kräfte aufgestockt werden solle. Auch Taucher der Polizei sowie ein Boot und Drohnen wurden nach Regierungsangaben entsandt.
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Viele Menschen gelangten schwimmend nach Ceuta, einige über Land. AFP-Reporter beobachteten Hunderte Menschen dabei, wie sie um eine
Grenzbarriere mit Marokko herumschwammen, um die Exklave zu
erreichen. Dabei ließen sie Schwimmringe und Kleidung zurück.
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Sánchez kündigte bei seinem Besuch weitere Maßnahmen zur Sicherung der Grenze an. So sollten am Grenzdamm zwischen der Küste Marokkos und dem Strand von Tarajal in Ceuta Schwimmbojen installiert werden, um eine »physische Sperre« zu schaffen. Zudem sollten Verfahren beschleunigt werden, um die Rückführung irregulär eingereister Migranten zu erleichtern.
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Frankreich und Italien verstärken wegen der Ereignisse ihre
Grenzkontrollen. Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni
sprach zudem von einem möglichen Ausschluss Spaniens aus dem
Schengenraum. Ihre Regierung sei dabei, die »zuständigen Gremien«
einzuberufen, und nach Beratungen auch mit »außerordentlichen Maßnahmen«
einzugreifen, teilte Meloni auf X mit. Die Bilder aus Ceuta nannte sie
»erschütternd«.
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Hintergrund der zahlreichen Grenzübertritte ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens von Anfang des Monats. Demnach dürfen Migrantinnen und Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta oder in die andere spanische Nordafrika-Enklave Melilla abgefangen werden, nicht umgehend wieder zurückgeschickt werden. Spaniens Innenministerium macht Schlepperbanden dafür verantwortlich, das Urteil auszunutzen.
