
Am 12. August trifft der Kernschatten des Mondes den europäischen Kontinent. Es ist das erste Mal in diesem Jahrhundert: Über Nord- und Ostspanien sowie den Balearen kommt es zu einer totalen Sonnenfinsternis. Für maximal eine Minute und 49 Sekunden verdunkelt unser Erdbegleiter die Sonne dort komplett. Es ist der einzige besiedelte Teil der Welt, über den der Mondkernschatten streift, abgesehen von dem oft wolkenverhangenen Westen Islands. Der Rest des Kontinents und somit auch Deutschland müssen sich mit einer partiellen Finsternis begnügen. Hier erreicht nur der Halbschatten des Mondes den Erdboden, sodass während der rund zwei Stunden dauernden Finsternis stets ein Teil der Sonne sichtbar bleibt.
Richtig dunkel wird es bei uns also nicht, doch immerhin ist diese partielle Finsternis die tiefste in unseren Breiten seit Jahrzehnten: Je nach Standort bedeckt der Mond 85 bis 90 Prozent der Sonnenscheibe, die höchsten Werte werden im Südwesten Deutschlands erreicht. In Frankfurt beginnt das Spektakel um 19.20 Uhr mit dem ersten Kontakt. Das ist der Moment, an dem die Mondscheibe den Sonnenrand das erste Mal berührt.
Der rechte Sonnenrand erscheint leicht „angebissen“
Der erste Kontakt ist unbeobachtbar, aber nur eine oder zwei Minuten später erscheint der rechte Sonnenrand leicht „angebissen“. Der Mond schiebt sich in den folgenden Minuten immer mehr vor die Sonne, bis gegen 20.12 Uhr nur noch eine schmale, feurige Sichel mit nach unten gerichteten Hörnern übrig bleibt. Die Sichel wird nun wieder dicker; der Mond zieht sich nach Ost, aus Beobachtersicht also nach links, von der Sonnenscheibe zurück. Das Ende der Finsternis bekommen wir nicht mehr mit, denn um 20.50 Uhr geht die Sonne unter, noch teilweise vom Mond verdeckt.
Womit wir bei der Besonderheit dieser Finsternis wären: Sie findet in den späten Nachmittagsstunden, kurz vor Sonnenuntergang und damit bei sehr niedrigem Sonnenstand statt. Von Frankfurt aus gesehen steht die Sonne beim ersten Kontakt nur 13 Grad über dem Westhorizont, zum Maximum der Finsternis gar nur fünf Grad. Das ist weniger als die Breite einer ausgestreckten Handfläche! Je weiter Richtung Norden und Osten, desto tiefer steht die Sonne.
Ein freier Westhorizont ist also essenziell, wenn man die Finsternis ungestört verfolgen möchte. Am besten sucht man sich in den Tagen vor dem 12. August einen geeigneten Ort und prüft den Stand der Sonne zur entsprechenden Uhrzeit. Dass außerdem die Wolken mitspielen müssen, versteht sich von selbst. Die Sonnenuntergangs-Sonnenfinsternis bietet dafür reichlich Gelegenheit für das ultimative Sonnenuntergangsfoto. Ein fernes Gebäude am Horizont, ein Kirchturm oder Ähnliches, stört das Bild nicht, sondern kann im Gegenteil genau das Detail sein, welches das Foto einzigartig macht.
Man darf nur mit adäquatem Schutz zur teilverfinsterten Sonne blicken
Wer die Sonnenfinsternis verfolgen will, muss unbedingt auf sein Augenlicht aufpassen: Zu keinem Zeitpunkt darf man ohne adäquaten Schutz in die teilverfinsterte Sonne blicken, schwerste Augenschäden wären die Folge. Unter „adäquat“ versteht sich eine speziell zur Sonnenbeobachtung zugelassene und zertifizierte „Sonnenfinsternisbrille“. Deren beschichtete Schutzfolie schwächt nicht nur das sichtbare Sonnenlicht auf ein erträgliches Maß, sondern blockiert auch die unsichtbaren, aber umso gefährlicheren Infrarot- und Ultraviolettanteile – etwas, das „Hausmittel“ wie Röntgenbilder, CDs oder berußte Glasscheiben nicht unbedingt tun.
Bei dieser speziellen Finsternis könnte es sein, dass horizontnaher Dunst und Staub die tief stehende Sonne zusätzlich abschwächen und die Sonnensichel mit einer Sonnenfinsternisbrille zur Finsternismitte nicht mehr zu sehen sein wird. Dann (und nur dann!) kann man vielleicht einen kurzen, ungefilterten Blick (eventuell mit normaler Sonnenbrille) wagen. Eine generelle Empfehlung ist das aber nicht – im Zweifelsfall lässt man die Sonnenfinsternisbrille besser auf.
Ein- oder zweimal im Jahr schiebt sich der Neumond vor die Sonne
Ganz so selten, wie man meinen könnte, sind Sonnenfinsternisse übrigens nicht. Ein- oder zweimal pro Jahr schiebt sich der Neumond vor die Sonne, sichtbar ist das allerdings jeweils nur von einem kleinen Teil der Erdkugel. Schon in knapp einem Jahr wird es in Europa wieder so weit sein, aber auch dann wird es für Deutschland nur für eine partielle Finsternis reichen, während der äußerste Süden Spaniens wieder in den dunklen Kernschatten taucht.
Wer seinen Beobachtungsplatz für die Sonnenfinsternis eingenommen hat, sollte sich überlegen, noch ein paar Stunden länger zu verharren. In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen die Sternschnuppen der Perseiden ihr jährliches Maximum – in diesem Jahr (natürlich) völlig unbeeinträchtigt vom Mondlicht. Schon vor Mitternacht lassen sich die ersten Meteore erblicken; ihr Ausstrahlpunkt oder Radiant im Sternbild Perseus steht gegen 23 Uhr tief im Nordosten. Bis zum kommenden Morgen steigt der Radiant und damit auch die Zahl der Perseiden spürbar.
Das Feuerwerk wird allerdings zurückhaltend sein, denn Vorhersagen gehen davon aus, dass 2026 ein eher mageres Perseiden-Jahr sein wird. Ein, zwei Dutzend Sternschnuppen pro Stunde könnten sich aber unter dunklem, klarem Himmel zeigen.
Die Venus geht in der Abenddämmerung unter
Planeten finden wir am Augusthimmel auch: Die Venus geht in der Abenddämmerung unter, der Saturn erscheint kurz vor Mitternacht, bleibt aber recht tief am Osthorizont und lässt sich erst in der zweiten Nachthälfte gut beobachten. Mars, Merkur (am Monatsanfang) und zum Monatsende Jupiter lassen sich in der Morgendämmerung blicken.
Am 28. August hat der Mond die Erde wieder halb umrundet und steht entsprechend in der Vollmondstellung – und weil er am 12. August zur Sonnenfinsternis an einem der Schnittpunkte seiner Umlaufbahn mit der Ekliptik stand, erreicht er nun den gegenüberliegenden Schnitt- oder Knotenpunkt. Damit kommt es nun zu einer partiellen Mondfinsternis. Von 4.34 Uhr an tritt der Mond in den Kernschatten der Erde ein, um 6.13 Uhr, der Finsternismitte, ragt nur noch ein schmaler Streifen Mond ins Sonnenlicht.
Die Finsternis ist fast total, doch wie schon am 12. August ist unser Standort nicht ideal: Das Finsternismaximum findet schon in der hellen Morgendämmerung statt, außerdem steht der Mond nur vier Grad über dem Südsüdwesthorizont. Das Ende der Finsternis entgeht uns daher abermals, weil der Mond zuvor untergeht. Dennoch: Mit zwei Finsternissen und einem Meteorschauer lässt der August Sterngucker ganz bestimmt auf ihre Kosten kommen!
Sonne: 1. August, Sonnenaufgang 5.54 Uhr, Sonnenuntergang 21.08 Uhr; 31. August, Sonnenaufgang 6.39 Uhr, Sonnenuntergang 20.12 Uhr
Mond: 6. August, 4.22 Uhr: letztes Viertel; 12. August, 19.37 Uhr: Neumond; 20. August, 4.46 Uhr: erstes Viertel; 28. August, 6.19 Uhr: Vollmond.
