
Abel Makkonen Tesfaye kommt aus Frankfurts kanadischer Partnerstadt Toronto, doch ist der Sänger, den die popinteressierte Welt eher unter seinem Künstlernamen The Weeknd kennt, in den nächsten drei Tagen nicht als Botschafter seiner Heimatstadt am Main zu Gast. Vielmehr will er mit seinen Konzerten am Donnerstag, Freitag und Samstag das weite Oval des Waldstadions füllen.
Die Chancen dafür stehen sehr gut, nicht zuletzt, weil es neben seinen drei Konzerten Ende Juni in München die einzigen Auftritte des Kanadiers in diesem Jahr in Deutschland sind. Was zugleich die Frage aufwirft, warum vor allem die Mitglieder der Weltstarliga, zu denen The Weeknd als einer der meistgestreamten Künstler mit Hits wie „Blinding Lights“ ohne Zweifel gehört, in den vergangenen drei, vier Jahren zu sogenannten Residencies tendieren – also mehrere Konzerte an einem verkehrstechnisch gut zu erreichenden Ort spielen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Tournee, bei der die Künstler zu den Fans reisen, wenn sie in Dutzenden Städten auftreten, reisen die Fans nun zu den Stars.
Frank Sinatra und Céline Dion als Vorbilder
Residencies sind keine Marketingerfindung unserer Tage. In Las Vegas gehören sie seit Jahrzehnten zur Tradition, seit der schillernde Pianist Liberace Mitte der Fünfzigerjahre mit einer eigenen Show quasi zum Dauergast am Strip wurde. Stars wie Frank Sinatra und das Rat Pack, Elvis Presley und Céline Dion folgten später mit großem Erfolg diesem Konzept, das bis heute so unterschiedliche Künstler wie Mariah Carey, Aerosmith, Drake und Adele für mitunter Hunderte Auftritte nach Las Vegas führt.
Doch nicht nur die Spielerstadt in Nevada kennt das Residency-Konzept. Auch in New York sind solche langen Gastspiele etwa von Billy Joel oder Bruce Springsteen gang und gäbe. Noch häufiger sind allerdings „Mini Residencies“, wenn also ein Künstler fünf oder zehn oder auch 15 Konzerte an einem Ort gibt. In Metropolen wie London und Paris gehören solche Residenzen zum jährlichen Ritual, doch auch im weniger zentralistischen Deutschland sind diese mehrtägigen Gastspiele kein Novum. So trat etwa die Band Pink Floyd im Februar 1981 acht Tage lang hintereinander in der Westfalenhalle in Dortmund auf, um dort ihr Konzeptalbum „The Wall“ aufzuführen.
Die logistischen Herausforderungen, die Pink Floyd seinerzeit den Entschluss fassen ließen, die „The Wall“-Show nur an vier Orten, dort aber jeweils mehrmals aufzuführen, sind auch heute ein Beweggrund für etliche große Stars, lieber an einem Ort zu bleiben und dort mehrmals aufzutreten, als aufwendig von Arena zu Arena zu ziehen. Mag der klassischen Rockband vielleicht noch die große Videoleinwand genügen, sind bei den Showinszenierungen vieler aktueller Popstars teils gewaltige Bühnenbauten im Einsatz.
Zu wenige Dienstleister für Tourneen
Wurden bis vor einigen Jahren dann eben zwei komplette Bühnen auf die Reise geschickt, von denen die eine bespielt und die andere derweil schon für den Auftritt in der nächsten Stadt aufgebaut wurde, sorgte die Corona-Pandemie vor nun sechs Jahren zwangsläufig für Umdenken. Nicht nur stiegen nach der Pandemie die Preise für die nötige Logistik bei einer Tournee geradezu sprunghaft. Es gibt auch viele der kleinen Dienstleister, die die unterschiedlichen Gewerke etwa beim Bühnenbau oder -transport erledigten, einfach nicht mehr. Ein Tourneeplan kann deshalb auch mal an fehlenden Lastwagen scheitern.
Wenn nun The Weeknd an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Waldstadion auftritt, kann seine Crew auf das Grundgerüst einer Bühne zugreifen, die in diesem Sommer schon Metallica, Helene Fischer und den Toten Hosen für ihre Auftritte diente und den jeweiligen Bedürfnissen der Künstler angepasst werden kann. Auch solch ein Detail spielt mittlerweile bei der Bewerbung um die Residenz eines Stars in einer Stadt eine wichtige Rolle.
Für die Städte selbst können sich solche Gastspiele als finanzieller Glücksgriff gerade für Hotels, Gastronomie und Einzelhandel erweisen. So sollen die Besucher der zehn Konzerte, die Adele 2024 in einer eigens errichteten Arena auf dem Messegelände in München gab, 530 Millionen Euro in der Stadt gelassen haben. Und als Beyoncé vergangenes Jahr sechs ausverkaufte Stadionkonzerte in London gab, sorgten die Konzertgänger für ein Drittel aller Hotelbuchungen im Juni. Der dreitägige Besuch aus Frankfurts kanadischer Partnerstadt könnte sich also auch ohne offizielles Begleitprogramm als durchaus ertragreich für die Stadtkasse erweisen.
