Der hessische Forschungs- und Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) hofft, dass sich die wesentlichen Ziele der Forscher am GSI Helmholtzzentrum in Darmstadt trotz des Großbrandes im Februar einhalten lassen. Die zeitgerechte Inbetriebnahme der im Bau befindlichen Beschleunigeranlage FAIR werde „priorisiert“, betont der Minister in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Maximilan Müger (parteilos).
Das Helmholtzzentrum in Darmstadt verfüge über eine weltweit einmalige wissenschaftliche Infrastruktur, die physikalische Grundlagenforschung sowie angewandte Bio-, Medizin- und Materialforschung ermögliche, so der Minister.
„Ein schwarzer Tag“
Die Anlage soll Bedingungen herstellen, wie sie eigentlich nur im Universum herrschen, beispielsweise bei der Entstehung und Verschmelzung von Sternen oder im Innern von Planeten. Sie ist das Projekt einer internationalen Kooperation und soll mehr als 3,3 Milliarden Euro kosten. Für die Realisierung wurde eine internationale Gesellschaft nach deutschem Recht gegründet. Die Gesellschafter stammen aus neun Ländern: Deutschland, Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Slowenien und Schweden.
Die im Bau befindliche Anlage wurde bei dem Brand nicht beschädigt – im Unterschied zu dem Teilchenbeschleuniger UNILAC. Er liefert und beschleunigt Ionen von allen chemischen Elementen und dient FAIR als Injektor. Angesichts dieses Zusammenhangs bekräftigt Gremmels seine bereits im Februar geäußerte Einschätzung. Danach war der Großbrand „ein schwarzer Tag“ nicht nur für den Technologie- und Forschungsstandort Hessen, sondern auch für die nationale und internationale Community in der Physik.
Gremmels Versprechen
Gemeinsam mit dem Bund werde das Land die Zukunft des Helmholtzzentrums sichern, kündigt der Sozialdemokrat an. Es sei inzwischen ein Maßnahmenpaket erarbeitet worden, um die Brandfolgen zu beseitigen und den wissenschaftlichen Betrieb zügig wiederherzustellen. „Es wird auch die Inbetriebnahme von FAIR ermöglichen“, verspricht Gremmels.

Dafür sind nach seinen Worten positiv begutachtete Interimsmaßnahmen vorgesehen, die anstelle des ausgefallenen UNILAC andere Injektoren zum Einsatz kommen lassen, die einen Strahl aus elektrisch geladenen Atomkernen auslösen. Die sogenannte Strahlzeit, also die Arbeitszeit am Beschleuniger, wird von den Forschern für Experimente genutzt und ist unter ihnen international begehrt. Es sei sein Ziel, mit der Inbetriebnahme von FAIR wie geplant Ende 2027 zu beginnen, so Gremmels.
Reparatur bis 2030
Die Reparatur des UNILAC soll nach derzeitiger Planung Ende 2030 abgeschlossen sein. Die Produktion speziell angefertigter Anlagenteile benötige etwa drei Jahre und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit deutschen und europäischen Industrieunternehmen. Vorher werde ein anspruchsvolles Interimsforschungsprogramm realisiert.
Die entstandenen Schäden beziffert Gremmels mit bis zu 145 Millionen Euro. Nach seinen Angaben gab es keine Brandschutzversicherung. Darauf verzichtet die öffentliche Hand bei ihren Liegenschaften und Fahrzeugen regelmäßig aus Gründen der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit. Aufs Ganze gesehen gleichen die Risiken sich aus.
Der Bund übernimmt 90 Prozent der Kosten, das Land zehn. Das Helmholtzzentrum finanziert weitere Maßnahmen im Umfang von 67 Millionen Euro, um die Betriebssicherheit durch eine Modernisierung der bestehenden Anlagen zu erhöhen. In dem von dem Brand erfassten Teil des Komplexes habe man schon vorher etwas für den Brandschutz getan, berichtet Gremmels. Man sei gerade dabei gewesen, weitere Pläne zu verwirklichen. Nun werde es eine „gesamtkonzeptionelle Brandschutzertüchtigung“ der Infrastruktur geben.
Programm für Forscher
Die unmittelbaren Folgen des Brandes für Doktoranden und Wissenschaftler in der frühen Karrierephase sollen mit dem von der Regierungskoalition beschlossenen und mit einer Million Euro ausgestatteten „Zukunftsprogramm Forschung“ abgemildert werden.
Das Helmholtzzentrum geht nach Gremmels Angaben davon aus, dass in Hessen etwa 45 Doktoranden und ungefähr 30 Postdocs durch den Ausfall des UNILAC-Experimentierbetriebs in ihrer Qualifikationsphase beeinträchtigt sind.
Sein Ziel sei es, nicht nur dem hochqualifizierten wissenschaftlichen und technischen Personal eine Perspektive zu geben, sondern auch durch die Brandsanierung exzellente Forschungsbedingungen auf dem Campus zu ermöglichen, so Gremmels.
