
Ein Renaturierungsprojekt, das die Gegend um den Heddernheimer Urselbach vor Hochwasser schützen und ökologisch aufwerten sollte, hat sich als Altlastenfall entpuppt. Rund 3000 Tonnen belasteter Erde seien in dem früheren Industriegebiet im Frankfurter Norden freigelegt worden, heißt es vonseiten der Deutschen Bahn – und mit ihnen potentiell krebserregende Schwermetalle und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe.
Nun herrscht schon seit April Stillstand, wie Ortsvorsteherin Katja Klenner berichtet. Über Entsorgungskosten in sechsstelliger Höhe werde diskutiert, sagt die CDU-Politikerin. „Das kostet jede Menge Geld.“ Zuständig für das Projekt am Eschersheimer Wehr ist die Deutsche Bahn – die Renaturierung dient als Ausgleich für den viergleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke S 6 nach Bad Vilbel, wie eine Bahnsprecherin berichtet.
Die Stadt Frankfurt teilt derweil mit, sie begleite das Projekt lediglich fachtechnisch. Stadt und Bahn äußern übereinstimmend, dass in dem Areal mit belasteten Böden zu rechnen gewesen sei. Was jedoch überrascht habe, sei das Ausmaß der Befunde. „Es wurden alle möglichen Mischproben gefunden“, sagt Klenner. Klar sei, dass die Funde gefährlich seien, meint Stephanie Mohr-Hauke, Anwohnerin und SPD-Mitglied im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt).
Entsorgungsarbeiten könnten bis Oktober dauern
Vonseiten der Bahn heißt es, man benötige mehr als hundert Schwerlaster, um die belastete Erde abzutransportieren. Zuvor hatte man das Bachbett oberhalb des Eschersheimer Wehres auf rund 400 Meter Länge tiefer gelegt, um eine neue Verbindung zwischen Nidda und Urselbach schaffen zu können. Die Bahn hat eigenen Angabe zufolge im Mai mit dem ersten Abtransport auf eine Deponie begonnen. Für die restliche Erde erarbeite man ein Entsorgungskonzept, das in einigen Wochen vorliegen werde. Eine geeignete und nahe Deponie dafür habe man noch nicht gefunden. Die Entsorgungsarbeiten könnten noch bis in den Oktober hinein dauern.
Die Fundstelle befindet sich an einem ehemaligen Industriegebiet. An dieses grenze – an einer anderen Stelle – ein begrünter Hügel, den die Anwohner auch „Müllberg“ nennen. Nach Angaben der Ortsvorsteherin handelt es sich um eine Aufschüttung aus Deponie‑ und Aushubmaterial, Altlasten der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM). „Dort liegen Müll und Schlacke vom Industriestandort“, sagt Klenner. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Müllberg und der kontaminierten Erde am Urselbach sei wahrscheinlich, aber noch nicht bewiesen.
Auch Mohr-Hauke vermutet eine Verbindung über Abwasserkanäle und Grundwasserströmungen. Dass am Bach mit Schadstoffen belastetes Erdreich gefunden worden sei, habe sie deshalb nicht überrascht, sagt die SPD-Politikerin.
Sowohl Stadt als auch Bahn prüfen derzeit, inwieweit man die mutmaßlichen Verursacher noch an den Entsorgungskosten beteiligen könne. Das VDM-Stammwerk in Heddernheim existiere seit 1982 nicht mehr, sagt Klenner. Aber wenn sich zweifelsfrei herausstellen würde, dass die VDM für die Umweltverschmutzung verantwortlich sei, müsse das Unternehmen auch haften und zahlen. „Das kann man nicht auf den Steuerzahler abwälzen.“
