
Am Dienstag radelte Manuel Neuer entspannt wie ein Ausflügler von seinem Haus in der Ortschaft Tegernsee zum rund 3,5 Kilometer entfernten Trainingsquartier des FC Bayern in Rottach-Egern, hinten an seinem E-Bike hing der Anhänger für seinen zwei Jahre alten Sohn Luca. Nach der Übungseinheit am Nachmittag signalisierte der 40 Jahre alte Kapitän der Münchner dann mehr oder weniger deutlich: Es wird das letzte Mal sein, dass er sich nahe seines Wohnorts auf eine Saison vorbereitet.
Fast, berichtete Neuer, hätte er schon im Sommer Schluss gemacht, nun aber wird seine 21. Saison in der Bundesliga aller Voraussicht nach seine letzte sein. „Es sieht schon stark danach aus, dass ich aufhöre“, sagte er vor zahlreichen Reportern. Eine Abschiedstournee soll die letzte Saison aber nicht werden. „Also ich spiele nicht die Spiele, um zu sagen, das ist jetzt so mein letztes Spiel. Egal, ob ich jetzt vielleicht in dem einen oder anderen Stadion das letzte Mal gewesen bin.“
Warum Neuer noch nicht aufgehört hat
Viel hätte nicht gefehlt, und Neuer wäre am Dienstag höchstens noch zu Besuch nach Rottach-Egern geradelt, beinahe wäre schon die abgelaufene Saison mit dem Double seine letzte gewesen. „Ich hätte vielleicht in 85 Prozent der Fälle aufgehört, aber in dieser Mannschaft und mit dem Staff und dem Trainerteam macht es einfach Spaß“, sagte er. Unter Trainer Vincent Kompany fällt es ihm offensichtlich nicht schwer, sich noch einmal zu motivieren und auf eine komplette Saison zu freuen – auch nach 20 Jahren, die freilich höchst erfolgreich waren.
Nicht zuletzt die sportlichen Aussichten hätten ihn schließlich dazu gebracht, noch ein Jahr dranzuhängen, erklärte Neuer. „Wir haben immer die Möglichkeit, um alle Titel zu spielen und wir sind voll auf der Höhe mit der Mannschaft. Deshalb zählen dieses Team, die Mannschaft und die Struktur, wie wir sie im Verein haben, zu den 15 Prozent, wo ich gesagt habe, ich muss auf jeden Fall weitermachen.”
Kommt hinzu, dass Neuer den FC Bayern bestens aufgestellt sieht für die kommende Saison. „Ich glaube, dass die Neuzugänge auch nochmal genug Power mitbringen, dass sie uns weiterbringen“, sagte er über die WM-Entdeckung Ismael Saibari und Nathaniel Brown. Sich selbst hält er ebenfalls noch für gut genug, um wieder um alle Titel mitzuspielen. „Ich mache das für mich persönlich“, sagte er, „und weil ich auch in der Lage bin, der Mannschaft immer zu helfen. Dass ich die Unterstützung habe aus meinem Familien- und Freundeskreis, das ist klar.“
Einen dauerhaften Anspruch auf den Platz zwischen den Pfosten wird Neuer allerdings wohl nicht mehr erheben. „Also ich denke, dass es ähnlich laufen wird wie in der letzten Saison“, sagte er. Heißt: Auch Jonas Urbig wird regelmäßig seine Einsätze bekommen.
