
Dem Bremer CDU-Landeschef Heiko Strohmann ist die Hutschnur gerissen. „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei“, soll er am Montag Bundeskanzler Friedrich Merz an den Kopf geworfen haben. So plakativ ist die Kritik, dass sie schnell die Runde machte inmitten einer völlig verkorksten Regierungsumbildung. Merz, der erfahrene Kapitalist, wäre wohl gern der Chef der Deutschland AG, der dort schalten und walten kann, wie er will – das ist der Vorwurf, der da mitschwingt.
Aber der Vorwurf ist total ungerecht. Nicht gegenüber Merz. So haarsträubende Fehler hat er sich geleistet, dass es nachvollziehbar ist, dass auch innerhalb der Partei die Geduld schwindet. Aber die Kritik ist ungerecht mit Blick auf die Unternehmenswelt. Klar ist es auch da üblich, dass schwere Fehler gemacht werden – wer wüsste das besser als wir Wirtschaftsjournalisten, die darüber tagein, tagaus berichten. Aber ernsthaft: Wer kennt ein Unternehmen, dessen Chef einen Fehler nach dem anderen macht und nicht abgestraft wird dafür?
Kein Eigentümer würde das lange dulden
Die Art, wie Verkehrsminister Patrick Schnieder weggemobbt wurde, beispielsweise: Das ist, als ob ein Unternehmenschef mitten in einer tiefgreifenden Transformation das dafür verantwortliche Vorstandsmitglied öffentlich abservieren würde, und das, ohne eine klar bessere Alternative zu haben. Das alles, während andere Low-Performer im Management verschont werden. Und nachdem schon zuvor andere wichtige Personalentscheidungen unter fragwürdigen Umständen gefällt wurden. Kein Eigentümer und kein Aufsichtsgremium würden das lange dulden. Denn die lähmend schlechte Stimmung, die sich unter solch einer Führung vom Management bis in die entferntesten Winkel ausbreitet, ist für den Erfolg jedes Unternehmens schädlich.
Es stimmt schon, die Bundesrepublik ist keine Deutschland AG, zum Glück. In der Politik geht es nicht um Gewinnmaximierung, und es sind nicht Eigentümer, die bestimmen, wer dieses Land führt, sondern das Wahlvolk und die Parteien. Aber wie in der Wirtschaft sollte auch in der Politik der Mindestanspruch der sein, dass das Spitzenpersonal professionell agiert, unabhängige Experten anhört, Kritiker einbezieht und Entscheidungen verständlich kommuniziert. Hier wie da ist übrigens auch die Abstimmung mit den Füßen bekannt: In einem Fall sind es Kunden und Mitarbeiter, im anderen Fall die Wähler.
