
Dass man bei besonderen Lagen am Ort des Geschehen sein muss, gehört für Berlins Innensenatorin Iris Spranger zum politischen Einmaleins, nicht erst seit ihr Chef, Berlins Regierender Bürgermeister, sich nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Januar wegen seines Tennisspiels und anschließender Ausflüchte um seine Glaubwürdigkeit gebracht hat. Und so dauerte es nur Augenblicke, ehe die SPD-Politikerin ihren Urlaub abbrach und sich auf dem schnellsten Weg nach Berlin aufmachte, als die Anschlagsnachricht vom Christopher Street Day eintraf.
Sprangers Job in der Metropole bedeutet aber ohnehin, permanente Ausnahmezustände und den alltäglichen Wahnsinn in der Hauptstadt zu meistern. Gemeinsam mit der Polizeichefin Barbara Slowik Meisel ist sie für alle Einsatzlagen in Berlin zuständig, darunter allein 6501 Demonstrationen und Versammlungen, von denen im vorigen Jahr 865 einen „Nahost-Bezug“ hatten, worunter in vielen Fällen Märsche gewaltbereiter und antisemitischer Hamas-Anhänger zu verstehen waren, die ihren Hass auf Berlin und seine Polizei auf die Straße trugen. Auch die bedrohlichen und immer öfters mit Schusswaffen ausgetragenen Clan-Rivalitäten libanesischer oder türkischer Banden bereiten ihnen Sorgen, ebenso steigende rechtsextreme Gewalt und Angriffe auf Schwule, Lesben oder andere Personen mit eigenen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität.
Im Anschlag des gebürtigen Berliners Abdul Ballout auf den CSD bündeln sich viele dieser Probleme, der radikalisierte Islamist mit libanesischen Wurzeln hatte zuvor als Kleinkrimineller ohne Ausbildung für irgendwen als „Fahrer“ oder „Sicherheitsmitarbeiter“ gejobbt, wie sein Vater berichtet. Solche „Fahrer“ sieht man in Berlin alltäglich zu Dutzenden in übergroßen Autos über den Kurfürstendamm patrouillieren, der Begriff Sicherheit ist in manchen Stadtteilen ein relativer geworden.
Spranger, geboren in Halle an der Saale, Jurastudentin ohne Abschluss und dann als Unternehmerin erfolgreich in Fragen von Finanzbuchhaltung und Steuerwesen, war einige Jahre ihrer Erfahrung gemäß Staatssekretärin in der Berliner Finanzverwaltung. Dann ergab sich für die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende 2021 die Gelegenheit, nach dem Posten der Innensenatorin zu greifen. Spranger griff beherzt zu.
Die Abgeordnete für Marzahn-Hellersdorf und Mutter eines Sohnes hat sich seither im Amt etabliert und blieb auch nach der Wiederholungswahl 2023, für die man sie als Innensenatorin und politisch und administrativ Mitverantwortliche auch hätte in politische Haftung nehmen können.
