
Als im Juni die erste Hitzewelle über das Land rollte, da wurde viel geklagt. Über einen Mangel an Klimaanlagen, marode Infrastruktur und überhaupt, bei 40 Grad könne doch niemand mehr arbeiten. Einige sahen direkt die ganze Wirtschaft in Gefahr. Aber eine Gruppe muss sich still und heimlich sehr gefreut haben: die Speiseeis-Verkäufer in Deutschland.
Laut dem Statistischen Bundesamt wurde in der Woche vom 22. bis zum 28. Juni 2026 im Lebensmitteleinzelhandel 90 Prozent mehr Speiseeis abgesetzt als in einer durchschnittlichen Sommerwoche der drei Vorjahre.
Und das, obwohl die Preise in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen sind. Portioniertes Speiseeis, also zum Beispiel Eis am Stiel oder eine fertig gefüllte Waffel, ist laut Statistischem Bundesamt seit 2020 um fast 30 Prozent teurer geworden. Das ist auch damit zu erklären, dass die Zutaten für die Produktion mehr kosten. So ist der Preis von Vollmilch in den Jahren 2020 bis 2025 um 38 Prozent gestiegen, bei Zucker sind es sogar 32 Prozent.
Das teuerste Eis gibt es in diesem Jahr auf Sylt
Die Preise von Eisdielen sind dabei nicht erfasst. Genauso wenig ihr Absatz. Wenn man beim bundesweiten Verband „Union der italienischen Speiseeishersteller“ (Uniteis e.V.) nachfragt, heißt es, dass leider alle Mitarbeiter im Urlaub sind, die Auskunft geben könnten. Man kann es ihnen nicht verdenken, denn wahrscheinlich mussten auch sie in den vergangenen Wochen helfen, die eiswütigen Deutschen zufriedenzustellen.
Nachgeforscht hat allerdings das Onlineportal „coupons.de“, das für eine Umfrage in 71 deutschen Großstädten bei insgesamt 215 Eisdielen und Eiscafés nachgefragt hat. Das günstigste Eis gibt es demnach in Brandenburg mit einem durchschnittlichen Kugelpreis von 1,47 Euro. Am teuersten war das Eis laut Umfrage lange in Bayern, zumindest in den vergangenen drei Jahren. In diesem Jahr steht allerdings Sylt an der Spitze mit einem Kugelpreis von 2,83 Euro. Insgesamt liegt der Durchschnitt aller befragten Eisdielen bei 1,92 Euro, das ist eine Steigerung von sechs Prozent zum Vorjahr.
Zur Eissorte des Jahres 2026 hat die Uniteis e.V. übrigens das sogenannte „Pinocchio-Eis“ gewählt, bestehend aus einer Milcheissorte vermischt mit Erdbeersorbet und schokoladenüberzogenen Grissini, die als Nase eingesetzt sind. Hintergrund sei der 200. Geburtstag von Carlo Collodi, dem Autor des gleichnamigen Kinderbuch-Klassikers, wie der Verein auf seiner Seite schreibt.
Aber zurück zum vermeintlichen Abgesang der Wirtschaft: Neben Speiseeis haben laut den Daten des Statistischen Bundesamts auch andere Produkte Verkaufsrekorde in der Hitzewoche hingelegt. So unter anderem Biermischgetränke (63 Prozent mehr) und alkoholfreies Bier (38 Prozent mehr).
Mit der Hitze bekommen die Deutschen also auch Lust, sich etwas zu gönnen. Mit der Hitze schwappt wohl auch etwas Dolce Vita zu uns – und dagegen kann ja wirklich kaum jemand etwas haben.
