Als die F.A.Z. vor acht Jahren Günter Bannas in den Ruhestand verabschiedete, erwiesen ihm nicht nur die Kollegen aus dem eigenen Haus und andere Zeitungsleute die Reverenz. Das sei ja geradezu ein Staatsempfang, sagte die damalige Bundeskanzlerin Merkel, als sie das Berliner Haus der Zeitung betrat und sah, wer außer ihr noch zu dieser Feier gekommen war. Versammelt hatten sich auch schon Bundestagspräsident Schäuble, mehrere Bundesminister, Staats- und Generalsekretäre, Fraktions- und Ausschussvorsitzende, „einfache“ Abgeordnete und viele Ehemalige.
Sie alle, obwohl unterschiedlichen Parteien angehörend, verband an diesem Abend eines: die Hochachtung vor einem Journalisten, den die Politiker, über die er geschrieben hatte, und das waren nicht wenige, als den Inbegriff der journalistischen Seriosität erlebt hatten: als präzise, nüchtern, unprätentiös, unparteiisch, nur der Wahrheit verpflichtet und, was nicht nur an jenem Abend oft zu hören war, als fair.
Bonn-Korrespondent nach zwei Jahren
Bannas hatte sich schon als Student der Geschichte und anderer Fächer für den politischen Journalismus interessiert. 1979 trat der am 8. Mai 1952 in Kassel geborene, aber zum bekennenden Kölner gewordene Bannas in die Politische Nachrichtenredaktion der F.A.Z. ein. Schon zwei Jahre später wurde er als Korrespondent nach Bonn entsandt, wo er unter anderem die Entstehung, das Wachstum und die Häutungen der Partei „Die Grünen“ beschrieb.

Nach einem einjährigen Ausflug zur „Süddeutschen Zeitung“ kehrte Bannas 1998 als Leiter der Parlamentsredaktion zur F.A.Z. zurück. Als solcher kümmerte er sich zunächst um die Kanzlerpartei SPD, dann um die Kanzlerinnenpartei CDU. In beiden Fällen wusste er über deren Innenleben besser Bescheid als manche Parteikader. In einem Boot mit ihnen saß er aber nie – ausgenommen natürlich, wenn die Seeheimer der SPD zur Spargelfahrt luden.
Auf seiner Seite der Barrikade hatte der leidenschaftliche Karnevalist und Raucher nichts zu schaffen mit den journalistischen Kampagneros und Kopfgeldjägern. Bannas sammelte in seinem Hobbyraum von ihm selbst gebaute Modellschiffe, nicht Trophäen von „abgeschossenen“ Politikern.
Ein Vorbild für viele jüngere Journalisten
Auf die Urteilskraft des Bürochefs in Berlin konnte man sich in der Frankfurter Zentrale stets verlassen. Knapp 10.000 Artikel hat er in seiner aktiven Zeit verfasst. Aber auch nach seiner Pensionierung blickte Bannas immer wieder einmal auf der Seite „Die Gegenwart“ auf Jahre und Ereignisse zurück, die bedeutend für die Republik waren. Von großem Nutzen waren ihm dabei seine akribischen Aufzeichnungen aus vier Jahrzehnten journalistischer Arbeit.
Diese Notizen sind Dokumente des politischen Zeitgeschehens in der „Bonner“ und dann der „Berliner Republik“. In dem 2019 erschienenen Buch „Machtverschiebung“ analysierte Bannas, wie sich die deutsche Politik nach dem Umzug vom Rhein an die Spree veränderte. Nun hat sie einen ihrer geachtetsten Beobachter und genauesten Chronisten verloren, der vielen jüngeren Journalisten ein Vorbild war. Am Freitag ist Günter Bannas nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren in Berlin gestorben.
