Attenzione, Leute, alle mal hergehört – hier eine wichtige Reisewarnung: Ich war nämlich gerade in Pompeji. Und kann jedem nur davon abraten, es mir gleichzutun. Geht auf keinen Fall dahin, assolutamente no! Es ist alles ein Riesenbetrug!
Besuche das großartige Pompeji, hat man mir gesagt, lass dich verzaubern, hat man mir gesagt, schau dir die berühmteste erhaltene antike Stadt dieses Planeten an, hat man mir gesagt. Und ich habe allen geglaubt. Euch aber sage ich: Geht bloß nicht nach Pompeji!
Häuser und Kunstwerke – eine Zumutung
Das angebliche Weltwunder am Fuße des Vesuvs ist nichts als eine gigantische Abzocke. Hier gibt es nichts zu sehen! Nichts, aber auch gar nichts wurde fertiggestellt, die angebliche Antikenmetropole ist immer noch eine einzige Baustelle. Das Straßennetz kann man bestenfalls als grob angelegt bezeichnen, und selbst da hat man irgendwann mitten in der Arbeit einfach die Schubkarre stehen lassen. Kein Haus, kein Tempel, keine Villa wurde ordentlich fertig gebaut. Überall fehlen Dächer, Türen, Fenster, Tapeten, Steckdosen und WLAN. Stattdessen schaut man in halbfertige Wohnzimmer, die offensichtlich seit Jahrhunderten auf einen Handwerker warten.
Ich habe ja Verständnis dafür, dass sich Bauprojekte bisweilen verzögern. Als Deutscher weiß ich, dass sich Projekte wie der Berliner Flughafen BER oder Stuttgart 21 schnell zu Jahrhundertprojekten auswachsen können. Aber zweitausend Jahre?
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Irgendwann muss man doch mal einsehen, dass der Bauleiter vielleicht doch nicht der Richtige war! Pompeijs Straßen bestehen aus lächerlich grob behauenen Basaltklötzen. Kein Asphalt, keine Fahrbahnmarkierungen, keine Ampeln. Nicht ein einziger Kreisverkehr! Dafür ragen überall diese hohen Trittsteine aus der Fahrbahn. Wahrscheinlich wollte man eine Fußgängerzone bauen und ist dann aber in die Mittagspause gegangen. In eine sehr lange Mittagspause.

Weder wurde an Parkhäuser gedacht noch an Skateparks. Es gibt keine Videotheken, keine Telefonzellen, keine Verkehrsinseln, keine U-Bahn. Kein einziges Eiscafé mit Hafermilchoption! Nirgendwo ein vernünftiger Geldautomat. Stattdessen überall Säulen, Säulen, Säulen. Als ob Säulen irgendein menschliches Grundbedürfnis wären. Soll ich vielleicht mit Säulen handeln, während ich auf mein Eis warte?
Die Häuser sind ebenfalls eine Zumutung. Überall nackte Ziegel und unverputzte Wände. Besonders dreist: die sogenannten Kunstwerke. Hie und da ein paar Wandmalereien, die ebenfalls nie fertig geworden sind. Überall blättert schon die Farbe ab. Restaurieren? Fehlanzeige. Stattdessen alle paar Meter ein Fremdenführer oder ein Guide, der mir mit ernster Miene weismachen will, hier habe einst eine blühende Stadt gestanden. Ja, genau, alles klar. Und ich war letzte Woche in Atlantis im All-inclusive-Hotel und habe mir das Fußballfinale mit Deutschland im Endspiel angeschaut. Sieht man doch mit bloßem Auge, dass hier irgendein großspuriger Investor pleitegegangen ist. Hatte René Benko etwa seine Finger im Spiel?
Und das soll nun eine Stadt sein – lächerlich! Seit nunmehr zweitausend Jahren pfuschen die Italiener an diesem Baustellenmumpitz herum, locken und zocken Touristen gnadenlos ab und bieten dafür nichts als einen erbärmlichen Schutthaufen. Kann von mir aus alles unter einer meterdicken Schicht aus Asche und Geröll verschwinden. Nichts wie weg damit, aber subito, per favore!
