Eigentlich ist es ja einfach. Wenn ein Musiker mit dem, was er komponiert, sehr viele Menschen – auch mich – aus ihrer inneren Enge zu holen vermag, er in verschiedenen Texten aber die »Verjüdung der modernen Kunst« beklagt und überlegt, wie eine »gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elements« zu schaffen sei, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Wirklich keine schwere Entscheidung.
Aber dann sitze ich wieder in Reihe 11 oder 16 oder 27, und wenn bei Wotans Abschied in der Walküre die Celli einsetzen oder das hohe Blech das Walhall-Motiv spielt, erwischt mich das, was ich da höre, ganz und gar wehrlos. Darf man diese Musik schön finden, kann man sie überhaupt guten Gewissens konsumieren, bei allem, was man über sie und ihren Komponisten Richard Wagner weiß? Für mich kommt diese Frage ein bisschen spät; selbst wenn ich komplett aufhören würde, Wagner zu hören, kriege ich ihn wohl nicht mehr aus meinem System. Denn ich bin wie ein krummer Baum um seine Musik herumgewachsen.
