
Mit einer Ausnahme hat der deutsche Halbleiterhersteller Infineon in dem Patentstreit mit dem chinesischen Wettbewerber Innoscience die Oberhand behalten. Die Verfahren in Deutschland und den Vereinigten Staaten sind zugunsten des Dax-Unternehmens ausgegangen. Doch in China musste Infineon im Streit um die Halbleiter auf Basis von Galliumnitrid (GaN) eine Niederlage einstecken. Dagegen hatte Infineon Berufung eingelegt, doch bislang erfolglos. Einen Widerspruch gegen das Verkaufsverbot lehnte das Oberste Volksgericht ab. Eine finale Entscheidung steht noch aus. Infineon kann also noch hoffen, dass der chinesische Wettbewerber nicht recht bekommt.
Anfang Juli musste Infineon auf einer Messe in Shanghai nach Einspruch des Messeveranstalters seine Informationen zu den vom Verkaufsverbot belegten GaN-Bauteilen entfernen. Das Verkaufsverbot in China betrifft nur einen sehr kleinen Umsatzanteil von Infineon. Am Infineon-Sitz Campeon im Süden Münchens dürften die gerichtlichen Erfolge in Deutschland und den Vereinigten Staaten höher gewichtet werden. Der Markt für GaN-Chips ist bislang noch klein, verspricht aber hohes Wachstumspotential.
Vom Rechenzentrum bis zum Elektroauto
Darauf hat Infineon in einer Mitteilung im Februar verwiesen: Demnach dringt die GaN-Technologie in viele Bereiche vor – von Rechenzentren der Künstlichen Intelligenz (KI) und Robotik über Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien bis hin zu digitalen Gesundheitsanwendungen und Quantencomputing. In Rechenzentren erzielten GaN-basierte Stromversorgungen mit neuen Topologien bislang unerreichte Wirkungsgrade und Leistungsdichten. Sie sollen nach Angaben von Infineon Verluste um bis zu 30 Prozent senken und effizientere, kompaktere Architekturen ermöglichen.
GaN-basierte Motorantriebe in humanoiden Robotern können der Mitteilung zufolge um bis zu 40 Prozent kleiner ausfallen und die Feinbewegungssteuerung verbessern. Infineon investiert in die Skalierung der Produktion von GaN-Chips, die immer noch deutlich teurer sind als herkömmliche, auf Siliziumkarbid basierende Halbleiter. GaN-Chips produziert Infineon in den Werken Villach (Österreich) und Kulim (Malaysia).
Derzeit ist der Markt für diese Leistungshalbleiter eine Milliarde Dollar groß. Bis 2030 wird ein Volumen von drei Milliarden Dollar erwartet. Da sich der Markt noch in der frühen Phase befindet, sind die Hersteller daran interessiert, Marktanteile zu verteidigen. Das steckt hinter dem Patentstreit zwischen Infineon und Innoscience. Der chinesische Konzern ist nun eingeschränkt, wenn es darum geht, GaN-Produkte in Deutschland, dem größten Markt in Europa, oder den Vereinigten Staaten zu verkaufen.
In Deutschland und den USA erfolgreich
In Deutschland hat sich Infineon bislang mehrmals vor dem Landgericht München I durchsetzen können. Das Gericht hat mit seinen Entscheidungen Innoscience verboten, patentverletzende Produkte nach Deutschland einzuführen, zu verkaufen und zu vermarkten. Darüber hinaus muss Innoscience Schadenersatz an Infineon zahlen.
In den Vereinigten Staaten ist nach der 60-tägigen Überprüfungsfrist durch den amerikanischen Präsidenten eine Entscheidung der Wettbewerbsbehörde US International Trade Commission kürzlich in Kraft getreten. „Damit steht fest, dass Innoscience ein Infineon-Patent im Bereich der GaN-Technologie verletzt. Patentverletzende GaN-Produkte dürfen daher von Innoscience weder in die USA eingeführt noch in den USA zum Kauf angeboten werden“, schrieb Infineon in der Pressemitteilung.
Damit kann der Münchner Halbleiterhersteller in der noch jungen GaN-Technologie bis auf Weiteres auf den wichtigsten Märkten seine Führungsrolle ausbauen. Denn die GaN-Chips spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung leistungsstarker und energieeffizienter Stromversorgungssysteme für eine Vielzahl von Anwendungen, darunter Technologien für erneuerbare Energien, Rechenzentren, Industrieautomatisierung und Elektrofahrzeuge. Nach eigenen Angaben verfügt Infineon auf dem GaN-Markt über das breiteste Patentportfolio. Es umfasse 450 GaN-Patentfamilien.
Fast 30.000 Patente
Wie wichtig Patente sind, beschreibt Infineon im Geschäftsbericht 2025: Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 1900 Patente auf der Welt angemeldet, was als Beleg der Innovationskraft und langfristigen Wettbewerbsfähigkeit gewertet wird. Ende 2025 verfügte Infineon global über rund 29.700 Patente und Patentanmeldungen. Nach Angaben eines Sprechers hat Infineon im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aufgewendet – das sind 15 Prozent des Umsatzes. Ein Viertel der 14.000 Mitarbeitenden arbeitet in der Forschung und Entwicklung.
Die Investitionen von 15 Prozent des Umsatzes in Innovationen bezeichnet der Infineon-Sprecher als überdurchschnittlich stark. „Aus diesem Grund spielt der Schutz unseres geistigen Eigentums auch eine zentrale Rolle für uns“, fügt er hinzu. Im März 2023 hat Infineon für 830 Millionen Dollar das kanadische Unternehmen GaN Systems erworben, das damals als führend in der Entwicklung von GaN-basierten Lösungen für die Energiewandlung beschrieben wurde.
Infineon hat schon viel Geld in diese Technologie investiert, weshalb nun die Marktanteile verteidigt werden müssen. Denn die Konkurrenz nimmt zu, und Innoscience ist ein besonders hartnäckiger Wettbewerber. Nach Zahlen des Branchendiensts Yole hatte Innoscience in den Jahren 2023 und 2024 einen Anteil von 30 Prozent am GaN-Markt, während Infineon auf elf Prozent kam.
