Der Musiker Daniel Pongratz alias „Danger Dan“ hat am Dienstagabend mit dem Pianisten Igor Levit in Berlin ein Konzert unter dem Titel „Keine Angstalt“ gegeben und das Lied „Keine Angst“ aufgeführt, dessentwegen er aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“, die am selben Abend im Programm lief, ausgeladen worden war. In dem Lied plädiert er – leicht verklausuliert – dafür, gegen „Faschisten“ auch mit Gewalt vorzugehen. Die Geschäftsleitung des ZDF hatte entschieden, dass Pongratz damit nicht in der „Anstalt“ auftreten kann. Die Macher der Sendung protestierten dagegen. Der Intendant Norbert Himmler bekräftigte die Absage.
Pongratz: „Debatte, die wir eigentlich hätten führen müssen“
In der vergangenen Woche habe es eine große Debatte gegeben, ob es richtig gewesen sei oder nicht, sie aus der ZDF-Sendung auszuladen, sagte Danger Dan nun im Columbia Theater, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Das sei aber nicht die entscheidende Frage, habe der Pianist Levit ergänzt. Die Debatte, die „wir eigentlich hätten führen müssen“, sei: Wie gehe man mit Faschisten um, die gerade in die Parlamente einzögen und auf der Straße seien, so Pongratz: „Wie gehen wir um mit rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird?“
„Und wie helfen wir?“, fragte Igor Levit bei dem Konzert, das auf Youtube übertragen wurde. Wie unterstütze man Menschen, die in Gegenden lebten, in denen sie Angst haben müssten, aus dem Haus zu gehen, weil Nazis patrouillierten? Wie nehme man ihnen die Angst und zeige ihnen, dass sie nicht alleine seien? „Das ist die entscheidende Frage.“ Im Publikum saßen, wie die dpa berichtet, einige der Macher der Sendung „Die Anstalt“.
Der „Süddeutschen Zeitung“ gegenüber hatte der Intendant des ZDF, Norbert Himmler, die Ausladung Danger Dans bekräftigt. Den späten Zeitpunkt der Entscheidung müsse man sich vorhalten lassen, in der Sache aber liege man richtig. Man habe es „unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun“, der in freundliche Grüße an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter münde.

Der Song von Pongratz endet mit den Zeilen: „Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang / Koordiniert euch, fangt an zu trainier’n / Wenn ihr zusamm’n kämpft, dann kann es funktionier’n / Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht / Besteht die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht / Also plant immer mit der Konfrontation / Habt Überraschung’n dabei, wenn sie komm’n / Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt / Ich lass’ ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant / Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag’ nix mehr dazu / Liebe grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“.
Das Aufsichtsgremium des ZDF, der Fernsehrat, wird sich in seiner nächsten Sitzung mit der Angelegenheit befassen. Der NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU), der Mitglied des Fernsehrats ist, hatte die Ausladung von „Danger Dan“ im Gespräch mit der F.A.Z. als „nachvollziehbar“ bezeichnet. Es falle „in die Programmhoheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zu entscheiden, was gesendet wird und was nicht – maßgeblich sind dabei die Programmrichtlinien“. Der Liedtext rufe „zu Aktionen mindestens am Rande der Legalität auf und zeigt eine Nähe zu teilweise verurteilten Extremisten.“ Vor diesem Hintergrund sei es „nachvollziehbar, dass das ZDF eine Verletzung seiner Programmrichtlinien geprüft hat“. Darüber habe der Intendant Himmler den Fernsehrat in einem Schreiben informiert.
Hasselfeldt: „richtig und konsequent“
In einem offenen Brief, der auf dem Portal „Netzpolitik“ veröffentlicht wurde, hatten acht Mitglieder des Fernsehrats gegen die Ausladung des Musikers Pongratz protestiert. Danger Dan, schreiben sie, entwerfe „in ,Keine Angst‘ eine Anleitung für den Einsatz gegen die Bedrohung durch die extreme Rechte“. Das ZDF habe die Gelegenheit verpasst, „eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustoßen“. Der Song „Keine Angst“ sei von der Kunst- und Meinungsfreiheit gedeckt, meinen die Fernsehräte Cornelia Berger (Verdi), Maike Finnern (DGB), Dilan Deniz Kılıç (Vertreterin des Bereichs „Muslime“), Lisa Paus (Grüne/Vertreterin des Bundes), Angela Spizig (Medienwirtschaft NRW), Gabriela Terhorst (Bund für Umwelt und Naturschutz), Erik Tuchtfeld (Vertreter des Bereichs „Internet“) und Jörn Voß (Vertreter des Bereichs „Bürgerschaftliches Engagement“).
Die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt sagte derweil, „die Entscheidung, das Lied ,Keine Angst‘ in der Sendung ,Die Anstalt‘ nicht zur Aufführung zu bringen“, halte sie „persönlich für richtig und konsequent, denn das Lied kann als Aufruf zur Gewalt verstanden werden“. Der offene Brief von acht Fernsehräten spiegele ihrer Einschätzung nach „nicht die Mehrheitsmeinung des Gremiums wider“. Gleichwohl nehme sie die geäußerten Bedenken ernst. Im zuständigen Ausschuss des Fernsehrats und auf der Plenumssitzung am 25. September werde die Angelegenheit erörtert.
