Es ist jetzt nicht so, dass Volkswagen in den vergangenen Jahren lauter zündende Ideen gehabt hätte. Und einen die Autos vom Hocker gehauen hätten. Seit die Autoversteher Thomas Schäfer und Andreas Mindt Geschicke und Linien leiten, scheint, jedenfalls, was man von außen sieht und spürt und riecht und fühlt, die Trefferquote deutlich gestiegen zu sein.
Ausgerechnet mit einem Kleinwagen, da legen wir uns jetzt mal fest, wird sich VW am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Die Analogie zu Käfer und Golf ist vielleicht ein wenig weit hergeholt, zumal außer der EU-Kommission keiner der Meinung ist, wir führen morgen, bestimmt aber in fünf Jahren alle elektrisch. Wo Politik den Boden verliert, bleibt der Industrie nichts anderes übrig, als auf demselben Tatsachen zu schaffen, von der Kundschaft begehrte am besten.

Der neuen vollelektrisch angetriebenen Polo-Familie gelingt das in beeindruckendem Maße. Obwohl sie nicht in allen Disziplinen Weltspitze ist, so tritt hier doch ein Team an, das es zum Meister bringen kann. Es werden noch Wetten angenommen, ob der Polo oder die von ihm abgeleitete Version Cross das meiste Interesse wecken werden, wir würden auf das höherbeinige Pendant tippen.
Es trifft den Megatrend SUV
Das Autochen steht so fröhlich wie selbstbewusst da, es trifft den Megatrend SUV, ohne allfälligen Miesepetern mit Aggressivität in die Karten zu spielen. Der Cross fährt nach unserem ersten Eindruck unangestrengt, unaufgeregt und geschmeidig, wankt in Kurven konstruktionsbedingt etwas mehr als der Polo, bleibt aber stets der freundliche Begleiter. 4,15 Meter Länge sind Stadtgardemaß, sogar eine Anhängerkupplung ist drin. Die Räder sind Räderchen mit 17 Zoll oder Räder mit 20. 2,60 Meter Radstand liefern feine Platzverhältnisse innen. Diesseits alter Irrungen finden sich wieder Tasten an Bord und vier Fensterheber für vier Fenster, das Leben kann einfach gut sein.

Das Leistungsspektrum umfasst 116, 135 und 211 PS, die an der Vorderachse zerren. Dass er trotz der vielen Pferdchen nicht zum Dauergalopp gedacht ist, zeigen die Akkugrößen, die mit ihren 37 (LFP) und 52 (NMC) kWh netto eher für Ausritte um den heimischen Stall geeignet sind.

Als nicht weiter ernst zu nehmende Normreichweite werden bis zu 436 Kilometer genannt. Wir würden, bekanntlich je nach Jahreszeit schwankend, im Alltag 200 mit der kleinen und 300 Kilometer mit der großen Batterie auf der sicheren Seite verorten. Die auf Fernfahrt abrufbaren Ladeleistungen von 90 oder 105 kW sind unterer Durchschnitt. Ebenso die lauen Höchstgeschwindigkeiten von 150 respektive 160 km/h.
Im Herbst geht es los, von etwa 28.000 Euro an. Hübsch zubereitet wird es kaum Mühe bereiten, 35.000 Euro auszugeben. Das hat mit der Geburtsstunde von Käfer und Golf nichts zu tun. Der Erfolg wird sich trotzdem einstellen, wetten? Nun müsste das im spanischen Pamplona gebaute Gefährt nur noch ausreichend Marge abwerfen, um Arbeitsplätze zu sichern, auch in Deutschland. Das wäre echt crossartig.
