
Der Trend zur Künstlichen Intelligenz (KI) sorgt für viele Investitionen. Wie kann ein Anleger davon profitieren?
Wir denken bei KI immer an Technologieunternehmen, an OpenAI, Anthropic und andere Anbieter der Modelle. Die Wahrheit ist aber, dass KI viel mehr ist! Jensen Huang, der Vorstandsvorsitzende von Nvidia, spricht von einer dicken Torte: Ganz oben sind die Anwendungen, darunter die „Large Language Models“, danach Computerchips und Infrastruktur. Unten ist das Fundament, das ist die Energie, die nötig ist, um die Künstliche Intelligenz zu befeuern. KI ist nicht nur ein Chatbot, sondern ein Infrastrukturthema und ein Energiethema. Die KI-Blase wird platzen, wenn wir nicht in die Energieinfrastruktur investieren.
Die Rechenzentren haben einen unglaublichen Energiehunger. Wenn wir diesen Energiehunger nicht stillen, platzt die Blase. KI entwickelt sich exponentiell und verdoppelt sich mindestens jedes Jahr. Aber die Energieversorgung und Infrastruktur können nicht exponentiell wachsen. Wir müssen in die Energie investieren, sonst funktioniert KI langfristig nicht mehr.
Für mich bedeutet das eben nicht nur, in die großen Börsengänge von OpenAI oder Anthropic zu investieren und alle Chips auf eine Karte zu setzen. Es lässt sich breiter investieren, etwa in Energieeffizienz und andere Technologien. Eine Möglichkeit ist es, in die bekannte Infrastruktur von erneuerbaren Energien zu investieren, also Solarenergie, Windenergie oder Batterien. Spannender finde ich den Einsatz von teilweise neuer Technik wie Geothermie-Bereiche oder neuen Arten von Atomkraftwerken und Fusionsreaktoren, auch wenn das in Deutschland ein emotionales Thema ist. Gerade hatten wir den Börsengang von Fervo Energy, einem Geothermie-Unternehmen, in das wir bei Carbon Equity investiert haben. Da verstehen viele Investoren gerade, dass der KI-Hype mehr Energie braucht.
Was macht das Unternehmen?
Das sind ehemalige Öltypen, die nun die gleiche Technologie für grüne Energie nutzen. Sie bohren nicht vertikal, sondern seitwärts Löcher in die Erde, lassen Wasser durch das heiße Gestein laufen, das kommt als Wasserdampf wieder hoch und treibt dann eine Turbine an. Das funktioniert noch nicht alles, aber in zwei bis fünf Jahren soll die Technik am Markt sein. Schon jetzt haben sie Energielieferverträge mit Google und Meta.
Im Mai ist Fervo an die Börse gegangen, hat 1,9 Milliarden Dollar eingenommen und kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund acht Milliarden Dollar. Der Aktienkurs ist erst gestiegen, auf 40 Dollar Anfang Juni, aber danach auf 28 Dollar wieder gefallen. Wie riskant sind solche Investitionen?
Die kurzfristigen Schwankungen sind bei einem Aktienkurs gerade nach einem Börsengang nicht so relevant. Es geht um die langfristige Möglichkeit. Ich schaue mir dafür immer die großen Trends an: Wie sieht die Welt in fünf bis zehn Jahren aus? Wir sind in der Energiewende. Diese neue Art von Energie ist billiger. Geopolitisch wollen wir von anderen Ländern unabhängig sein. KI-Anbieter haben einen unglaublichen Energiebedarf. Daher ist es logisch, langfristig in die großen Trends zu investieren.
