Die traditionalistische Piusbruderschaft hat die Aussetzung und Aufhebung der vom Vatikan verhängten Strafen gefordert. Nach Bischofsweihen ohne Papsterlaubnis waren nicht nur alle an der Weihe Beteiligten, sondern alle Kleriker, die der Bruderschaft angehören, ausgeschlossen worden. Reuigen Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft ermöglichte der Vatikan unter bestimmten Bedingungen eine Rückkehr in die Kirche.
Nun gehen die Piusbrüder juristisch gegen die Exkommunikation vor: Sie hätten bei der vatikanischen Glaubensbehörde gegen das von ihr veröffentlichte Dekret Einspruch eingelegt, teilte die Bruderschaft mit. Laut Kirchenrecht ist dieser Einspruch Voraussetzung für eine spätere Beschwerde. Mit dem Einspruch wird zugleich eine Aussetzung des Vollzugs der Strafen beantragt.
»Mit diesem Rekurs macht die Bruderschaft von dem Recht Gebrauch, das
die Kirche jeder Person zuerkennt, die sich durch einen Verwaltungsakt
verletzt sieht, dessen Berichtigung zu beantragen, und zwar in einem
Geist des Respekts gegenüber der kirchlichen Autorität und in treuer
Verbundenheit bezüglich der Gerechtigkeit, der Wahrheit und dem Wohl der
Kirche«, schrieb die traditionalistische Glaubensgemeinschaft.
Vatikan bezeichnet Weihen als »schismatische Handlung«
Der Kirchenausschluss war verhängt worden, nachdem vier
Priester der Bruderschaft am 1. Juli im schweizerischen Écône zu
Bischöfen geweiht wurden. Der Vatikan hatte zuvor an die
Traditionalisten appelliert, die Weihen abzusagen. Am Tag nach den Weihen veröffentlichte die
vatikanische Glaubensbehörde das nun angefochtene Dekret, in dem sie die Weihen als »schismatische Handlung« bezeichnet, die laut Kirchenrecht die
automatische Exkommunikation nach sich zieht.
Zudem seien laut einer beigefügten Anmerkung alle Kleriker der Gemeinschaft als Schismatiker zu betrachten und
mithin aus der Kirche ausgeschlossen. Reuigen Mitgliedern der
Bruderschaft ermöglicht der Vatikan unter bestimmten Bedingungen eine
Rückkehr in die Kirche.
Die Piusbruderschaft ist eine ultrakonservative Gemeinde von Priestern, die 1970 von Erzbischof
Marcel Lefebvre gegründet wurde und keinen offiziellen Status in der
römisch-katholischen Kirche hat. Sie lehnt in ihren Grundsätzen die
Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Die Bischöfe wiesen
viele dieser Reformen als zu liberal zurück und
stehen seitdem im offenen Konflikt mit dem Vatikan. Nach eigenen Angaben
gehören der Piusbruderschaft weltweit rund 700 Priester an.
