Auf dem Markt der Finanzoptimierungsliteratur ist die Spannweite der Angebote sehr breit. Vom verheißungsvollen Rat, mit Krypto, Gold oder Devisen zum Reichtum zu gelangen, bis zu seriösen Warnungen vor allzu billigen Empfehlungen ist alles vorhanden. Das Buch eines deutschen Finanzprofessors, der konkrete Anlagetipps gibt und trotzdem treu zur Nobel-Gedächtnispreisriege von Markowitz bis Fama steht, ist allerdings ein Unikum.
Zum einen ist der Output deutscher Professoren zumeist abgehoben, zum anderen laufen Wissenschaftler Gefahr, sich in finanzpraktischen Details zu verrennen, wenn sie ein solches Wagnis eingehen. Insofern war es schon einmal ein gutes Zeichen, dass sich ausgerechnet Andreas Hackethal ein solches Buchprojekt vorgenommen hat. Denn der Wissenschaftler vom Frankfurter Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE widmet sich seit jeher empirisch gut belegbaren verhaltensökonomischen Untersuchungen, die nah am Markt und gleichzeitig akademisch anspruchsvoll sind.

Sein Buch „Dein Financial Lifestyle Code“ bemüht sich darum, so einfach wie ein guter Ratgeber herüberzukommen. Gleichzeitig verrät er die eigene wissenschaftliche Zunft nicht bei seinem Versuch, einfache und grundlegende Zusammenhänge der Geldanlage zu vermitteln. Damit bringt er eine hilfreiche Erdung hinein in ein Thema, das von allerlei Glücksrittern über die Jahre kontaminiert worden ist.
Geld als Werkzeug zu einem guten Leben
Hackethal duzt, wie es heute in Abhandlungen üblich ist, die eine Wirkung entfalten wollen. „Dieses Buch will dich ermutigen – nicht mit simplifizierenden Versprechen, wie man an der Börse schnell reich wird, sondern mit durchdachten Strategien für dauerhaft gesunde Finanzen“, formuliert er als Selbstanspruch. Geld betrachtet er nüchtern als ein „Werkzeug für ein schönes, gutes, vielleicht sogar glückliches Leben“.

Dieser Sound, der Finanzen nicht überhöht, zieht sich durch das Buch. Überall ist der Professor darum bemüht, die Individualität einer guten Geldanlage herauszustellen. Für ihn sollte es Anlegern darum gehen, sich klar zu werden über den eigenen Lebensstil und davon den finanziellen Bedarf abzuleiten. Wie gut beides aufeinanderpasse, hänge davon ab, welche Prinzipien jeder hinsichtlich Rendite, Zinseszins und Risiko habe.
Ausführlich beschreibt Hackethal mit durchaus überraschenden Erkenntnissen, wie sich über das gesamte Leben das zu erwartende Vermögen analysieren lässt. Durch Ansprüche aus Rente und (Betriebs-)Pensionen sind viel mehr Menschen Millionäre, als sie selbst wahrnehmen. In der zweiten Hälfte seines Buchs widmet er sich geeigneten Finanz-Sparringspartnern von der KI bis zum Onlinebroker. Zum Abschluss formuliert er Leitsätze für Anleger, um beim Investieren am Ball zu bleiben.
Leser lernen sieben Charaktere genauer kennen
Seine Ausführungen über den Lifestyle-Code sind anders als die übliche Finanz-Ratgeberliteratur. Geld wird nicht als Fetisch überhöht. Eine sehr gute Idee war es, durch das Buch sieben verschiedene Finanzprofile von Bekannten zu entfalten und an ihnen bestimmte Analysewerkzeuge zu erproben. Über den Verlauf des Buchs lernt man die achtsame Frida, den Genussmenschen Armin und ihre Mitstreiter immer besser kennen. Damit werden auch ihre finanziellen Nöte und Herausforderungen immer transparenter.
Keine auf jeden passende Strategie, die Hackethal seinen Lesern empfehlen könnte, sei zu finden. Vielmehr macht er eine ideale Finanzstrategie an der Persönlichkeitsstruktur fest. Menschen seien sehr unterschiedlich im Hinblick auf die fünf Dimensionen Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Umgänglichkeit und emotionale Stabilität. Mit Testfragen erlaubt er seinen Lesern, eine eigene Positionierung hinzubekommen. Daraus leiten sich die Bedarfe im Leben ab. Schließlich bestimmt der Unterschied zwischen finanziellem Ist und Soll die Notwendigkeit, am Kapitalmarkt aktiv zu werden. Den Spielraum, Rendite zu erzielen, bestimmt wiederum die Risikotoleranz.
„Es gibt keine richtige Zahl. Es gibt nur eine Zahl, die zu dir und deinem Kontostand passt“, trichtert der Finanzprofessor seinen Lesern ein. Im Abschnitt über Finanzprinzipien dürfte geübten Lesern manches selbstverständlich vorkommen. Er klärt über das Verhältnis von Risiko und Rendite auf. Er beschreibt die Überlegenheit eines globalen Marktportfolios, das die Kapitalströme auf der Welt (145 Billionen Dollar in Aktien, 100 Billionen in Anleihen, 15 in Edelmetallen, 6 in Beteiligungen und 3,4 in Kryptowährungen) abbildet. Er klärt über die Fallstricke von Immobilien auf. Und er zeigt, wie unnötig permanentes Traden an der Börse für Wohlstand ist.
En passant und wirklich nicht aufdringlich lässt er gut belegte empirische Erkenntnisse der zehn seit 1985 mit dem Gedächtnispreis ausgezeichneten Ökonomen einfließen, die sich mit Finanzmärkten beschäftigt haben. Sie zeigen, wie wichtig es ist, lebenslang Finanzplanung zu betreiben, wie Portfolios von Diversifikation profitieren und wie unwahrscheinlich es ist, durch Analyse vergangener Kurse Informationsvorsprünge zu erreichen. Sein Buch ist auf vorteilhafte Weise solide, unaufgeregt und konstruktiv. Mit dieser Haltung ist ihm ein gut funktionierender Ratgeber gelungen, der nicht für eine kurzfristige Finanzoptimierung gedacht ist. Eher als langfristiger Begleiter auf dem Weg dahin, dass Geld wirklich seine Rolle als Ermöglicher eines gewünschten Lebensstils ausüben kann.
Andreas Hackethal: Dein Financial Lifestyle Code – Stressfrei sparen, smart investieren und finanziell unabhängig leben. Campus Verlag, Frankfurt 2026, 264 Seiten, 25 Euro.
