
„Es war ein super harter Tag. Der Start der Tour war nicht so großartig für unser Team. Aber ich denke, wir sind wie immer ruhig geblieben, wir haben eine tolle Gruppe und glauben daran, dass wir es drehen können. (…) Es ist toll, dass wir mit einem Sieg in den Ruhetag gehen können“, sagte van der Poel.
Das Teilstück war wegen der hohen Temperaturen um rund 30 Kilometer verkürzt worden – ein Novum in der langen Geschichte der Rundfahrt. Für das Département Corrèze war die Hitze-Alarmstufe Rot ausgerufen worden. Es herrschten Temperaturen von fast 40 Grad.
Trotzdem entwickelte sich ein zu Beginn schnelles und dann spannendes Rennen. Eine achtköpfige Gruppe um van der Poel fand sich am Anstieg zum Suc au May. An der letzten Bergwertung rund 24 Kilometer vor dem Ziel ging der Niederländer in die Offensive. Pidcock hatte kurz Probleme mit seinem Rad, konnte aber wieder zu den anderen drei Führenden aufschließen.
Pogačar weiter in Gelb
Im Feld der Favoriten machten die Helfer vom Gesamtführenden Tadej Pogačar das Tempo und kontrollierten den Abstand. Später halfen auch die Mannschaften von Jonas Vingegaard und Egan Bernal, konnten die Gruppe aber nicht einholen. Nur wenige Meter fehlten am Ende.
Pogačar verteidigte sein Gelbes Trikot und den Vorsprung von 2:42 Minuten auf Vingegaard. Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz und sein Ko-Kapitän Remco Evenepoel kamen zeitgleich mit der Konkurrenz ins Ziel.
„Es war von Anfang an ein richtig hartes Rennen, ein super harter Tag. Ich freue mich, dass morgen der Ruhetag kommt“, sagte Lipowitz der ARD. Dass kein Helfer mehr dabei war, sei kein Problem gewesen: „Es war einfach ein super harter Tag. Da kann man keinem einen Vorwurf machen. Jeder ist super gefahren, das ganze Team hat schon die ganze Woche einen super Job gemacht. Wir haben uns vorne gut verstanden.“
Kritik von Engelhardt und Fahrer-Vereinigung wegen Hitze
Vor dem Start wurden Pogačar und sein Rivale Jonas Vingegaard mit Schirmen vor der sengenden Sonne geschützt. Viele Fahrer trugen Kühlwesten oder packten sich gleich Eis ins Trikot.
„Es ist eine harte Etappe“, erklärte Tour-Chef Christian Prudhomme am Vorabend. Seit Beginn der Tour am 4. Juli seien die Fahrer bei „hohen, sehr heißen Temperaturen“ unterwegs. Pogačar bedankte sich laut Prudhomme für den Schritt.
Auch der deutsche Tour-Routinier John Degenkolb lobte gegenüber der ARD die verkürzte Strecke: „Jede Minute, die man sich spart bei dieser brütenden Hitze, hier Höchstleistungen zu bringen, das ist angenehmer. Ist schon eine große Herausforderung bei den Temperaturen“, sagte Degenkolb der ARD.
Der neue deutsche Meister Felix Engelhardt hält weitere Änderungen für nötig: „Auf der anderen Seite: 13.30 Uhr Start ist jetzt nicht so hilfreich, da fährt man trotzdem in den heißesten Stunden des Tages. Da muss man sich langfristig noch eine andere Lösung überlegen.“
Ähnlich hatte sich am Sonntag die die Profifahrer-Vereinigung CPA geäußert. In einer Pressemitteilung drängte die CPA auf „Gespräche mit allen Beteiligten in diesem Winter, um vor der Saison 2027 eine Lösung zu finden“. Die Fahrer seien „weiterhin fest entschlossen, ein optimales Spektakel zu bieten, doch dies muss Hand in Hand gehen mit der Anpassung an die klimatischen Gegebenheiten, mit denen der Radsport heute konfrontiert ist“, hieß es in der Mitteilung der Gewerkschaft.
Am Montag gibt es für die Fahrer den ersten Ruhetag. Dann geht es im Zentralmassiv weiter. Am französischen Nationalfeiertag sind zwischen Aurillac und Le Lioran 3.800 Höhenmeter und zwei Bergwertungen der ersten Kategorie zu überwinden.
