Nach etwas kühleren Tagen wird es wieder heißer in Hessen. Schon heute könnte es laut Deutschem Wetterdienst im Süden des Bundeslandes 33 Grad warm werden, am Samstag sind 35 Grad in der Südhälfte möglich.
Wie gefährlich Hitze sein kann, zeigen Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach könnten bis Ende Juni in Hessen 600 Menschen hitzebedingt gestorben sein. Damit kämen im laufenden Jahr 9,5 hitzebedingte Tode auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Wo finden die Menschen Abkühlung und Hilfe, wenn die Temperaturen wieder steigen?
«Hitzeviewer Hessen» zeigt den Weg zu kühlen Orten
Ein Online-Angebot des Hessischen Landesamtes für Naturschutz (HLNUG) zeigt kühle Orte in den Kommunen. Im «Hitzeviewer Hessen» kann man sehen, welche Flächen sich besonders aufheizen und welche deutlich kühler bleiben. Das Tool basiert auf Satellitendaten. Zu sehen ist etwa, dass sich Parks, Wasserflächen oder Viertel mit viel Grün weniger schnell erhitzen als dicht bebaute Gebiete oder Gewerbezonen mit viel Versiegelung und dunklen Oberflächen.
«Der Hitzeviewer lädt dazu ein, die eigene Umgebung neu zu entdecken», sagt HLNUG-Präsident Thomas Schmid. «Er zeigt auf einfache Weise, welche Oberflächen sich an heißen Tagen unterschiedlich stark aufheizen.» Ursprünglich war das Tool entwickelt worden, um Kommunen bei der Planung von Maßnahmen gegen Hitze zu unterstützen. Aber auch Bürger können mit Hilfe des Online-Angebots kühle Orte finden.
Fragen Sie Ihre Krankenkasse
Hilfe finden gesetzlich Versicherte bei ihrer Krankenkasse. Bei der AOK etwa beantwortet unter der Telefonnummer 0800/1265265 ein Team aus Medizinern persönliche Fragen der Versicherten zum Thema Hitze. Außerdem informiert Hessens größte Krankenkasse auf ihrer Internetseite und an Hitzetagen über die sozialen Medien über die unterschätzten Gesundheitsgefahren. Vulnerable Gruppen wie chronisch Kranke versucht die Kasse gezielt zu erreichen, um Tipps zum Verhalten bei anhaltenden Hitzewellen zu geben.
Der häufigste Irrtum beim Thema Hitze ist laut AOK-Arzt Christoph Stein der Satz «Mir macht Hitze nichts aus»: Gerade gefährdete Menschen merkten oft zu spät, dass der Körper bereits überfordert ist. «Hitze ist keine reine Komfortfrage, sondern kann medizinisch relevant werden – insbesondere nachts, bei Flüssigkeitsmangel und über mehrere Tage hinweg», sagt der Arzt. Warnsignale, die auf Überhitzung oder Dehydration hindeuten, seien ungewöhnliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelkrämpfe, ein trockener Mund, dunkler Urin. «Viele Menschen denken erst bei Kreislaufkollaps oder Hitzschlag an Gefahr. Dann ist es aber schon sehr kritisch.»
Beratung für registrierte Teilnehmer am Hitzetelefon
Um besonders ältere, chronisch Erkrankte oder Menschen mit Pflegebedarf zu unterstützen, richten auch Kommunen in Hessen vor oder während Hitzewellen eigene Hitzetelefone ein – so etwa der Main-Kinzig-Kreis: Im Falle einer offiziellen Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes nehmen die Mitarbeitenden Kontakt zu den registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf, geben Hinweise und Empfehlungen zum Schutz vor hohen Temperaturen und zur Bewältigung des Alltags an heißen Tagen.
Falls bei den Angerufenen gesundheitliche Probleme erkennbar sind, können nach Rücksprache auch Angehörige oder die behandelnde Hausarztpraxis informiert werden. Eine individuelle medizinische Beratung hingegen könne im Rahmen des Angebots nicht erfolgen, hatte der Main-Kinzig-Kreis erklärt. Ein ähnliches Angebot hatte Ende Juni während der jüngsten Hitzewelle auch die Stadt Offenbach ins Leben gerufen – dort beraten vier ehrenamtliche Seniorenräte die registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Zu heiß in der Wiesbadener City? Raum 22 bietet Abkühlung
An Tagen mit erwarteten Temperaturen von mindestens 30 Grad stellt die Stadt Wiesbaden im Rathaus den Raum 22 für alle zur Verfügung: Dort ist es klimatisiert, es gibt Sitzgelegenheiten und Trinkwasser. Die Öffnungszeiten sind den Angaben zufolge montags bis freitags von 8.00 bis 18.00 Uhr sowie samstags von 9.00 bis 15.00 Uhr. Bei Bedarf werden diese Zeiten angepasst.
Unter der Hitze-Telefon-Nummer 0611/319090 beantworten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes Fragen rund um das Thema Hitze, montags bis freitags zwischen 8.00 und 16.00 Uhr. Außerdem will die Stadt einen Flyer mit Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze per Post an die Wiesbadener Haushalte senden.
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) richtet einen Appell an alle: «Achten Sie auf sich und aufeinander. Schauen Sie nach Ihren Nachbarinnen und Nachbarn, Freunden und Angehörigen.» Gerade an heißen Tagen komme es darauf an, regelmäßig nachzufragen und in Kontakt zu bleiben.
Hitzebus in Frankfurt für obdachlose Menschen
An heißen Tagen verstärkt die Stadt Frankfurt die Versorgung obdachloser Menschen. Dann fahren Teams mit Lastenrädern durch die Stadt und verteilen Wasser, T-Shirts, Kappen, Schirme und Sonnencreme. Zudem gibt es als Pendant zum Kältebus, der im Winter unterwegs ist, auch einen Hitzebus, der in den Abendstunden und nachts unterwegs ist.
«Der Hitzebus ist telefonisch unter der Nummer 069/431414 zu erreichen. Im Notfall sollte die 112 gewählt werden», heißt es bei der Stadt. Die Mitarbeitenden könnten die obdachlos lebende Menschen versorgen, sie zu kühlen Orten in Frankfurt bringen oder Notmaßnahmen einleiten.
Trinkwasser und kühle Orte in Kassel
Die Stadt Kassel will Wege zu Trinkbrunnen, Nachfüllstationen und kühlen Orten im Stadtgebiet mit digitalen Karten erleichtern. «Diese helfen Bürgerinnen und Bürgern dabei, Trinkwasser zu erhalten oder Trinkflaschen aufzufüllen und schattige oder klimatisierte Aufenthaltsorte in Kassel zu finden», heißt es dazu bei der Stadt.
Die Trinkbrunnen sind verteilt im Stadtgebiet aufgestellt. Sie sind barrierefrei und bieten frisches und sauberes Trinkwasser – kostenlos und auf Knopfdruck. Zu den kühlen Orten zählen etwa Bibliotheken, Kinos, Kirchen, Museen und Einkaufszentren.
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