Die unzähligen kleinen roten Chilischoten, in denen der Wolfsbarsch schwimmt, bereiten das Auge darauf vor, was gleich im Mund passiert. Die Soße ist scharf. So scharf, dass es auf der Zunge ordentlich prickelt. Allerdings nicht sofort, die Wirkung setzt mit leichter Verzögerung ein. Doch der Fisch ist dabei zart und mild, er schmilzt förmlich im Mund und erzeugt einen guten Kontrapunkt zum feurigen Sud.
Das Gericht mit dem Namen Zickzack-Fisch (25 Euro) überzeugt auf ganzer Linie. Und es ist nicht nur eines der besten auf der Karte des Restaurants „Nanmei Eintopf“, sondern auch ein ganz typisches für die Sichuan-Küche. Wer diese südwestchinesische Kulinarik kennenlernen will, der ist in dem schlichten Lokal ganz am Anfang der Frankfurter Zeil richtig. Dort ist es immer voll, die Karte ist auf Chinesisch gehalten, hat aber kleine deutsche Übersetzungen – und alles duftet nach Sichuan-Pfeffer, Chili und frischem Reis.

Die Betreiber des „Nanmei Eintopf“ begreifen ihr Lokal als Vertreter der „Salzarbeiter-Küche“ aus Zigong, einer chinesischen Stadt, die berühmt für die Salzgewinnung ist. Typisch für diese Gegend sind dampfende Gerichte in einem Tontopf, dem „Nanmei“. In diesen Schüsseln kommen geschmortes Rindfleisch, Hühnchen, Tofu oder Fisch auf den Tisch, kräftig und intensiv mit viel Chili gewürzt und lange gekocht, wodurch die Soßen dick und aromatisch werden. Außer diesen Traditionsspeisen stehen auf der Karte des „Nanmei“ aber auch Tellergerichte wie Lammrippchen (28,80 Euro) und verschiedene Nudelsuppen (9,90 bis 15 Euro).
Die Gäste tun gut daran, ein paar milde Beilagen zu bestellen. Besonders eignen sich dafür die Dumplings, kleine mit Fleisch gefüllte Teigtäschchen, die man hervorragend in die Soße des Zickzack-Fischs tunken kann. Die Füllung selbst ist würzig und herzhaft, aber nicht scharf. Und auch der Gurkensalat, der mit viel Knoblauch, aber ohne Chili auf den Tisch kommt, eignet sich sehr gut zum Ablöschen.
Scharf, aber trotzdem vielfältig
Alle Gerichte im „Nanmei“ eignen sich zum Teilen, sodass alle am Tisch alles probieren können. Die Teller kommen – wie in China üblich – ohnehin dann aus der Küche, wenn sie fertig sind, es wird nicht in Gängen serviert. Der Service ist freundlich und flott, Verständnisprobleme gibt es keine. Die Gerichte werden ansprechend präsentiert – der Zickzack-Fisch zum Beispiel ist kunstvoll aufgeschnitten –, aber insgesamt kommt im „Nanmei“ alles eher schlicht daher: einfache Teller, keine Show, hier geht es nur um den Geschmack. Und so mutet auch das Lokal selbst an: Es ist nicht ungemütlich, aber funktional.

Auch wenn viele Speisen eher am oberen Ende der für die meisten Europäer erträglichen Schärfeskala liegen: Das Essen ist insgesamt sehr vielfältig. So haben die Schweinerippchen nach Sichuan-Art (18,80 Euro) eine angenehm warme Chilischärfe, die mit Sternanis, Sesam und Ingwer abgeschmeckt ist und gut zu den dazu servierten Kartoffelspalten passt. Und das Fleisch ist so zart, dass die Knochen förmlich herausfallen.
Der Tofu mit den Hundertjährigen Eiern (8,80 Euro) wirkt geradezu kühlend und passt sehr gut zur betäubend-pricklenden Schärfe von Sichuan-Pfeffer in der Marinade. Die konservierten Eier sind ein besonderes Erlebnis: Das Eigelb ist praktisch schwarz und cremig, das Eiweiß geleeartig und bernsteinfarben. Diese Optik entsteht durch die Art der Zubereitung: Traditionell werden die Eier dafür in eine alkalische Mischung aus etwa Lehm, Asche und Kalk gelegt, inzwischen nutzt man jedoch meist eine Lösung. Die Eier sind dann am Ende sehr würzig, etwas ungewohnt im Geschmack, aber in Kombination mit dem weichen, kalten Seidentofu doch überzeugend.
Wer richtig mutig ist, findet auf der Karte auch Spezialitäten, die es anderswo kaum gibt: Schweineohren in scharfer Soße, knusprige Schweine-Aorta, gebratene Schweinefüße mit zweierlei Chili, Rindermagen nach Sichuan-Art (20,80 Euro). Auch Gemüseliebhaber kommen auf ihre Kosten, etwa mit den gebratenen knusprigen Bohnen, den knackigen Schwarzholzpilzen oder der Lotuswurzel mit Klebreis. Die Portionen sind nicht zu knapp bemessen: Mit zwei Hauptgerichten und drei Beilagen werden zwei Gäste mehr als satt. Und glücklich – denn die für den europäischen Gaumen ungewohnten Kombinationen und exotischen Aromen sind auch im multikulturellen Frankfurt etwas Besonderes.
