
Zu der Anfang Juni am Frankfurter Flughafen abgesackten Boeing 787-9 liegt ein erster Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) vor.
Dieser nennt zwar noch keine abschließende Unfallursache. Die Bundesstelle hebt zudem hervor, dass die Untersuchung allein künftige Unfälle verhindern solle und keine Schuld oder Haftung zuweise. Der Bericht enthält aber eine Feststellung: Der Verriegelungsstift, der das Einfahren des Bugfahrwerks verhindern soll, war nicht eingesetzt. Die Ermittler fanden ihn nach dem Unfall in einer Aufbewahrungskiste im Technikabteil des Flugzeugs unterhalb des Cockpits.
Das Flugzeug war erst wenige Stunden zuvor aus Austin in Frankfurt gelandet und sollte am frühen Nachmittag als Lufthansa-Flug LH450 weiter nach Los Angeles starten. Doch während der Vorbereitung am Flugsteig A15 des Terminals 1 fuhr unerwartet das Bugfahrwerk ein. Der vordere Teil des Dreamliners sackte ab, die Rumpfnase und beide Triebwerksverkleidungen schlugen auf dem Boden auf. Dabei wurden zudem deutlich mehr Menschen verletzt als zunächst bekannt: Zwei Personen erlitten schwere, 21 leichte Verletzungen. Kurz nach dem Vorfall war von fünf Verletzten die Rede gewesen.
Fahrwerkshebel bei Test umgestellt
Passagiere waren zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht an Bord, insgesamt allerdings 28 Personen: 13 Mitglieder der Besatzung sowie 13 Beschäftigte der Bodenabfertigung und zwei Techniker im Cockpit. Weitere sechs Personen waren außerhalb der Maschine unmittelbar mit der Abfertigung befasst.
Der verantwortliche Luftfahrzeugführer berichtete den Ermittlern laut dem Zwischenbericht, dass die Crew über eine mobile Treppe an der hinteren linken Tür an Bord gegangen war. Die Reinigung und der Sicherheitscheck im vorderen Bereich seien bereits abgeschlossen gewesen, weshalb sich ein großer Teil der Anwesenden im hinteren Teil des Flugzeugs aufhielt. Im Cockpit traf der Kapitän gemeinsam mit dem Ersten Flugoffizier auf zwei Techniker, die einen Test durchführten, mit dem eine „offene Beanstandung“ an der Steuerung der Hauptfahrwerkstüren zurückgestellt werden sollte.
Im Verlauf des Tests sei der Fahrwerkshebel auf Stellung „UP“ gestellt worden. Unmittelbar danach fuhr das Bugfahrwerk ein, und das Flugzeug schlug mit dem vorderen Rumpf auf den Boden auf.
Der Kapitän begab sich anschließend aus dem Cockpit in die Kabine, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Feuerwehr und Rettungsdienste wurden alarmiert. Nach etwa 15 Minuten erreichten Rettungskräfte das Flugzeug. Alle 27 zu diesem Zeitpunkt noch an Bord befindlichen Personen wurden aus der Maschine gebracht. Außerhalb des Flugzeugs sollen laut dem Luftfahrzeugführer drei weitere Personen der Bodenabfertigung verletzt worden sein. Zwei Personen der Flugbesatzung und vier weitere Personen seien in Krankenhäuser gebracht worden.
Wartungsverfahren wird für die weiteren Ermittlungen zentral sein
Auch am Flugzeug entstand schwerer Schaden. Betroffen waren nach Angaben der Ermittler Teile des Rumpfes und der Bugfahrwerkskasten. Hinweise auf ein Feuer fanden die Ermittler nicht.
Die Bergung erfolgte durch die Lufthansa gemeinsam mit der Flughafenfeuerwehr. Nachdem die Stromversorgung wiederhergestellt war, wurden rund 60 Tonnen Kraftstoff aus der Maschine gepumpt. Anschließend wurde die Rumpfnase mit Luftkissen angehoben. In einer Höhe von etwa zwei Metern klappte das Bugfahrwerk selbständig wieder aus. Erst nach Sicherung mit dem Verriegelungsstift wurde der Dreamliner für weitere Untersuchungen in einen Hangar gebracht.
Das im Zwischenbericht wiedergegebene Wartungsverfahren wird für die weiteren Ermittlungen wohl zentral sein. Im Diagnosehandbuch („Fault Isolation Manual“) wurde demnach vor dem Betätigen des Fahrwerkshebels darauf hingewiesen, dass die Verriegelungsstifte für das Fahrwerk eingesetzt sein müssen, sofern sie nicht bereits installiert sind. Zudem verwies das Verfahren auf das Aircraft Maintenance Manual, in dem das Einsetzen des Stiftes am Bugfahrwerk beschrieben und illustriert sein soll.
Die Boeing 787-9 war erst 2025 gebaut und im Januar 2026 erstmals für den gewerblichen Verkehr zugelassen worden. Sie hatte zum Zeitpunkt des Unfalls erst 1093 Betriebsstunden und 147 Landungen hinter sich. Die abschließende Bewertung bleibt laut der Bundesstelle dem späteren Abschlussbericht vorbehalten.
