Der US-Demokrat Graham Platner will seine Kandidatur für einen Sitz im Senat nach Vorwürfen der Vergewaltigung und aggressiver Übergriffe gegen Partnerinnen zurückziehen. Das teilte er in einem Video auf der Plattform X mit. Platner hatte die Vorwahl im Bundestaat Maine Anfang Juni deutlich gewonnen und galt als Schlüsselkandidat der Demokraten für die Zwischenwahlen im November.
In einem elfminütigen Video sagte Platner, das Verfahren, ihn zu ersetzen, müsse »offen, transparent und demokratisch sein und den Willen seiner Unterstützer widerspiegeln«. Sein Rückzug sei kein Schuldeingeständnis, sagte Platner. »In den letzten Tagen wurden mir einige sehr schwerwiegende Vorwürfe gemacht, und ich möchte nur klarstellen, dass all das falsch ist«.
Bereits sein Wahlkampf für die Vorwahl war von Vorwürfen früherer Partnerinnen überschattet worden. In den vergangenen Tagen kamen neue, schwerere Anschuldigungen hinzu. So sagte eine frühere Bekanntschaft dem Portal Politico, Platner habe sich vor rund fünf Jahren Zugang zu ihrem Haus verschafft und sie vergewaltigt zu haben.
Platner sollte am Montag offiziell Kandidat werden
Planter wies die Vorwürfe bereits vor einigen Tagen zurück, kündigte jedoch an, den weiteren Kurs abzuwägen. Jedoch wandten sich große Teile seiner Partei gegen ihn. Der Druck wurde besonders groß, weil Platner am Montag offizieller Kandidat werden sollte.
Bei den Zwischenwahlen am 3. November wird rund ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt. Wegen der aktuell knappen Mehrheit der Republikaner in beiden Parlamentskammern könnte jedes einzelne Mandat darüber entscheiden, wer am Ende die Mehrheit im Kongress hat – und ob die Demokraten zentrale politische Vorhaben von Präsident Donald Trump künftig verhindern können. Eines der entscheidenden Rennen erwartet die Demokraten in Maine.
Platner war bereits zuvor wegen anstößiger Internetbeiträge und einer Tätowierung, die einem Nazisymbol ähnelte, in die Kritik geraten – auch wegen seines Umgangs mit Frauen. Mehrere Ex-Partnerinnen warfen ihm laut New York Times einschüchterndes und verstörendes Verhalten vor. Eine ehemalige Lebensgefährtin sprach auch von einer körperlichen Auseinandersetzung.
Der Armee-Veteran Platner gab zu, seit seinen Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und Alkoholmissbrauch zu kämpfen zu haben. Er wies Vorwürfe der Einschüchterung oder körperlichen Übergriffe jedoch stets zurück.
