
Am Eiscafé Venezia im Frankfurter Stadtteil Heddernheim hängt ein Aufkleber an der Tür: „Nette Toilette. Hier finden Sie eine kostenlose Toilette. Eine Aktion der Stadt Frankfurt.“ Wer hier fragt, darf unentgeltlich die Kundentoilette benutzen, ganz egal, ob er Gast ist oder nicht. Der Mann hinter dem Tresen sagt: „Die Kunden finden es toll. Papier, Seife, alles ist da.“
Durch die Zusammenarbeit mit Gastronomen, Kioskbetreibern und Einzelhändlern will die Stadt Frankfurt die Anzahl der öffentlich nutzbaren Toiletten erhöhen. Sie zahlt den Betrieben einen finanziellen Beitrag in Höhe von 120 bis 200 Euro, je nach Größe und Ausstattung. Im Gegenzug stellen die Händler und Restaurantbetreiber ihre Kundentoiletten entgeltfrei zur Verfügung.
35 Partner machen bisher mit. Zum Beispiel fünf Filialen von „Bäcker Eifler“ an der Berger Straße. Seit einem Monat hängen dort die Aufkleber an der Scheibe. „Es läuft gut. Bisher gibt es keine Beschwerden“, sagt eine Verkäuferin. Aus der Unternehmenszentrale heißt es, dass sich die Bäckereikette seit August 2025 an der Aktion beteiligt. „Der Zuspruch ist gut.“
Frankfurt nutzt eine App des Lizenzgebers nicht
Aber auch ein Rewe-Markt in Rödelheim, Restaurants im Westend und im Bahnhofsviertel, Wasserhäuschen im Gallus und Kioske in Sachsenhausen beteiligen sich. Die vollständige Liste ist etwas umständlich zu finden: Wer auf der städtischen Internetseite „Geoportal Frankfurt“ nach Toiletten sucht, wird fündig. Andernfalls müssen die Passanten zufällig darauf stoßen.
Dabei gäbe es sogar eine spezielle App dafür. Das Konzept „Nette Toilette“ stammt von dem Unternehmen Wahl-Druck aus Aalen, das die Aufkleber zur Verfügung stellt und auch eine App betreibt, über die die Standorte zu finden sind. Die Idee hinter der „netten Toilette“: Die teilnehmenden Betriebe werden von den Kommunen finanziell bei der Pflege unterstützt. Das ist deutlich günstiger, als öffentliche Toilettenanlagen zu bauen und zu pflegen. Teilnehmende Betriebe stellen ihre Toiletten zur Verfügung und gewinnen nebenbei auch Gäste oder Neukunden. Und die Bürger erhalten ein flächendeckendes Netz an kostenlosen, frei zugänglichen Toiletten, die sauber und gepflegt sind.
Inzwischen beteiligen sich mehr als 400 Städte und Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz an dem Netzwerk. Auch Frankfurt sei dem Netzwerk beigetreten, habe seine Standorte allerdings noch nicht in der App eingepflegt, sagt eine Sprecherin von Wahl-Druck. „Wir sind nur der Lizenzgeber“, sagt sie.
Aktion läuft in Frankfurt seit einem Jahr
Die Stadt Frankfurt nennt in einer Pressemitteilung als Urheber des Konzepts „nette Toilette“ das Amt für Bau und Immobilien (ABI) und erwähnt das Netzwerk dahinter sowie die App nicht. Rund ein Jahr nach der Einführung des Konzepts ist die Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) zufrieden mit dem Erreichten: „Es freut mich, dass sich so viele Gastronomen am Konzept beteiligen“, sagt sie.
Das ABI bearbeite laufend neue Anfragen und werbe aktiv für das Programm in Gastronomie und Handel. Interessierte Betriebe können sich per E-Mail an nettetoilette.amt25@stadt-frankfurt.de wenden. Webers Sprecherin ergänzt, dass die Rückmeldungen durch die Gastronomen überwiegend positiv seien. Der durch die Teilnahme erhoffte Kundenanstieg habe sich jedoch nicht überall eingestellt.
Wer in Frankfurt eine öffentliche Toilette sucht, hat aber nicht nur deshalb inzwischen eine größere Auswahl als noch vor einigen Jahren. Laut Baudezernentin Weber setzt die Stadt das von den Stadtverordneten beschlossene Konzept zur Entwicklung der öffentlichen Toiletten zügig um, mit neuen Anlagen, sanierten Toiletten und eben einem wachsenden Netzwerk kooperierender Gastronomiebetriebe.
Schwierige Lage im Bahnhofsviertel
Weber hebt besonders die Aufstellung von acht neuen Komposttoiletten hervor. Die umweltschonenden Anlagen kommen ohne Kanalanschluss aus und stehen im Günthersburgpark, im Sinaipark, am Seehofspielplatz, im Peterskirchhof, in der Rose-Schlösinger-Anlage, am Affentorplatz sowie am Mainufer Schaumainkai und an der Wörthspitze. Weil die Anlagen stark genutzt würden, habe die Stadt die Reinigung und Instandhaltung ausgeweitet. Neben dem Darmstädter Unternehmen EAD sei inzwischen auch Nowato aus Frankfurt in das Projekt eingebunden.
Insgesamt wurden dem Dezernat zufolge seit Beschluss des Toilettenkonzepts 13 neue Anlagen installiert und zwei saniert. „Das ist wichtig für die Sauberkeit und Attraktivität unserer Stadt”, sagt Weber. Außer der Toilette im Südbahnhof sei auch die Anlage am Main Nizza umfassend saniert worden und nach einer Sperrung mittlerweile wieder geöffnet.
Damit die öffentlichen Toiletten im Bahnhofsviertel rücksichtsvoller genutzt werden, seien die Anlagen in der Elbestraße, der Moselstraße und der Kaiserstraße künstlerisch gestaltet worden. Das Urinal in der Moselstraße habe darüber hinaus eine sogenannte Schamwand sowie eine Wasserspülung erhalten.
„Dem nicht so guten Zustand des Pissoirs konnten wir durch einen Sichtschutz sowie eine Wasserspülung gegen die Geruchsbildung entgegenwirken“, erläutert eine Sprecherin des Baudezernats. Insgesamt sei es bei den öffentlichen WC-Anlagen im Bahnhofsviertel gelungen, durch die optische Aufwertung und die regelmäßigen Reinigungsintervalle durch die FES eine spürbare Verbesserung zu erreichen, trotz des schwierigen Standorts.
