Auf Gemälden entdeckt man oft Unerwartetes – auch oder gerade dann, wenn sie bereits 400 Jahre alt sind. Auf der Allegorie der Luft, einem von vier Gemälden, die die Elemente darstellten, hat Jan Brueghel der Ältere mit mehr als 60 Arten nicht nur einem ganzen Zoo der Vögel zu einem Auftritt verholfen, sondern auch mythischen Wesen: Die Papageien, Pfauen, Paradiesvögel und sogar ein flugunfähiger Strauß gruppieren sich neben Engelchen und dem Gott Helios, der seinen Sonnenwagen von feurigen Pferden über den Himmel ziehen lässt.
Der Maler hat auch, recht klein und von einer Wolke vor dem Sonnengott verborgen, drei Fledermausarten in den Himmel gemalt. Eine der Fledermäuse trägt einen Vogel im Maul, den sie offenbar kurz zuvor gefangen hat. Bis vor wenigen Jahren hätte man hierin vielleicht einen Verweis auf die Hölle gesehen, Fledermäuse galten im Übergang von Renaissance zu Barock für das Unheil, den Tod und die Finsternis. Und da Fledermäuse bekanntlich nachts jagen, sind sie bis heute ein Symbol für alles, was die Tugend, die Helligkeit scheut.

Dennoch hat Brueghel auf seinem Bild mehr Licht in diese düstere Welt gebracht, als ihm selbst vielleicht klar war. Denn neue Forschung zeigt, dass Fledermäuse nicht nur Mücken, Käfer oder Nachtfalter fressen – sondern auch Frösche, Fische und sogar Vögel.
Riesenabendsegler, Nyctalus lasiopterus, greifen sich offenbar während der Vogelzugsaison immer mal wieder kleine Vögel aus der Luft. Das schaffen sie, weil sie wendig sind und dank ihrer Größe (der Körper passt gerade auf einen Handteller, die Spannweite der Flügel kann 40 Zentimeter betragen) auch relativ schwere Beute tragen können. Erste Hinweise darauf lieferten von 20 Jahren Kotproben, in denen man Federn fand.
Mittlerweile ist bestätigt, dass Vögel den Speiseplan der Fledermäuse aufwerten, vor allem zu Zeiten des Vogelzugs. Warum das Brueghel-Bild für Forscher besonders interessant ist: Offenbar war bereits im 17. Jahrhundert klar, dass Fledermäuse Vögel fressen. Das Verhalten, das die Wissenschaft erst jetzt enttarnt hat, gab es also schon immer und ist, anders als viele andere kuriose Ernährungsarten, keine Anpassung an irgendwelche Umweltveränderungen.
