Jörg Hammer? Wer ist Jörg Hammer? Ein Mann, 61 Jahre alt, dem man seine gute Laune abnimmt, weil sie nicht gespielt wirkt. Ein bodenständiger, humorvoller Frankfurter, unterhaltsam, selbstironisch – und in der Region eine Institution. Als „Roy“ Hammer – Frontmann, Sänger und Gründer von Roy Hammer & die Pralinées, ist er seit drei Jahrzehnten eine feste Größe auf den Bühnen im Rhein-Main-Gebiet.
Hammer ist das jüngste von fünf Geschwistern. Seinen Vater verlor er kurz nach der Geburt bei einem Autounfall, seine Mutter starb ein Jahr später an einem Herzschlag. Es war die Großmutter, die die fünf Kinder allein großzog und dem Jungen sein Wunschinstrument – eine Trommel – kaufte.
Mit zwölf Jahren begann er, mit Schulkameraden aus der Nordweststadt Musik zu machen. Die erste Band spielte Beatles-Songs, weil vier Jungs im Jahr 1977 eben Beatles-Fans waren, auch wenn das damals eigentlich schon „total out“ war. „Meine Alterskameraden hörten Kiss oder AC/DC“, erzählt Hammer. „Aber ich war totaler Beatles-Fan und fand Ringo Starr klasse.“
„Lass uns was mit Schlager machen“
Zum Singen kam Hammer eher zufällig: Der ältere Sänger einer Country-Band, mit der er tingelte, trank gern, und irgendwann im Verlauf des Abends wurde es schwierig mit ihm. Dann musste Jörg einspringen. „Learning by doing“ – und plötzlich stand er vorne. Dass er ein Talent fürs Entertainen hatte, fiel ihm und anderen schnell auf.

1996 – nach Jahren in verschiedenen Formationen – kamen Frankfurter Musikerfreunde auf die zündende Idee: Lass uns doch mal was mit Schlager machen, nur für einen Auftritt, zum Spaß. Ein Name wurde gesucht. „Roy Hammer“ klang nach Schlagerstars der alten Schule – eine bewusst ironische Verbeugung vor Roy Black und dem ganzen Schmelz der sechziger Jahre. Gleich der erste Auftritt im September 1996 im Frankfurter Sinkkasten war ausverkauft.
Aus einem geplanten Einzel-Event wurde eine Bandgeschichte, die mittlerweile 30 Jahre umspannt. Es folgten Fernsehauftritte, Singleveröffentlichungen, Live-Alben vor Tausenden von Zuschauern. Das Motto der Band: „Auf-den-Bänken-steh-Mitsing-Kult-Party“ für alle von acht bis 88.
Das Konzept ist so einfach wie wirkungsvoll: Schlager der sechziger bis achtziger Jahre, Neue Deutsche Welle, ein bisschen Rock ’n’ Roll – und ein Frontmann, der weiß, wie er eine Menge mitnimmt. „Ich sehe mich nicht unbedingt als Sänger. Ich bin ein Entertainer, der auch singt“, sagt Jörg Hammer, und das ist keine falsche Bescheidenheit, sondern echtes Selbstverständnis. In drei Jahrzehnten hat er es fast immer geschafft, selbst zurückhaltende Publikumsrunden zum Mitmachen zu bewegen. „Das ist für mich eine Herausforderung – und wenn es klappt, macht es Riesenspaß.“
Frankfurt hat Hammer nie verlassen, und er könnte es sich auch nicht vorstellen. Die Stadt ist nicht nur Kulisse seines Lebens, sie ist Teil seiner Identität. Beim Hessischen Rundfunk arbeitet er seit 1991 als Orchesterwart der hr-Bigband – ein Job, der ihn durch ganz Europa führt und der ebenfalls mit Musik zu tun hat, wenn auch auf anderem Parkett. Im nächsten Jahr geht der dreifache Großvater Jörg Hammer in Rente, aber als Roy will er weiter für Stimmung sorgen.
Im Urlaub zieht es den Einundsechzigjährigen mit seiner Frau nach Kreta oder auf die Kanarischen Inseln. Entspannung bedeutet für ihn aber auch: mal keine Musik. „Im Auto höre ich nur Nachrichten. Ich bin froh, wenn es mal ruhiger ist.“
