Du aber, Gari Paubandt, bist schrecklich, es fürchten dich die Götter. Wenn du beginnst, im ZDF zu sprechen, bluten selbst ihre Ohren. Nicht nur ist deine Rede unermüdlich und malst du als unser Auge in Worten alles nach, was alle sehen. Beim Ball im Toraus „es gibt zumindest die Ecke“, bei einer Hereingabe „nächste Hereingabe“, bei der zweiten Verlagerung „immer wieder diese Verlagerungen“.

Mehr also bist du, dem das Immer schon beim zweiten Mal beginnt, als nur das Echo des Geschehens. Nein, gäbe es im ZDF ein Schweinderl, in das drei Euro einzuzahlen hätte, wer eine Phrase drischt, nach jedem Spiel müsstest du, Vollmundiger, deine Bank anrufen. Denn deine Rede ist voller Schmuck. Ein schneller Stürmer hat bei dir „flinke Beine“. Läuft er mit ihnen los, und es stellt sich ihm niemand entgegen, hat er „viel Wiese vor sich … ach, doch nicht mehr“, denn so viel Wiese war es gar nicht. Du sagst nicht „der Schiedsrichter lässt das Spiel laufen“, du sagst „selten wurde eine Pfeife seltener benutzt“. Selten seltener, das ist schon fast am seltensten. Ein guter Spieler ist für dich, Poet, „einer, der durchaus zu gefallen weiß“. Was liegt nicht alles in solchem Durchaus! Bei dir, jedwedes Ding Ausschmückendem, findet ein Wechsel nicht einfach statt, vielmehr wird Algerien gleich „einen Wechsel vollführen“.
Das alles ist, fürwahr, schrecklich. Hauptsache aber, wir hören dich, Gari Paubandt, und deine Selbstgespräche. Kriegt einer einen Ball nicht mehr, sagst du gleich „kriegt er nicht mehr“. Jagt er den Ball in Ränge, unterrichtest du uns „trifft er nicht sauber“. Setzt sich einer im Zweikampf durch, meinst du „top durchgesetzt“. Läuft einer einem anderen ins Kreuz, findest du, Herr der scherzhaften Metapher, „Rodriguez hat sich als Rucksack versucht“. Der Ball ist für dich gern „das Spielgerät“. Merkwürdig darum dein Satz: „Wenn der Ball sauber getroffen wird, dann kann’s hier direkt klingeln.“ Wurde denn nicht „das Spielgerät“ unsauber getroffen?
Die Algerier sind für dich „die Wüstenfüchse“.
Manchmal schmückst du mit nur einem kleinen, aber ebenso unnützen Wort. Zeigt die Kamera Gianni Infantino, erklärst du nicht nur allen, die ihn nicht kennen, also niemandem, dass die Kamera gerade Gianni Infantino zeigt. Du präzisierst und hebst zugleich den Ton: „der FIFA-Präsident links zugegen“. Zeigt die Kamera ihn kurz darauf noch einmal zugegen, entfährt es dir: „noch einmal Gianni Infantino“. Stimmt ganz genau.
So fließt die Rede aus deinem Mund, erlaube uns ein altes Bild, „wie Limonade aus dem Schlund des Raben“ (Walter Benjamin). Und da es frühmorgens war und wir müde und nur halb zugegen, waren wir kaum gebannt durchs Spiel, um wie viel mehr hingegen abgelenkt durchaus durch deine Rede, Gari Paubandt.
In der WM-Kolumne „Freistoß“ beleuchten wir die Welt des Fußballs aus feuilletonistischer Sicht.
