Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hat die Reaktion ihrer Regierung auf die schweren Erdbeben der vergangenen Woche weiter verteidigt. Sie sprach sich gegen den Vorwurf aus, dass die Behörden zu langsam gehandelt hätten. »Wir haben nicht einen, zwei oder drei Tage gewartet. Wir haben sofort
gehandelt«, sagte Rodríguez in Caracas.
Zudem widersprach sie Spekulationen darüber, dass es eine deutlich höhere Opferzahl gebe und bestritt, dass mangelhafte staatliche Sozialwohnungen das Ausmaß der Katastrophe verschärft hätten. Stattdessen wirft sie den Medien die Verbreitung von Falschinformationen vor und beschuldigte sie, die Katastrophe zu politisieren. »Eine humanitäre Tragödie wie diese politisch auszuschlachten, ist beschämend.«
Zahl der Vermissten weiterhin unklar
Am Mittwoch vergangener Woche hatten kurz hintereinander zwei starke Erdbeben den Norden Venezuelas
erschüttert. Mittlerweile ist die Zahl der Toten auf mehr als 2.500 gestiegen. Es seien bisher 2.595 Menschen gestorben, teilte Rodríguez bei der Pressekonferenz. Zudem seien 12.400 Menschen
verletzt worden. Zugleich versicherte sie, dass Rettungskräfte
weiter nach Überlebenden suchen werden.
Zur Zahl der noch Vermissten
machte sie hingegen keine Angaben. Die Behörden des Landes
haben es bisher vermieden, sich dazu zu äußern. Nach Schätzungen der
Vereinten Nationen könnte die Zahl der Vermissten aber bei bis zu 50.000
liegen. Auch zu den Berichte, wonach die UN 10.000
Leichensäcke beschafft haben soll, äußerte sich die Interimspräsidentin nicht konkret und entgegnete nur, dass die Regierung nicht spekulieren wolle. »Die von uns veröffentlichten Zahlen sind sorgfältig
überprüft«, bestätige sie.
Rodríguez Äußerung fallen kurz vor Ende ihres Mandats
Die Regierung von Rodríguez’ steht seit den Erdbeben
zunehmend unter Druck. Kritiker werfen ihr vor, schleppend und
unkoordiniert reagiert zu haben. Bewohner des besonders schwer
betroffenen Bundesstaates La Guaira berichteten, sie hätten in den ersten
Tagen ohne nennenswerte staatliche Hilfe mit bloßen Händen nach
Verschütteten suchen müssen. Rettungskräfte, die vor Ort waren, beklagten den Mangel an
Spezialgerät. Auch Vorwürfe, staatliche Wohnungsbauprojekte
seien wegen mangelhafter Bauqualität besonders stark zerstört worden,
wies Rodríguez zurück. Sie behauptete stattdessen, dass rund 80 Prozent der eingestürzten Gebäude privat
errichtet worden seien. Belege dafür nannte sie nicht.
Rodríguez hatte nach der Absetzung von Nicolás
Maduro im Januar mit Unterstützung der US-Regierung die Führung des
Landes übernommen. Ihre Äußerungen erfolgten einen Tag vor Ablauf der
Verlängerung ihres 180-tägigen Mandats.
