Eigentlich hatte sich ihre Familie nach dem beruflich veranlassten Umzug in die USA im Jahr 2022 auf einen längeren Aufenthalt eingestellt. Doch schon im April 2023 gab es folgende Schlagzeile auf faz.net: „DZ Bank holt neue Bereichsleiterin für Strategie von McKinsey aus New York.“ Gut drei Jahre später rückt Imke Jacob nun im Alter von 40 Jahren zum 1. Juli 2026 sogar in den Vorstand des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken auf. Wie kam es damals zum Wechsel der Partnerin bei McKinsey in New York, und welche Aufgaben hat Jacob nun in der DZ Bank in Frankfurt?
Konten, Karten, Zahlungstransaktionen – das war von Anfang an das Reizvollste für sie in der Bankenwelt, erinnert sich die aus Osterholz-Scharmbeck bei Bremen stammende Jacob. Damit ging es schon los, als die in Mannheim ausgebildete Diplom-Kauffrau 2010 als Inhouse-Consultant in der Deutschen Bank begann. Im Postbank-Vertrieb und als Vorstandsassistentin des heutigen Aareal-Bank-Chefs Christian Ricken bekam sie hautnah mit, wie die Deutsche Bank zwischen 2010 und 2015 versuchte, mit einem hochkomplexen IT-Projekt die Postbank auf ihre Systeme zu bekommen. Diese milliardenteure Integration namens „Magellan“ scheiterte krachend, und die Deutsche Bank wollte die Postbank zeitweise deswegen sogar wieder verkaufen.
Dritte Frau im achtköpfigen DZ-Bank-Vorstand
Mit dieser lehrreichen Erfahrung im Gepäck zog es Jacob ins internationale Geschäft. Von Madrid aus arbeitete sie weiter für die Deutsche Bank, und sie war auch oft in Polen, wo die Digitalisierung des Bankings schneller voranschritt als hierzulande. Strukturieren, automatisieren, schneller machen – das ist ihre Richtschnur, die sie dann bei McKinsey perfektionierte. Diese Schule kommt ihr nun in der DZ Bank zugute – als dritte Frau im achtköpfigen Vorstand neben Souâd Benkredda (Kapitalmarkt) und Ulrike Brouzi (Finanzen).
Jacob wirkt auch als Person im Gespräch klar, strukturiert, bestens organisiert. Während ihrer Tätigkeit bei der Deutschen Bank fand sie Zeit, eine Dissertation zu vollenden über ökonomische Ethik und den Aufbau von Vertrauen nach der Finanzkrise. Als Unternehmensberaterin für McKinsey waren die beruflichen Tage von 2016 an dann länger, nun bekam sie mehrere Frankfurter Banken von innen zu sehen – und stieg in der renommierten Unternehmensberatung in jungen Jahren zur Partnerin auf. Aus dieser Zeit schätzt Jacob Frankfurt als lebenswerte Stadt, und offenbar hat auch DZ-Bank-Chef Cornelius Riese Jacob in guter Erinnerung. Jedenfalls dauerte es nach dem Umzug nach New York nicht lange, bis die Frankfurter Bande wieder zogen.
Nach der McKinsey-Schule macht die Werder-Anhängerin Karriere
Früher hieß es oft über Unternehmen, dass Mitarbeiter im Ausland schnell vergessen würden – ob bei konzernweitem Stellenabbau oder individueller Beförderung. Doch zumindest persönliche Kontakte lassen sich heutzutage leichter über Landesgrenzen hinweg aufrechterhalten, und so blieb auch Imke Jacob im Blick. Als DZ-Bank-Chef Cornelius Riese, zehneinhalb Jahre älter als sie und früher selbst Unternehmensberater bei Accenture, rief, beendete Jacob den Aufenthalt in New York und die Arbeit für McKinsey schnell. Die beiden Kinder werden nun mit der Eintracht auf dem Fußballtrikot groß – Werder-Fan Jacob sieht es nicht ungern. Sie begeisterte sich als Teenager für den Franzosen Johan Micoud, der von 2002 an im Bremer Mittelfeld als Spielmacher die Fäden zog, sodass „Kugelblitz“ Aílton oft nur noch vollstrecken musste. Heute sucht Jacob Ausgleich vom Beruf auf dem Tennisplatz und engagiert sich im Museumsverein des Städel.
In der DZ Bank, hinter der Deutschen Bank der zweitgrößte Finanzkonzern hierzulande, hat sich Jacob seit 2023 von der Leiterin der Konzernstrategie zur Leiterin des Transaction Banking weiterentwickelt – eben zu jener Domäne rund um den Zahlungsverkehr, den sie schon immer besonders spannend fand – wegen der vielen Technik, aber auch wegen des Kundenverhaltens. Was viele nicht wissen: Die DZ Bank wickelt jedes Jahr elf Milliarden Transaktionen ab, darunter sind die SEPA-Zahlungen der angeschlossenen 650 Volks- und Raiffeisenbanken und deren Endkunden. Hinzu kommen weitere 69 Finanzdienstleister wie die Warburg-Bank, der Finanzvertrieb MLP und die Edekabank, die Zahlungsverkehrssysteme der DZ Bank nutzen.

Nach Auslagerung in den 2000er Jahren und der Zusammenführung mit anderen europäischen Banken in der nun von Worldline gekauften Equens ist die DZ Bank dabei, ihren Zahlungsverkehr wieder ins eigene Haus zu integrieren – ein mehrjähriges Unterfangen, mit dem der Maschinenraum gestärkt und wieder mehr zum Kerngeschäft wird. Dass Zahlungen möglichst automatisiert, schnell und günstig abgewickelt werden, ist auch für die Firmenkunden der DZ Bank wichtig. International bietet das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken Zahlungsverkehr auch an seinen vier großen Auslandsstandorten London, New York, Hongkong und Singapur an. Im Privatkundengeschäft spürt die DZ Bank vermehrt Konkurrenz durch günstige Überweisungsanbieter ins Ausland wie Wise.
DWP-Bank gemeinsam mit Sparkassen ertüchtigen
Das zweite Thema, das Jacob vom 1. Juli 2026 an im Vorstand verantwortet, ist ebenfalls im Maschinenraum angesiedelt: die Wertpapierabwicklung. Hinter BNP Paribas und State Street ist die DZ Bank in Deutschland die drittgrößte Verwahrstelle für Wertpapiere, die von Fonds und Vermögensverwaltern genutzt werden. Für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren greift die DZ Bank auch auf die DWP-Bank zurück, die ihr zu 50 Prozent gehört. Die andere Hälfte besitzen Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe. Das macht es oft nicht leicht, denn die Interessen sind fast zwangsläufig nicht immer deckungsgleich – auch weil die Eigentümerschaft auf Sparkassenseite zersplittert ist. Das zeigt sich an den neuen Trading-Apps, die sowohl die DZ Bank als auch die Sparkassen-Finanzgruppe gerade entwickeln.
Neobroker wie Trade Republic und Revolut graben Sparkassen und Genossenschaftsbanken Geschäft ab, und es wird zu Jacobs Aufgaben gehören, die VR-Bankengruppe fitter für diesen Wettbewerb um digitalaffine Wertpapierkunden zu machen. Natürlich soll Künstliche Intelligenz dabei helfen, die Automatisierung voranzutreiben, damit die Prozesse im Maschinenraum schneller werden. Jacob setzt auf die manchmal etwas schwerfällig wirkende DWP-Bank, die ihrerseits herausgefordert ist durch neue Wettbewerber wie Upvest. Die Sparkassengruppe hat größere Teile der Wertpapierabwicklung in die Fondsgesellschaft Deka integriert und benötigt die DWP-Bank für weniger Aufgaben als die DZ Bank. Jacob steuert ihren Maschinenraum indes mit der Überzeugung, dass die Sparkassen in der Wertpapierabwicklung ein guter Partner sind und es genug gemeinsame Interessen in der DWP-Bank gibt für eine gemeinsame Zukunft.
