
Wer aktuell nach einer mobilen Klimaanlage sucht, trifft immer wieder auf dieselbe Nachricht: „Dieser Artikel ist bald wieder verfügbar.“ Bei Media Markt Saturn gehe man davon aus, dass das Interesse an Ventilatoren und Klimageräten auch in den kommenden Wochen hoch bleiben werde, erklärt eine Sprecherin im Gespräch mit der F.A.Z. Die Kapazitäten der Hersteller seien grundsätzlich begrenzt, weshalb man auch nur begrenzt nachordern könne. Daher empfiehlt Media Markt Saturn, „die Anschaffung eines entsprechenden Produkts zeitnah anzugehen“. In anderen Worten: bevor die Geräte alle ausverkauft sind.
Doch nicht nur mobile Geräte sind gefragt. „Die Kälteklimafachbetriebe berichten, dass die Telefone nicht stillstehen“, sagt Christoph Brauneis vom Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe. An eine fest installierte Klimaanlage zu kommen, gestaltet sich allerdings ebenfalls schwierig. Das liege aber nicht daran, dass die Geräte nicht lieferbar seien, sagt Brauneis. Die Geräte lägen auf Lager, aber „der Flaschenhals sind die Termine bei den Fachbetrieben“.
Der Service für bestehende Klimaanlagen lastet die Installateure aus
Dass die Betriebe keine freien Zeiten haben, sei dabei vor allem auf schon installierte Geräte zurückzuführen. „Die Betriebe sind gerade voll ausgelastet mit Serviceeinsätzen“, sagt Brauneis. Es ist so warm, dass schon installierte Klimaanlagen auf Hochtouren laufen und Fachbetriebe damit beschäftigt sind, diese in Supermärkten, Hotels oder Bürogebäuden zu reparieren.
Von der Idee, die Installation einer Klimaanlage selbst in die Hand zu nehmen, rät Brauneis allerdings ab. Zwar gebe es im Internet Anbieter, die sogenannte Split-Geräte zu niedrigen Preisen anböten, doch „diese Geräte darf man als Endkunde nicht selbst installieren“. Die Geräte bestehen aus einer Einheit an der Außenseite des Gebäudes und einer Einheit im Inneren. Zwischen den Einheiten wird ein Kältemittel eingesetzt, das beim Austritt gefährlich werden kann. Deshalb erlaubt eine EU-Verordnung das Verbinden der Leitungen nur durch zertifiziertes Fachpersonal. „Beim Verbinden wird ganz oft was falsch gemacht“, sagt auch Brauneis: „Dann entweicht das Kältemittel.“
Vorausgesetzt, die Montage wird durch Fachpersonal vorgenommen, empfiehlt der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe aber genau diese Split-Klimaanlagen. „Die können in der Regel im Sommer klimatisieren und im Winter als Wärmepumpe arbeiten“, erklärt Brauneis. Diese Geräte könnten auch das ganze Jahr über eingebaut werden. Die Montage sei in gut einem Tag möglich. Allerdings empfiehlt er, den Hochsommer zu vermeiden. Denn dann seien die Fachbetriebe eben mit Serviceaufträgen ausgelastet.
Die Nachfrage nach Klimaanlagen für Privatwohnungen nimmt zu. Schon in den vergangenen drei Jahren ließ sich ein klarer Trend zur Split-Anlage erkennen. Zahlen des Fachverbands Gebäude-Klima zeigen, dass der Markt für Raumklimageräte wächst. Während in Deutschland 2023 noch etwas mehr als 250.000 Geräte verkauft wurden, waren es 2025 schon deutlich mehr als 300.000. „Wir gehen stark davon aus, dass sich der Markt auch dieses Jahr positiv entwickeln wird“, sagt Lucas van Stephoudt vom Fachverband Gebäude-Klima gegenüber der F.A.Z.
Hitzewellen wie in diesem Juni könnten die Entwicklung noch weiter vorantreiben. „Wir gehen davon aus, dass die Hitzewelle dazu beiträgt, dass die Leute sich damit auseinandersetzen“, sagt van Stephoudt. In den meisten Nichtwohngebäuden in Deutschland seien die Geräte schon Standard, erklärt er: „Der Privathaushalt holt das jetzt nach und beschäftigt sich zunehmend auch mit der Kühlung im Sommer.“
Asiatische Hersteller dominieren den Markt für Klimaanlagen
Die Split-Klimaanlagen werden mittlerweile größtenteils in Europa produziert. Der Markt sei zwar „fest in der Hand von asiatischen Herstellern“, erklärt Brauneis. Aber für den europäischen Markt hätten die Firmen Produktionsstätten in Europa aufgebaut, sagt Brauneis.
Klimaanlagen produzierten „vor allem japanische und südkoreanische Hersteller“: Panasonic, LG, Samsung, Mitsubishi oder Daikin. Mit Ausnahme der letzteren sind diese Unternehmen hauptsächlich für andere Produkte bekannt. Doch sie prägen auch den Markt für Klimaanlagen. Mittlerweile kämen ebenfalls viele günstigere Produkte von chinesischen Herstellern. Es seien aber auch deutsche Mittelständler unter den erfolgreichen Klimaanlagenherstellern, sagt van Stephoudt.
Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes, erklärte am vergangenen Donnerstag in einer Mitteilung: „Wir sehen bereits heute, dass Hitzewellen heißer werden und länger andauern. Wir müssen uns für die Zukunft auf weitere Zunahmen vorbereiten.“ Bei diesen Aussichten dürfte auch die Nachfrage für Klimaanlagen in Zukunft weiter zunehmen.
