Als der Madrider Werbefachmann Sergio Sancho vor sechs Jahren eine Kunstmesse auf Ibiza vorschlug, stieß er auf Skepsis. Inzwischen hat sich die Can Art als kultureller Höhepunkt im Sommer etabliert. Das funktioniert, weil Ibiza ohnehin eine Insel der Künste und der Künstler ist. Viele haben sich hier niedergelassen. Stiftungen, Galerien, ausgebaute Hallen und architektonisch interessante Ateliers zeigen das aktuelle Schaffen.
Die Messe ist der Magnet, der die verschiedenen Initiativen zusammenzufüht. Das Rahmenprogramm Can Art Off zeigt den ganzen Juni über an verschiedenen Spielstätten Ibizas, was die Balearen-Insel künstlerisch zu bieten hat. Bei der Preview am Donnerstag füllte sich der lichtdurchflutete Marktplatz dann auch schnell mit Künstlern, Galeristen, Politikern und anderen Persönlichkeiten. Erstmals hat die Regierungschefin der Balearen, Marga Prohens, die Can Art besucht. Vierzig Sammler ließ die Messeleitung einfliegen.
Mit 38 Galerien aus Spanien, Europa, Asien und Amerika ist die Messe großzügig angelegt und überschaubar zugleich. Die Auswahl bedient viele Register. Wer allzu Buntes meiden will, findet auch ernstzunehmende Entdeckungen. Noch bis Sonntag sind hier großformatige Malerei, Fotografie, Textilkunst, Design und Skulpturen zu sehen. Die Galerien wählt der Kurator Saša Bogojev aus.
Auch im Museum für zeitgenössische Kunst präsent
Platzhirsch Veta by Fer Francés aus Madrid verzichtet diesmal auf Petersburger Hängung und stellt als Solo-Ausstellung den 35 Jahre alten Andalusier Javier Ruiz vor. Seine figurativen Gemälde mit üppigen Blumengebinden und kunsthistorischen Reminiszenzen (16.500 Euro) sind begehrt und fanden sogleich Absatz. Mit dem mexikanischen Konzeptkünstler Stefan Brüggemann lockt Gathering aus London und Ibiza (160.000 Euro). Brüggemanns tiefgründigen, mit Blattgold versehenen Leinwänden ist eine umfangreiche Schau in Ibizas Museum für zeitgenössische Kunst (MACE) gewidmet.

Außerdem hat die Gemeinde Sant Antoni bei ihm eine Skulptur in Auftrag gegeben: Mit einem Hashtag aus Cortenstahl am Meer hat er das Bild der Insel in der globalen Vorstellung thematisiert und in gewisser Weise, gegenüber dem Walter Benjamin-Saal im Kulturzentrum, an den berühmten Philosophen erinnert. Dieser hat 1932 und 1933 dort gelebt und schon damals vor den Auswüchsen des zunehmenden Tourismus gewarnt. Heute ist der Hasthag ein Symbol der fotosüchtigen Urlauber in den sozialen Medien.
Aus Barcelona ist erstmals die Galería Mayoral angereist. Auch sie inszeniert eine Solo-Schau, und zwar mit den Bildern und Holzassemblagen von Oriol Enguany. Seine Werke sind wild und erdverbunden, oft entstehen sie auf Fundstücken (4000 bis 25.000 Euro). Die Madrider Galerie 1 Mira setzt Fotografien des britischen Landart-Künstlers Hamish Fulton (10.000 bis 40.000 Euro, Unikate) mit Arbeiten der Spanier Juan Uslé und Chema López in Verbindung.
Teilnehmer aus Deutschland
Wie jedes Jahr ist aus Deutschland auch Ruttkowski;68 dabei. Vier attraktive und ganz frische Großformate des Berliner Künstlers Dennis Buck sind hier Blickfang (20.000 Euro). Die Galerien Droste aus Düsseldorf und Gallardó aus Paris teilen sich einen Stand mit den farbintensiven Acrylbildern des in Frankfurt lebenden Raphael Brunk. Seine Bilder entstehen als Mix aus analoger Malerei und Computerdrucken (4100 bis 8900 Euro). Kleine Skulpturen der Dänin Amalie Jakobsen hat die Future Galerie aus Berlin im Angebot (Edition von 8, 4500 Euro). Die Spannung zweier Umlaufbahnen, die sich annähern, aber nicht kreuzen, hat sie blau lackiert oder verspiegelt oder verrostet dargestellt. Die großformatige Ausgabe von „Blue Sky“ ist bis September auf dem Platz Vara de Rey im Zentrum der Hauptstadt zu erleben (40.000 Euro).
Textilarbeiten der Mallorquinerin Ela Fidalgo stellt Marc Bibiloni (Madrid) aus. Eines ihrer Werke und zwei weitere hat das Kulturministerium der Balearen für Palmas Museum Es Baluard erworben. Mit zeitgenössischen Klassikern präsentiert sich erstmals Patricia Low aus Gstaad und Venedig. Ein schiefer Bus von Erwin Wurm von 2012 in kleiner Auflage kostet 12.000 Euro, großformatige Fotografien von Mario Testino knapp das Fünffache.
Von weiter her kommt der Cubism Artspace aus Shanghai. Ein ganzes Panorama kleiner Öl- oder Acrylbilder zeigt verschiedene Thematiken und Techniken der chinesischen Maler. Die mexikanische Surrealistin Sofía Bassi, Zeitgenossin von Leonora Carrington, ist mit einem verwurzelten Frauenkopf vertreten. Das rätselhafte Bild von 1982 gibt die Galerie Georgina Pounds aus Mexiko-Stadt für 35.000 Dollar ab.
Mehrere Kojen widmen sich Design. Die Galería Tambien aus Ibiza hält für Sammler Lichtobjekte aus Keramik von Benjamin Pelletier (14.000 Euro, Unikat) bereit und die futuristischen Sitzmöbel von Olivier Mourgue, darunter die rote Chaiselongue aus Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ (9500 Euro).
Nicht nur die Balearen-Regierung hat Ankäufe getätigt, erklärt uns der Direktor Sergio Sancho. Die staatliche Paradores-Kette hat die Kunstsammlung im Luxus-Hotel in Ibiza-Stadt erweitert, die OD-Hotels sowie Stiftungen aus Madrid, Mallorca und Ibiza zeigten sich großzügig. Wenn das kein Start ist.
Can Art Ibiza, bis 28. Juni, Standard-Ticket 20 Euro
