Der Mut ist mit den Tapferen: GoPro, traditionsreicher Hersteller von Actionkameras, setzt bei seiner jüngsten Neuerscheinung auf einen größeren Sensor und leistungsfähigeren Prozessor. Mission 1 muss ein Erfolg werden. Das amerikanische Unternehmen steckt in einer wirtschaftlichen Krise und entlässt in diesem Jahr fast ein Viertel seiner Mitarbeiter. Die Wende soll eine Actionkamera bringen, die den anspruchsvollen „Creator“ adressiert.
Von der Mission 1 gibt es drei Versionen: die von uns erprobte Pro für 700 Euro, die technisch abgespeckte Mission 1 für 600 Euro sowie eine für den Herbst angekündigte Pro ILS mit Wechselobjektiven und Micro-Four-Thirds-Anschluss für 700 Euro. Alle drei kommen im üblichen, robusten Actioncam-Gehäuse, das bis zu 20 Meter wasserdicht ist. So wundert kaum, dass die seitliche Klappe zum Zugang auf USB-C-Buchse, Akku und Speicherkarte ungemein stramm sitzt und einige Kraft zum Öffnen verlangt.
Der 1-Zoll-Sensor sticht hervor
Zwei physische Tasten links und oben auf dem Gehäuse lassen sich gut mit Handschuhen bedienen, aber für alle Detaileinstellungen kommt der Finger auf dem rückseitigen 2,59-Zoll-Touchdisplay zum Einsatz. Ein kleines Frontdisplay dient als Statusanzeige und Kontrollmonitor. Unten am Gehäuse lässt sich eine Halterung mit Magnetverriegelung ansetzen, um die Kamera sicher am Motorrad- oder Skihelm zu befestigen.

Geht es um die inneren Werte, sticht zunächst der 1-Zoll-Sensor hervor, den es bislang nur selten bei solchen Kameras gibt, etwa in der Gimbalkamera Osmo Pocket 4 von DJI. Ein größerer Sensor kann bei gleicher Belichtungszeit mehr Licht einsammeln, feinere Details zeichnen und einen höheren Dynamikumfang wiedergeben. Vor allem das Filmen bei wenig Licht profitiert davon. 1-Zoll-Sensoren in klassischen Kameras sind aber keine Besonderheit, im Gegenteil, ein noch größerer APS-C- oder Vollformatsensor stellt den 1-Zoll-Sensor mühelos in den Schatten. Filmt die Mission 1 Pro im 4:3-Format, greift sie auf die gesamte Sensorfläche zu, bei 16:9-Aufnahmen wird nur ein Ausschnitt verwandt. In Verbindung mit dem neuen GP3 genannten Prozessor gelingen spektakuläre 8K-Aufnahmen mit bis zu 60 Bildern in der Sekunde. Mit 4K sind es sogar bis 240 Bilder pro Sekunde. Für Zeitlupen steht ein 1080p-Modus mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde zur Verfügung.
Sehr gute Bildstabilisierung
Videoaufnahmen gewinnen durch den 1-Zoll-Sensor, wenn es beispielsweise um die Detailzeichnung bei Gegenlicht geht und sowohl helle Bildelemente wie auch solche im Schatten gut durchgezeichnet werden. Auch bei wenig Licht profitiert man von dem großen Sensor, wenngleich die interne Rauschunterdrückung sichtbar eingreift. Mit der intelligenten Aufnahmefunktion passt die Kamera die Farben und Belichtung automatisch an.
Wie immer ist eine der großen Stärken der GoPro die Bildstabilisierung namens Hypersmooth, die auf sehr hohem Niveau spielt und als eine der besten gilt. So entstehen ruhige Aufnahmen, in vielen Szenarien wird man auf einen Gimbal verzichten können. Für guten Klang sorgen vier eingebaute Mikrofone, die Sprache klar herausarbeiten, wenngleich für unseren Geschmack bei der Windgeräuschunterdrückung noch Potential besteht. Anschließen lassen sich auch Bluetooth- und USB-C-Mikrofone, was Kreative schätzen werden. Ein GPS-Modul ist bereits eingebaut, ebenfalls ein Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz. Leider fehlt interner Speicher.
Die Mission 1 Pro hat ein fest verbautes Weitwinkel mit einer äquivalenten Brennweite von 16 Millimeter und Blende f/2.8. Der extreme Bildwinkel ist zwar typisch für Actionkameras, steht aber einer Verwendung als Fotoapparat ebenso wie der fehlende Autofokus entgegen. Gleichwohl gelingen 50-Megapixel-Aufnahmen mit bis zu 8192 x 6144 Pixel. Der Akku soll beim Filmen mit geringer Auflösung mehr als fünf Stunden durchhalten. Filmt man in der höchsten Auflösung, schaltet sich die Kamera wie ihre Mitbewerber nach rund 45 Minuten wegen Überhitzung ab. Insgesamt ist klar erkennbar, wie GoPro aus dem Segment der Actionkameras heraustreten will. Die angekündigte Version mit Wechselobjektiven dürfte für das Zielpublikum der Content Creator noch spannender sein.
