
Der Taxibranche steht das Wasser bis zum Hals. Nur so ist die Partnerschaft zu erklären, die jetzt für Frankfurt, Hanau, Offenbach und Rüsselsheim geschlossen wurde: Die Frankfurter Taxizentrale, die Fahrten in diesen Städten vermittelt, wird vom Uber-Partner Safe Driver Group übernommen. Einem Unternehmen, das dem Taxi-Gewerbe seit Jahren das Leben schwermacht.
Die Safe-Driver-Tochtergesellschaft Ennoo organisiert in Deutschland die Fahrten, die über die Uber-App gebucht werden. Sie sind in der Regel günstiger als der Taxi-Tarif, der in jeder Kommune von der Verwaltung festgelegt wird. Seit Uber in Deutschland aktiv ist, verlieren die Taxi-Unternehmen daher Kunden und Umsätze.
Die Übernahme der Rufzentrale verschafft der Safe Driver Group nun Zugang zu den Verbrauchern, die noch zum Telefon greifen, wenn sie einen Fahrer brauchen. Diesen Kunden anstelle eines Taxis eine Fahrt mit einem Wagen aus der Ennoo-Flotte anzubieten, ist allerdings nicht geplant.
Käufer wirbt für Kooperation statt Konfrontation
Der Geschäftsführer der Safe Driver Group, Thomas Mohnke, erwartet für die Zukunft eine Arbeitsteilung zwischen Taxi-Unternehmen und anderen Fahrdienstleistern: Letztere würden wegen ihrer Preisgestaltung von vielen Verbrauchern bevorzugt, Taxis blieben aber wichtig für Spezialgeschäfte wie Krankenfahrten oder den Transport von Menschen, die aus anderen Gründen Hilfe brauchten, sagte er der F.A.Z. Er denke darüber nach, zu Taxifahrten ergänzende Dienstleistungen anzubieten, etwa die Begleitung von Fahrgästen ins Wartezimmer oder in den Zug.
Tatsächlich beruhen die behördlich festgelegten Taxi-Tarife auf dem Grundgedanken, dass die Fahrer Leistungen anbieten, die im unregulierten Wettbewerb noch viel teurer wären: Taxi-Unternehmen müssen Aufträge auch zu unattraktiven Zeiten annehmen und in abgelegenen Stadtteilen. Und sie müssen auch Kunden befördern, die nur einen Kilometer weit fahren wollen.
Allein von solchen Fahrten können Taxi-Unternehmen nicht leben, auf den lukrativeren Strecken wiederum kommen sie gegen die Konkurrenz nicht an. Die Idee der Safe Driver Group, Taxifahrern mit Zusatzdiensten eine weitere Einnahmequelle zu erschließen, erscheint deshalb sinnvoll.
Das könnte helfen, ein Angebot zu erhalten, das für Verbraucher in bestimmten Situationen wichtig bleibt: wenn sie alt sind oder ein Gipsbein haben, aber auch, wenn sie vom Stadtrand mit schwerem Gepäck zum Bahnhof müssen. In solchen Fällen bietet der regulierte Taxi-Tarif einen Schutz davor, dass die Preise explodieren.
Ein gewisses Unbehagen bleibt dennoch. Denn die Safe Driver Group baut ihre Machtposition im Beförderungsmarkt aus. Und bei der Kontrolle ihrer Subunternehmen wurden in der Vergangenheit immer wieder Verstöße gegen Arbeitsschutz- und Sicherheitsvorschriften festgestellt. Allerdings sind die auch bei Taxi-Unternehmen keine Seltenheit.
