
Deutschlandweit werden am Wochenende Ausdauer-Sportveranstaltungen abgesagt oder zumindest dem Wetter entsprechend angepasst. In Hamburg fällt der Halbmarathon aus, eine Triathlonveranstaltung in Braunschweig verzichtet auf das Radfahren und achtet bei der Laufstrecke verstärkt auf eine Wegführung durch den schattigen Wald. Beim Ironman Frankfurt ist das indes weiterhin kein Thema, obgleich bis zu 36 Grad prognostiziert werden für den Wettkampf am Sonntag. Ein Problem vor allem für die Altersklassenathleten, die in der Mittagssonne starten.
„Wir treffen zusätzliche Vorkehrungen, um die Sicherheit der Athletinnen und Athleten bestmöglich zu gewährleisten“, schreibt Markus Hanusch, Pressesprecher von Ironman Germany auf F.A.Z.-Anfrage. Dazu zählen mehr Trinkflaschen und Becher an den Verpflegungsstationen sowie zusätzliche Kühlmöglichkeiten wie Eisbäder und Duschen. Im Ziel wird es mobile Klimaanlagen geben. „Die Sicherheit der Teilnehmenden hat höchste Priorität“, sagt Hanusch. Bei Bedarf könnte es Anpassungen an einzelnen Streckenabschnitten geben.
Eine Absage der Profi-Veranstaltung hätte schwerwiegende Folgen für die Organisatoren: Der Ironman, zugleich Europameisterschaft der Männer über die Langdistanz, ist ein Qualifikationswettbewerb für den Klassiker Ironman Hawaii. Auf die Veranstalter, die sich vornehmlich durch die Anmeldegebühren von mehr als 3000 Athleten in Höhe von mehr als 700 Euro finanzieren, kämen aufgrund vertraglicher Verpflichtungen Folgekosten zu. Bei freiwilligem Startverzicht einzelner Sportler haben die Veranstalter in früheren Jahren kulant mit einer Gutschrift für eine zukünftige Anmeldung reagiert.
Anders als bei den genannten Veranstaltungen handelt es sich bei den Teilnehmern allerdings durchweg um sehr leistungsstarke und ambitionierte Sportler, die grundsätzlich wissen, auf was sie sich einlassen. Zudem ist die medizinische Versorgung entlang der Strecke professionell mit mehr als 400 Helfern organisiert, wie der Kreisverbandsarzt Michael Sroka der F.A.Z. erläuterte. Die Veranstalter bauen auf Erfahrungswerte aus „Hitzeschlachten“ früherer Jahre. Sroka appelliert an die Sportler, auf mineralienreiche Getränke zu achten. Beim 2015 war ein britischer Triathlet drei Tage nach dem Rennen an den Folgen einer sogenannten Wasservergiftung verstorben, da er lediglich Leitungswasser zu sich genommen hatte. Damals herrschten ähnliche Bedingungen, wie sie am Sonntag erwartet werden.
So wird der Wettkampf am Sonntag ein Sportereignis, bei dem man mehr als 3000 Spitzen- und Hobbysportlern bei der Quälerei mitten in der Hitzewelle aus nächster Nähe zuschauen kann – fast überall entlang der Strecke ohne Gedränge. Nach dem Start mit dem spektakulären Einstieg von allen Teilnehmern in den Langener Waldsee ist das Schwimmen noch die am schwierigsten zu beobachtende Disziplin. Auf dem Rad sind bei der Rundstrecke durch die Wetterau vor allem die Hügel in Bergen-Enkheim oder Maintals gute Punkte, um die Triathleten beim zweiten Teil ihres Dreikampfs zu sehen.
Zuschauen am Mainufer
Am nächsten kommt man dem Geschehen beim abschließenden Lauf über die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometer, die die Läufer just in der Mittagshitze zu absolvieren haben. Dabei ist anders als beim „richtigen“ Frankfurt-Marathon nicht die komplette Innenstadt von den Läufern eingenommen. Stattdessen müssen Profis wie Amateure einen Zehn-Kilometer-Rundkurs entlang beider Ufer des Mains viermal bewältigen, ehe sie auf den Römerberg abbiegen dürfen, wo das Ziel liegt. Selbst die Sieganwärter laufen also direkt vor den Zuschauern den schmalen Weg am Wasser entlang. Gerade am Fluss ist aber auch für Zuschauer gute Vorbereitung gefragt: In der prallen Sonne ist es bei den zu erwartenden Temperaturen weit bis nahe der 40-Grad-Marke besonders wichtig, auf guten Sonnenschutz zu achten und Pausen im Schatten der Bäume einzulegen.
Der Langstreckentriathlon behindert am Sonntag den Verkehr zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten des Rhein-Main-Gebiets: Während das Schwimmen am Morgen von 6.20 Uhr an lediglich rund um den Langener Waldsee zu Parkplatzmangel führt, sind vor allem für die 178 Kilometer auf dem Rad stundenlang Zufahrtsstraßen aus Langen Richtung Frankfurt sowie Straßen vor allem in der Wetterau für den Autoverkehr gesperrt. Die Athleten fahren vom Waldsee aus über die Mörfelder Landstraße nach Frankfurt, ehe sie nach Durchfahrt der Innenstadt zweimal einen Rundkurs bewältigen, der über Bergen-Enkheim und Maintal-Hochstadt bis hinaus nach Altenstadt und über Bad Vilbel zurück nach Frankfurt führt. (siehe Karte)
Mit dem Auto ist die Frankfurter Innenstadt über die Zubringer von den Autobahnen grundsätzlich zu erreichen, da die Radstrecke beispielsweise über Brücken über die A 661 hinweggeführt wird. Der Mainkai und weitere Straßen rund ums Mainufer und den Römerberg sind ganztägig gesperrt.
Im öffentlichen Nahverkehr kommt es zu Einschränkungen: Die Straßenbahnlinien 11, 12, 14, 16, und 17 werden über mehrere Stunden unterbrochen und fahren nur auf Teilstrecken, die Linie 15 wird bis 10.30 Uhr eingestellt, die Linie 18 bis 13.30 Uhr. Auch die Buslinien 30, M 32, M 34, M 36, 40, 42 und 44, 61, X 61 und X 77 weichen auf einzelnen Abschnitten auf veränderte Routen aus. Der Lohrbergbus Linie 83 nimmt erst um 17.49 Uhr seinen Fahrplan auf. Die U-Bahnen U 1, U 2, U 3, U 4, U 6, U 7 und U 8 bieten unterdessen mehr Platz durch längere Züge.
Alle Informationen über Straßensperrungen gibt es unter mainziel.de/ironman. Auskünfte zu Fahrplänen und Umleitungen bei Bussen und U-Bahnen sind am RMV-Servicetelefon unter 069 24 24 80 24 täglich rund um die Uhr zu bekommen, im Internet unter rmv-frankfurt.de und in der App RMVGo.
