
Als Chef der internationalen Veranstaltungsagentur Palast Promotion weiß Michael Stein, was nötig ist, um Menschen zu begeistern und sie an Orte und Veranstaltungen zu binden. Sein Haus mit Sitz in Wiesbaden organisiert Events wie das „World Business Forum“ in Frankfurt mit Gästen wie Bill Clinton, aber auch Bundestagswahlkämpfe oder große Events im Frankfurter Training-Center der Lufthansa. In Wiesbaden schlägt sich die Tätigkeit Steins beispielsweise in der „Night of Musik“ im Kurhaus nieder, bei der viele Künstlerinnen und Künstler aus der Region auftreten.
Für den in der Landeshauptstadt verwurzelten Stein ist die heikle Entwicklung in der Innenstadt besonders ärgerlich, weil es im Gegensatz dazu in den Wiesbadener Stadtteilen privaten Initiativen gelinge, ein lebendiges Miteinander zu initiieren. Stein ist sich sicher, dass das auch in der Innenstadt funktionieren könnte, wenn die Stadt private Initiativen besser unterstützen und bürokratische Hürden abbauen würde, wie er bei einer Diskussion zur Lage der Innenstadt am Dienstagabend sagte. Dazu geladen hatte die Wiesbadener Casino-Gesellschaft. Auf dem Podium saßen außerdem Alexandra Busch, Generaldirektorin des Leibniz-Zentrums für Archäologie in Mainz, Eva Waller, Präsidentin der Hochschule Rhein Main, und Gerhard Obermayr (CDU), Stadtverordnetenvorsteher in Wiesbaden. Das Gespräch leitete Stefan Schröder, ehemaliger Chefredakteur des „Wiesbadener Kurier“.
Archäologie-Professorin Busch sagte, Wiesbaden biete durchaus eine attraktive Mischung aus Einkaufsmöglichkeiten und Kultur. Allerdings sei in der Stadt eine Trennung zwischen migrantisch geprägten Arealen und durchmischten Innenstadtteilen zu beobachten. Sie warnte davor, einer Fragmentierung dieser Art nicht entgegenzuwirken. Das Leibniz-Zentrum untersucht unter anderem gesellschaftliche Wandlungsprozesse und „was Gemeinschaft ausmacht“. Der Blick der Archäologin ist auf die Entwicklung in den vergangenen drei Millionen Jahren geweitet, aber die Erkenntnisse lieferten, wie sie sagte, die notwendige Basis, die Gegenwart zu erfassen und Zukunft zu gestalten.
Themen wie Heimat und Herkunft nicht unterschätzen
Aus diesem Grund hält die Archäologin auch den Plan für bedeutsam, das Stadtmuseum in der Fußgängerzone zu etablieren. Die Menschen bräuchten Orte und Erzählungen, die vermittelten, was sie verbinde. Schon allein wegen der zum Museumsbestand zählenden Sammlung Nassauischer Altertümer mit überaus bedeutsamen Funden aus der gesamten Region werde aber der Name Stadtmuseum der Sache nicht gerecht. Busch warnte zudem davor, die Bedeutung der Themen Heimat und Herkunft für Menschen zu unterschätzen. Die Instrumentalisierung dieser Begriffe sei ein Grund für den Erfolg der AfD.
Hochschulpräsidentin Waller berichtete, dass die 12.500 Studierenden der Rhein-Main-Hochschule durchweg zufrieden seien mit der Stadt. Vor allem die vielen Grünanlagen schätzten sie sehr. Das alte Urteil, wonach die Studentenschaft im Stadtbild praktisch nicht vorkomme, hält Waller für überholt. Aber auch sie erachtet es als notwendig, Feste und andere Anlässe zu unterstützen, die eine gemeinsame Identität aller in Wiesbaden lebenden Menschen förderten.
Als Repräsentant der Kommunalpolitik gab Stadtverordnetenvorsteher Obermayr zu, dass es gerade in der Wiesbadener Fußgängerzone Orte gebe, die das Bild der Stadt sehr negativ beeinflussten, etwa die geschlossene Citypassage oder die leer stehende Kaufhof-Filiale. Aber man müsse auch sehen, dass die Besitzverhältnisse es der Stadt bisweilen unmöglich machten, kurzfristig einzugreifen. Anders sei das zum Beispiel im Fall der ehemaligen Kaufhalle, später Sportarena, an deren Stelle viele Wiesbadener gern das Stadtmuseum sähen. Das ehemalige Kaufhaus habe die Stadt günstig erwerben können, so Obermayr. Allerdings müsse man angesichts der heiklen finanziellen Lage der Stadt auch hier den Gestaltungswillen dem finanziell Möglichen unterordnen.
Im Resümee des Abends plädierte Erika Noack, Vorsitzende des Fördervereins Stadtmuseums, dafür, das Haus, das nun seit zehn Jahren im Marktkeller auf einen endgültigen Standort warte, in der alten Kaufhalle anzusiedeln. Aus Platzgründen und wegen der Feuchtigkeit im Kellergewölbe könne man derzeit nur einen Bruchteil der 500.000 Exponate präsentieren. In der früheren Sportarena biete sich die Chance, das Museum zum Kern einer gemeinschaftsstiftenden Begegnungsstätte zu machen.
