Im Januar 2021 sagt ein Mann in einer Dokumentation des Online-Magazins Vice den Satz: „Im Gefängnis sitzen nur Idioten.“ Er trägt eine weiße Sturmhaube, fährt mit einem weißen Auto durch Gießen und äußert, er verkaufe bis zu 30 Kilo Cannabis im Monat. Fünf Jahre später sitzt „Banks“ – so nennt er sich – im Amtsgericht Gießen, und die Dokumentation, mit der er sich unverwundbar inszenieren wollte, ist vermutlich eines der wichtigsten Beweisstücke gegen ihn.
Doch bis die Vorwürfe gegen ihn aufgeklärt werden können, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Grund dafür ist, dass einer der drei Mitangeklagten am Donnerstag nicht vor Gericht erscheint. Neben „Banks“ sitzen an dem Tag ein Mann, dem der Besitz von Cannabis vorgeworfen wird, und seine Ex-Freundin, die laut Anklage beim Handel geholfen und selbst Drogen besessen hat. Die Verteidiger wollen das Verfahren gegen den vierten Angeklagten, dem ebenfalls der Besitz von Cannabis vorgeworfen wird, nicht abtrennen, da seine Angaben wichtig seien, um die Aussagen der Mitangeklagten einzuordnen. Ohne ihn, argumentieren sie, lasse sich die Beweisaufnahme nicht seriös führen. Das Gericht vertagt den Prozess schließlich auf Februar 2027.
Mutmaßlicher Dealer verrät sich selbst in einem Youtube-Video
Um „Banks“ ausfindig zu machen, brauchen die Ermittler nicht einmal Insiderwissen. In der Vice-Reportage sind Gießener Straßenzüge klar zu erkennen: die Agentur für Arbeit an der Nordanlage, Hochhäuser in der Pater-Delp-Straße, ein Wehr an der Lahn. Er lässt sich beim Fahren, beim Verpacken, beim Dealen filmen. Er erzählt von Lieferungen aus den Niederlanden, von Bunkerräumen, die auf andere Namen angemietet sind, von Umsätzen bis zu 120.000 Euro im Monat. Gleichzeitig gibt er sich als Aufklärer: Er weist darauf hin, dass Gras mit synthetischen Cannabinoiden gestreckt werde, Konsumenten zu „Chemie-Junkies“ würden, und sagt, die Polizei habe längst die Kontrolle verloren.
Genau diese Aussagen rufen die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Im Juni 2021 wird „Banks“ verhaftet. In einer Wohnung finden die Ermittler 1,3 Kilogramm Marihuana und einige Betäubungsmittel, in einem weiteren Objekt eine Plantage mit 121 Cannabispflanzen. Für die Ermittler fügt sich das zu dem Bild, das die Dokumentation zeichnet: Der 31 Jahre alte „Banks“ ist für sie kein kleiner Konsument, sondern jemand, der in Gießen mit größeren Mengen handelt.
Für seine Verteidigung ist genau dieselbe Dokumentation hingegen „ein Kunstprodukt mit einer Message“ – eine Inszenierung, überzeichnet, bewusst provokant und geschützt von der Kunstfreiheit. Ein Bild, das „Banks“ konsequent aufrechterhält.
Nach seiner Festnahme und einem Hin und Her um die Untersuchungshaft meldet er sich in einem Vice-Podcast wieder zu Wort, diesmal als „Kunstfigur Banks“. Er erzählt von der Verhaftung, von der JVA Butzbach, wo er „Leute mit Haftstrafen von über fünf Jahren“ getroffen habe, und sagt, er wolle nie wieder Gesetze brechen. Parallel baut er seine Social-Media-Präsenz aus, wirkt dort wie eine Mischung aus Drogen-Influencer und Künstler, mit weißer Maske, Instagram-Account, Youtube-Kanal und Zehntausenden Abonnenten.
