
Nach dem vorzeitigen Abgang seines Vorstandsvorsitzenden hat Heineken einen Nachfolger gefunden: Der zweitgrößte Bierbrauer der Welt soll vom 1. Oktober an von Rafael Oliveira geleitet werden, momentan Vorstandsvorsitzender des Kaffeekonzerns JDE Peet’s. Der Aufsichtsrat wird Oliveira auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 5. August als Nachfolger von Dolf van den Brink nominieren, wie das Unternehmen am Dienstag weiter mitteilte. Damit endet ein Führungsvakuum in Amsterdam, denn nach Druck aus dem Aufsichtsrat hatte van den Brink das Unternehmen Ende Mai verlassen. Im Vorstand sitzt derzeit nur noch Finanzchef Harold van den Broek.
Heineken hat sich damit für einen Externen als Unternehmensleiter entschieden, was bisher selten der Fall war. Die größte Brauerei hinter AB Inbev leidet wie Wettbewerber darunter, dass Verbraucher vielerorts weniger Alkohol trinken. Außerdem belasten höhere Kosten für Rohstoffe, Energie, Personal, Verpackung und Logistik die Margen. Zu den zentralen Themen der Branche gehört, inwieweit das mit höheren Verkaufspreisen abzufedern ist – was Streit mit Einzelhändlern hervorruft.
Heineken ist für seine namensgebende Marke und die Marke Amstel bekannt, führt aber viele andere Getränke im Portefeuille. Im Herbst musste Heineken die Geschäftserwartungen zurücknehmen. Van den Brink kündigte im Januar an, nach mehr als 28 Jahren im Konzern und sechs Jahren an der Spitze seinen Posten Ende Mai abzugeben. Der Abgang fiel in die Halbzeit seiner zweiten Amtsperiode, denn der Vertrag war 2024 um vier Jahre verlängert worden.
Mehr alkoholfreies Bier
Der Plan des Managers war gewesen, den Verkauf alkoholfreier Biere zu fördern, Verbraucher zu höherpreisigen Bieren zu bewegen und in Schwellenmärkten zu expandieren. Als Heineken seinen Abgang bekannt gab, lobte der Aufsichtsrat zwar die „zwingende Strategie für die Zukunft Heinekens“ – ließ aber indirekt Zweifel an van den Brinks Fähigkeiten durchblicken, die Strategie auch energisch in die Tat umzusetzen. „Die nächste Phase wird darauf gerichtet sein, diese Strategie durch disziplinierte Umsetzung unserer strategischen Wachstumsambitionen zum Leben zu bringen“, ließ sich damals Peter Wennink zitieren, Aufsichtsratschef und bis 2024 Vorstandsvorsitzender des niederländischen Chipmaschinenherstellers ASML. Der Nachfolgeprozess solle „starke Führung für die Zukunft sichern“.
Analysten sehen ebendies mit dem designierten Chef Oliveira gegeben.
Der habe die Fähigkeit bewiesen, „eine Strategie in messbare Finanzresultate umzusetzen“, urteilten die Fachleute der Bank Jefferies. „Wir rechnen damit, dass das eine Hochleistungskultur bei Heineken stärkt“. Die Aktie gewann am Dienstag drei Prozent an Wert.
Aus Oliveiras Sicht ist die Personalie als Lösung eines eigenen Karriereproblems zu interpretieren. Sein Arbeitgeber JDE Peet’s, den er seit weniger als zwei Jahren führt, ist im US-Konzern Keurig Dr Pepper aufgegangen; im April endete die Börsennotierung in Amsterdam. Bevor Oliveira im November 2024 zu dem Kaffeeanbieter stieß, hatte er jeweils knapp zehn Jahre für den US-Lebensmittelkonzern Kraft Heinz und die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet.
