Mit Ehrungen kennt sich Alexandra Knauer aus. Im Herbst 2021 nahm die geschäftsführende Gesellschafterin des Berliner Laborgeräteherstellers Knauer Wissenschaftliche Geräte GmbH den Innovationspreis Berlin Brandenburg entgegen. Wenige Wochen zuvor hatte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel die Firma bei einem Besuch in Zehlendorf als „Juwel des deutschen Mittelstandes“ gelobt. Im Frühling 2022 heimste das Familienunternehmen aus dem Berliner Südwesten den nächsten Innovationspreis ein, und im Jahr darauf wurde Alexandra Knauer mit dem Verdienstorden des Landes Berlin eine ganz besondere Ehre zuteil. 2024 folgte die Auszeichnung als Berliner Familienunternehmerin des Jahres.
Die Anerkennung für die Firma Knauer und für die Geschäftsführerin, die das Unternehmen in zweiter Generation führt, hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun. Denn während Unternehmen wie Biontech und Pfizer im Jahr 2020 an einem Impfstoff gegen Covid arbeiteten, suchten sie nach Partnern, die in der Massenproduktion behilflich sein könnten. Der US-Pharmakonzern Pfizer stieß dabei auf einen Berliner Mittelständler mit viel Expertise rund um Hochdruckpumpen, Ventile und andere Komponenten der Labortechnik. „Die Herausforderung war, dass es so einen Impfstoff noch nie gegeben hat und es über den Labormaßstab hinaus auch keine Anlagen für die Herstellung gab“, sagt Knauer.

Schnelle Zusage an Pfizer in der Pandemie
Als Pfizer in Zehlendorf anrief und Knauer nach der Unterzeichnung einer Geheimhaltungsvereinbarung eröffnete, dass man einen Partner für die Entwicklung einer Verkapselungsanlage für einen mRNA-Impfstoff suche, für den es noch keine Zulassung gibt, zögerte das Familienunternehmen mit damals rund 150 Beschäftigten keinen Moment. „Wir haben gesagt, wenn wir etwas beitragen können, machen wir mit“, sagt Knauer. Ein Team mit Experten aus den Bereichen Chemie, Physik, Verfahrenstechnik und Maschinenbau machte sich an die Arbeit, und innerhalb von wenigen Monaten baute Knauer mit Pfizer eine Anlage zur Einkapselung von Boten-RNA in Lipid-Nanopartikel. Die ist erforderlich, weil der Impfstoff andernfalls kaputtgehen würde, bevor er im Körper wirkt.

„Keiner wusste, ob es funktioniert oder zugelassen wird“, sagt Knauer über die Zweifel, die das Projekt begleiteten. Doch der unternehmerische Mut hat sich bezahlt gemacht. Mit Unterstützung der Technologie von Knauer gelang es, die Produktion des Impfstoffs von Biontech zu skalieren und einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu leisten. Der Erfolg hat außerdem die Forschung an anderen mRNA-Impfstoffen angekurbelt und hält die Nachfrage nach Verkapselungsanlagen hoch.
Im Vergleich mit 2019 hat sich der Umsatz des Unternehmens in etwa verdoppelt, auf rund 40 Millionen Euro. Die Belegschaft ist um rund ein Drittel auf mehr als 200 Beschäftigte gestiegen. „Wir setzen nicht alles auf ein Pferd“, sagt Knauer über das Produktportfolio. Während das Wachstum zuletzt von den Verkapselungsanlagen getrieben wurde, gehört das Unternehmen seit Jahrzehnten zu den führenden Herstellern von sogenannten Hochleistungsflüssigkeitschromatographen zur Trennung, Identifikation und Messung von komplexen Stoffgemischen in flüssiger Form. „Das war immer schon unser Kernbereich, und das bleibt es auch“, sagt Knauer über die Wurzeln des Unternehmens in der Analytik.
Neu im Angebot ist ein Gerät für die Aneinanderkettung von synthetisch hergestellten DNA- oder RNA-Bausteinen, sogenannte Oligonukleotide. „Das brauchen Pharmafirmen und Forschungsinstitute, die mithilfe dieser Oligonukleotide Medikamente herstellen wollen“, sagt Knauer. Ein Anwendungsfeld ist die Krebstherapie. Sie könnte gezielter zum Einsatz kommen, wenn es gelänge, auf Basis von Oligonukleotiden individualisierte Wirkstoffe herzustellen. „Das ist ein Wachstumsmarkt, weil DNA-basierte Therapeutika wahrscheinlich eine große Sache werden“, sagt Knauer.
Laborgeräte aus einer Zweizimmerwohnung
Als die Unternehmerin 1995 in die Geschäftsführung des Familienbetriebs eintrat, um die Eltern zu unterstützen, steckte die Firma in einer Krise. Das gut laufende Geschäft in Osteuropa war nach der Wende weggebrochen. Die Kunden im Westen fragten zunehmend softwaregesteuerte Geräte nach, die Knauer noch nicht im Angebot hatte. Alexandra Knauer kam frisch von der FU Berlin, wo sie Betriebswirtschaftslehre studiert hatte, und brachte wenig Berufserfahrung mit. „Ich wusste nicht, ob ich viel bewirken kann, aber ich wollte es probieren und habe mich reingehängt“, sagt sie.

Ihre Eltern, Herbert und Roswitha Knauer, gründeten das Unternehmen 1962 in einer Zweizimmerwohnung in Westberlin. Seine Leidenschaft fürs Tüfteln und ihr kaufmännisches Talent ergänzten sich von Anfang an. Das Startkapital bestand aus einem Teil der Ersparnisse aus Roswitha Knauers Exporttätigkeit für die Firma Ledermann & Co. und 10.000 Mark, die Herbert Knauer für das Patent auf eine von ihm entwickelte automatische Parkleuchte für Fahrzeuge erhalten hatte. Der promovierte Chemiker und Ingenieur hatte zuvor am Chemischen Institut der TU Berlin gearbeitet.
„Ursprünglich war die Idee von meinem Vater, jeden Monat ein Gerät zu bauen und zu verkaufen“, sagt Alexandra Knauer. Mit dem Einstieg in das Geschäft mit Flüssigkeitschromatographen Anfang der Siebzigerjahre nahm das Wachstum Fahrt auf, und auch ein neuerlicher Wechsel in eine größere Wohnung hätte für die Produktion nicht mehr ausgereicht. Das Gründerpaar kaufte 1973 ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück in Zehlendorf und errichtete das Gebäude, in dem die Firma bis heute ihren Hauptsitz hat.
Alexandra Knauer übernahm im Jahr 2000 als alleinige Eigentümerin die Gesamtverantwortung für das Unternehmen. In etwas mehr als dreißig Jahren als Geschäftsführerin hat sie den Betrieb von einem klassischen Hersteller analytischer Messinstrumente zu einem Anbieter von Technologien für die Life-Science-Branche geformt. Seit fünf Jahren wird sie von Carsten Losch als Ko-Geschäftsführer unterstützt. Heute macht Knauer ein Drittel des Umsatzes mit Direktgeschäft im deutschsprachigen Raum, ein Drittel mit Vertriebspartnern weltweit und noch einmal ein Drittel mit großen Geräteherstellern, die Komponenten und ganze Anlagen von Knauer unter eigener Marke verkaufen.
Im vergangenen Jahr wurde Alexandra Knauer von den Veranstaltern der Pittsburgh Conference on Analytical Chemistry and Applied Spectroscopy (Pittcon) darüber informiert, dass sie im Rahmen der bedeutendsten US-Labormesse im Frühling 2026 den Heritage Award erhalten soll, der an visionäre Persönlichkeiten der Branche vergeben wird. Knauer buchte im Dezember einen Flug in die USA, erhielt zu ihrer großen Überraschung aber kein Visum für die Einreise. Eine Begründung der amerikanischen Behörden blieb aus. „Ich warte jetzt erst mal ab und stelle in zwei Jahren vielleicht einen neuen Antrag“, sagt sie. Die nächste Ehrung dürfte nicht so lange auf sich warten lassen.
Die Unternehmerin
Alexandra Knauer steht seit 1995 an der Spitze der von ihren Eltern gegründeten Knauer Wissenschaftliche Geräte GmbH. Seit 2000 ist sie Alleingesellschafterin des Laborgeräteherstellers aus Berlin. „Als ich jung war, wusste ich noch nicht, dass eine Unternehmerin in mir stecken würde“, sagt die Betriebswirtin. Die Nachfolge ist noch kein Thema. „Ich bin gerade 60 geworden und komme gern in die Firma“, sagt Knauer. Ihre Freizeit verbringt sie mit der Familie, im Garten oder auf einem kleinen Segelboot in Berlin.
Das Unternehmen
Die Knauer Wissenschaftliche Geräte GmbH wurde 1962 vom promovierten Chemiker und Ingenieur Herbert Knauer und seiner Frau Roswitha gegründet. Die ersten Geräte werden in der Zweizimmerwohnung des Gründerpaares in Westberlin zusammengelötet. Anfang der Siebzigerjahre zieht das Unternehmen mit 20 Beschäftigten an den heutigen Firmensitz in Berlin-Zehlendorf. 2024 erwirtschaftete Knauer mit rund 200 Beschäftigten gut 40 Millionen Euro Umsatz und erzielte etwa 4 Millionen Euro Gewinn.
