Nur wenige Stunden nach Beginn der Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah hat es weitere Angriffe im Libanon gegeben. Dabei sollen nach libanesischen Angaben fünf Menschen getötet worden sein, darunter ein libanesischer Soldat. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, israelische Kampfflugzeuge und Drohnen hätten in der Nacht und am Morgen das Gebiet um Nabatija attackiert, auch Artillerie sei eingesetzt worden. Die Stadt gilt als Hisbollah-Hochburg. Die Todesopfer habe es bei einem Luftangriff auf die nahe gelegene Ortschaft Arabsalim gegeben.
Die libanesische Armee wirft Israel vor, mit den fortgesetzten »brutalen« Angriffen jede Lösung zu verhindern, die eine Stabilisierung des Landes ermöglichen würde. Laut einem Statement dauerten die Angriffe an, nachdem die jüngste Eskalation weite Gebiete im Süden bis hin zur Bekaa-Ebene erfasst habe. Dabei sei auf der Straße zwischen Kfarreman und Nabatieh auch ein libanesischer Soldat getötet worden, es habe weitere Tote und Verletzte sowie erhebliche Sachschäden gegeben.
Mehr als 50 Geschosse auf israelische Streitkräfte im Libanon
Ein Sprecher der israelischen Armee betonte dagegen, Stabilität für Israel und den Libanon könne erreicht werden, wenn die Hisbollah aufhöre, die Vereinbarungen der Waffenruhe zu brechen. Über Nacht habe die Miliz mehr als 50 Geschosse auf die israelischen Streitkräfte im Süden des Libanon abgefeuert. Als Reaktion darauf habe Israel »Hisbollah-Ziele« im Südlibanon angegriffen.
Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz hatten sich auf eine Waffenruhe verständigt, die am Freitag in Kraft getreten war. Die heftigen gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah hatten das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gefährdet, das eine Waffenruhe in der gesamten Region einschließlich des Libanon vorsieht.
Der Sondergesandte des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Witkoff, reist derweil einem Bericht des Portals Axios zufolge zu ersten Gesprächen über ein mögliches Atomabkommen mit dem Iran in die Schweiz. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner befindet sich demnach bereits dort. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sollte sich dem Bericht zufolge noch am Samstag auf den Weg machen.
Am Samstag setzte auch Pakistan seine Vermittlungsbemühungen fort. Innenminister Mohsin Naqvi reiste zu Gesprächen mit hochrangigen iranischen Regierungsvertretern nach Teheran, meldete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna. Bei dem Besuch solle der Fortgang der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA erörtert werden. Nach Angaben der regierungsnahen iranischen Nachrichtenagentur Mehr wird Naqvi demnach mit den Leitern des iranischen Verhandlungsteams, Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi zusammentreffen.
Am Mittwoch hatten die Präsidenten der USA und des Irans das 14-Punkte-Abkommen unterzeichnet, das eine Waffenruhe im Iran-Krieg um mindestens 60 Tage verlängert und eine Öffnung der vom Iran blockierten Straße von Hormus vorsieht. Nun soll ein finales Friedensabkommen ausgehandelt werden, das etwa auch den Umgang mit dem iranischen Atomprogramm regelt. Die Verhandlungen dazu sollten ursprünglich schon am Freitag in der Schweiz beginnen. US-Vizepräsident JD Vance sagte seine geplante Anreise zu dem Treffen auf dem Bürgenstock in der Nähe von Luzern aber überraschend ab.
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