Das Foul am Kanadier Ismael Koné beim 6:0-Sieg gegen Qatar hat eine Diskussion über die Schiedsrichterlinie bei der Fußball-WM entfacht. „Man muss den Spielern Grenzen setzen. Es ist nicht immer Absicht. Es ist meistens Fahrlässigkeit. Aber man muss manchmal eben präventiv agieren. Hier waren die FIFA und Pierluigi Collina zu nachsichtig“, sagte Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe der „Bild“ in Richtung des Chefs der Schiedsrichterkommission.
Seit Collinas Amtsantritt 2017 habe es bei Weltmeisterschaften nur wenige Rote Karten gegeben, sagte Gräfe und verwies auf einige Platzverweise nach Notbremsen und Handspielen sowie einen nach einer Tätlichkeit, aber keinen für ein brutales oder ernsthaftes Foulspiel. Daraus ergebe sich Handlungsbedarf. Ein großzügigerer Umgang im Sinne des Spielflusses sei grundsätzlich richtig, „aber was sein muss, muss sein“, betonte der 52-Jährige.
„Wenn dermaßen gesundheitsgefährdend agiert wird, von hinten auf die Wade getreten wird, in den Achillessehnenbereich, auf Kniehöhe oder noch höher, mit den Stollen – dann muss es zum Schutz aller Rote Karten geben“, sagte Gräfe. Qatar-Profi Assim Madibo hatte nach seinem Tritt gegen Koné, der sich dabei vermutlich den Unterschenkel brach, zunächst Gelb gesehen und war erst nach Einschreiten des Videoschiedsrichters mit Rot vom Platz gestellt worden.
Für MagentaTV-Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich war die Entscheidung nachvollziehbar: „Ich glaube im Ablauf, auch wie der Schiedsrichter es wahrgenommen hat, ist es eine Gelbe Karte. Es sah so aus. Jetzt ist die Verletzung so schlimm, dass sie sich sicherlich dazu entschieden haben, ihm bei diesem Video Operation Center zu sagen: schlimme Verletzung. Dann hatte der Schiedsrichter eine Rote Karte gezeigt“, betonte Ittrich.
Nicht alle Experten sahen den Platzverweis jedoch als zwingend an. „Die Rote Karte können wir nicht ganz nachvollziehen, weil es nach einer sehr unglücklichen Verletzung aussieht, auch wenn sie sehr schwer wiegt. Ich sehe da maximal ein normales Foul, weder Gelb noch Rot“, sagte MagentaTV-Experte Thomas Müller. Auch sein Kollege Mats Hummels sprach von einem „08/15-Foul“, das „sehr unglücklich ausging“. (dpa)