
Andy Burnham spielt seit einem Dreivierteljahr offen mit der Ambition, anstelle von Keir Starmer der Chef der Labour-Partei und damit auch Premierminister zu werden. Im vergangenen Herbst gründete er die innerparteiliche Strömung „Mainstream Labour“, eine Art Sammlungsbewegung der innerparteilichen Linken, mit dem erklärten Ziel, „dem Driften nach rechts“ unter Starmers Führung eine Gegenkraft entgegenzusetzen. Zugleich ließ der Bürgermeister des Großraums Manchester damals rechtzeitig zum Labour-Jahresparteitag wissen, er werde öfters von Labour-Unterhausabgeordneten angerufen und gedrängt, doch den unbeliebten Starmer an der Spitze der Partei abzulösen.
Zuvor hatte der 1970 geborene Burnham schon zweimal vergeblich versucht, dorthin zu gelangen. 2010, nach dem Ende der Regierungsära Blair/Brown, kandidierte er in einem Führungswettstreit unter einem halben Dutzend Bewerber und schied in der zweiten Runde aus. 2015 unternahm er einen zweiten Versuch und unterlag Jeremy Corbyn, dem Repräsentanten des äußeren linken Parteiflügels, der Labour in einen jahrelangen programmatischen Grabenkampf führte. Anders als viele sozialdemokratisch orientierte Mitglieder der Labour-Führungsriege schloss Burnham sich Corbyns Team an und nahm in der ersten Reihe von dessen Schatten-Ministerriege Platz.
Wurzeln im Norden Englands
Doch als sich ihm ein Jahr später die Möglichkeit eröffnete, für das Amt des Regionalbürgermeisters in Manchester zu kandidieren, griff er zu und gewann die Direktwahl. Es war eine Rückkehr zu den Wurzeln. Burnham ist in Liverpool geboren, im Großraum Manchester aufgewachsen, und pflegt die lokale Sprachfärbung. Nach seinem Studium – Englisch in Cambridge – fand er bald Funktionen in der politischen Maschinerie von Westminster. Mit 15 war er der Labour-Partei beigetreten, mit 31 zog er erstmals ins Unterhaus ein.
Die Position an der Spitze der Wachstumsregion Manchester – inmitten des darbenden englischen Nordens – bot Burnham zweierlei Gelegenheiten. Erstens konnte er zeigen, dass industrieller Niedergang kein unabwendbares Schicksal ist, sondern durch Investitionen in Infrastruktur und Marketing gestoppt werden kann. Zweitens demonstrierte er an symbolischen Beispielen – etwa der Re-Kommunalisierung des Busnetzes – linke Politikpositionen. Dabei richtete Burnham sich nie nach politischen Dogmen, sondern stets nach der erhofften Zustimmung des Publikums – was ihm den Vorwurf einbrachte, er habe die Anpassungsfähigkeit eines Chamäleons.
Sein gebräuchlichster Spitzname lautet jedoch, er sei „der König des Nordens“. Als solcher zieht er nun nach London zurück, um den Dienstsitz Keir Starmers in der Downing Street zu belagern. Dessen Angebot, doch Teil seiner Regierung zu werden, hat Burnham abgelehnt. Er will den Thron am Kabinettstisch.
