Ihr Kopf sei deutsch, ihr Herz brasilianisch, ihre Seele schwedisch. So beschreibt sich die Königin selbst. Dass es überhaupt noch eine Monarchie in Schweden gibt, haben das Land und Carl XVI. Gustaf maßgeblich der Frau aus Deutschland zu verdanken. Silvia Sommerlath, 1943 in Heidelberg geboren, hatte einen deutschen Vater und eine brasilianische Mutter. An diesem Freitag ist sie genau ein halbes Jahrhundert Königin von Schweden.
Eine Karriere hatte die ausgebildete Dolmetscherin schon vorher. 1970 war Silvia Sommerlath persönliche Assistentin von Willi Daume geworden, dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees. Als eine der Chefhostessen bei den Olympischen Spielen 1972 in München (und 1976 auch noch als stellvertretende Protokollchefin in Innsbruck) war sie für die VIP-Gäste verantwortlich und traf so den damaligen Kronprinzen aus Schweden. Er habe sie aus nächster Nähe mit einem Fernglas beobachtet, erzählte sie später. Was ihr ein wenig merkwürdig vorgekommen sei.
Die Heirat mit einer Bürgerlichen schien unmöglich
Noch aber saß Carl Gustafs Großvater auf dem Thron, und eine Heirat mit einer Bürgerlichen schien unmöglich. Doch Gustav VI. Adolf starb im September 1973, und der Enkel folgte ihm nach. Er galt als unreif und unerfahren, zudem hatte er den Ruf eines „Playboy-Prinzen“. Die Zeiten waren schwierig, 1975 erschütterte ein Terroranschlag auf die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Stockholm das ganze Land.
Als ein Jahr später die schöne und selbstbewusste Silvia Sommerlath nach vier Jahren heimlicher Fernbeziehung auftauchte, atmeten die Schweden auf. Die Hochzeit mit der Frau aus dem Volk, erst zum zweiten Mal in einem europäischen Königshaus, versöhnte das Land mit seinem König. Danach, sagte der langjährige Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt kürzlich, sei die Monarchie nicht mehr wirklich infrage gestellt worden.

Die junge Königin hatte es im Palast anfangs nicht leicht. Ihr wurde zwar ein Büro zugestanden, allerdings zunächst ohne Schreibmaschine. Silvia ließ sich davon nicht beirren. Gemeinsam mit ihrem Mann modernisierte sie die Monarchie, 1980 wurde rückwirkend die männliche Thronfolge aufgehoben und die erstgeborene Tochter Victoria zur Kronprinzessin – erstmals in einem europäischen Königshaus.
Silvia gründete auch eine Stiftung für Demenzkranke
Silvia engagiert sich seit vielen Jahren für benachteiligte Kinder. 1999 gründete sie die World Childhood Foundation, eine Stiftung, deren Fokus auf dem Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch liegt. Sie betreut 123 Projekte und Programme in neun Ländern, die meisten in Brasilien, wo Silvia selbst einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte. Noch etwas älter ist Silviahemmet, ihre Stiftung für Demenzkranke. Silvias Mutter Alice Sommerlath war an Demenz erkrankt und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens bei ihrer Tochter.
In Schweden wird an diesem Freitag gefeiert: Es ist Mittsommerabend, alljährlich ein großes Fest. Die Goldene Hochzeit und Silvias besonderes Jubiläum feierte das Königspaar darum schon vor sechs Tagen.
